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Katharina Heinig ist zum Gesicht des Frankfurer Stadtmarathons geworden.

Katharina Heinig

Gut Ding will Weile haben

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Es hat ein bisschen gedauert, bis Katharina Heinig in die Rolle als Aushängeschild für Frankfurt hineingewachsen ist

Auf der Startnummer, die Katharina Heinig zum Startschuss des Frankfurt-Marathon trägt, steht in Versalien nur „Katha“. Dazu die Nummer sieben, die ja nach Dafürhalten von Christoph Kopp, dem Sportlichen Leiter, beim ältesten deutschen Stadtmarathon so viel Glück bringen soll. Und die auch ein Zeichen der Wertschätzung ist. 

Die 29-Jährige ist zum Gesicht der Veranstaltung geworden: Ihr Konterfei ziert das Cover des Marathon-Buches 2017. Dass sie 2018 erneut startet, stand ursprünglich gar nicht auf der Agenda. Erst als ihre Mutter Katrin Dörre-Heinig nach der wenig befriedigenden Europameisterschaft in Berlin die Variante besprach, begann bei ihr die Überlegungen, die gute Form in einen Herbstwettkampf zu transportieren. Kurz nach ihrer Hochzeit am 6. September „habe ich das sehr zügig entschieden.“ 

Dass die in Leipzig geborene, aber seit 13 Jahren in Frankfurt beheimatete Leistungsportlerin zu einem Aushängeschild für die 42,195 Kilometer am Main geworden ist, erfolgte mit Verzögerung. Aber gemocht habe sie den Marathon hier schon immer, versicherte sie am Donnerstag: „Ich war ja vorher beim Mini-Marathon, bei den Staffeln oder als Tempomacherin dabei.“ Gut Ding will manchmal eben Weile haben.

Sie gehört gewiss nicht zu jenen Athleten, die kühne Ansagen tätigen, kecke Sprüche machen, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. In ihren öffentlichen Auftritten stellt sie ihren reflektierenden Charakter unter Beweis, sie kann vertiefend über den Sport ausholen – und sie scheut dann auch nicht vor kritischen Anmerkungen, wenn es um Qualifikationskriterien oder Dopingverdächtigungen geht. In die Rolle als Zugpferd des Frankfurt-Marathons ist sie reingewachsen. Zum Reifeprozess gehört auch, dass sie gestern frank und frei darüber sprach, sich nach 2020 um Nachwuchs zu kümmern. „Wir möchten irgendwann eine Familie gründen.“

Operation kommt später

Vorerst freut sie sich nach sechs Wochen Vorbereitung auf den Zieleinlauf in der Festhalle („die letzten Meter tun nicht mehr ganz so weh“), die Freunde und Bekannte an der Strecke („und Kollegen vom Polizeirevier“) und nicht zuletzt auf einen Wettkampf, von dem sie selbst nicht ganz genau weiß, wie er ausgeht. „Mein Ziel ist es, unter die magische von 2:30 Stunden zu kommen. Aber dafür spielt das Wetter eine entscheidende Rolle.“ Dass es ein bisschen kühler, windiger, vielleicht sogar regnerischer werden soll, findet sie gar nicht weiter schlimm: „Bloß kein Hitzerennen.“ 

Auf der Strecke gilt es aus ihrer Sicht, die Emotionen zwar einerseits zuzulassen, andererseits „sollte man sie auch gut verpacken“. Der Kopf, nicht der Bauch muss bei solch einer Ausdauerleistung den Takt für die Beine vorgeben. Im Hinterkopf hat sie die von Anja Sterl in Osaka aufgestellte Jahresbestleistung von 2:29:29 Stunden – was exakt ihrer Zeit aus dem Vorjahr in Frankfurt entspricht. 

Ihre persönliche Bestzeit (2:28:34 in Berlin 2016) steht eher nicht zur Debatte. Gleichwohl: „Wenn ich einen Marathon laufe, habe ich ein Ziel vor Augen.“ Fernziel sind dann die Olympischen Spiele 2020. Weshalb sich Katharina Heinig noch in diesem Jahr am rechten Fuß wegen eines Fersensporns und eines entzündeten Schleimbeutels operieren lässt, was seit Jahren auf die Achillessehne ausstrahlte. Die letzte Kortisonspritze hat sie indes vor einem Jahr bekommen, „seitdem habe ich zum Glück keine Schmerzen mehr.“ 

Katharina Heinig – nach der Hochzeit hat sie ihren Namen für dieses Metier behalten – weiß, dass sie danach wohl sieben Monate Pause machen muss. Der nächste Marathon werde erst im Herbst 2019 möglich sein. Gut möglich, dass die Läuferin von Eintracht Frankfurt dann wieder in ihrer Wahlheimat startet. Als Katha mit der Nummer sieben.

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