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Tony Hawk zeigt seine Künste noch immer gelegentlich - so wie hier im Jahr 2013 in San Diego.

Interview

„Dieser Sport wird olympisch. Irre!“

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Skateboard-Pionier Tony Hawk (51) über seine Anfänge auf Rollen und neue Tricks.

Tony Hawk hat das Skateboardfahren weltweit populär gemacht. Zu seiner aktiven Zeit setzte er neue Standards, verschob die Standards dessen, was für möglich gehalten wurde, immer weiter nach oben. Ohne ihn wäre Skateboarding im nächsten Jahr nicht olympisch – diese These muss erlaubt sein. Heute setzt sich der 51-Jährige als Botschafter der Laureus-Stiftung für die Belange des Sports in aller Welt ein.

Tony Hawk, Sie sind mittlerweile über 50 Jahre alt. Üben Sie noch neue Tricks ein?
Absolut, ja. Sie sind heute ein bisschen technischer und nicht mehr so risikoreich wie früher. Es sind vor allem Tricks, die von Menschen geschätzt werden, die selber skaten, weniger von der breiten Öffentlichkeit. Aber das erlaubt mir, auch in meinem Alter noch kreativ zu sein.

Wie stolz sind Sie, dass Sie eine ganze Sportart geprägt haben und immer noch als deren Gesicht gelten?
Es ist einfach eine riesige Ehre, als Botschafter des Skateboardens betrachtet zu werden. Ich liebe es, wie weit es mein Sport gebracht hat. Ich liebe es, dass Kinder sich diesen Sport aussuchen, genauso wie sie sich für eine Mannschaftssportart entscheiden. Skateboarding erhält viel Unterstützung – nächstes Jahr wird es sogar olympisch. Wahnsinn! Ich bin stolz darauf, diesen Sport repräsentieren zu dürfen.

Stichwort Olympische Spiele: Beneiden Sie die heutigen Fahrer, dass sie dort starten dürfen?
Nein, darum ging es mir auch nie. Skateboarding war einfach ganz anders, als ich begann. Es machte mich zu etwas Besonderem. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich die Attitüde der Mainstream-Sportarten nicht mochte. Es ging mir nicht um eine Goldmedaille. Das Ziel war, etwas Neues zusammen mit ein paar Freunden zu kreieren.

Skateboarding und die Olympischen Spiele – wie wird das zusammenpassen?
Das Format wird sich nicht groß von den aktuell im Fernsehen übertragenen Skateboard-Events unterscheiden. Die Organisatoren können daran einfach nicht viel ändern.

Das würde zum Beispiel bedeuten: Punkrock als Pausenmusik bei Olympia!
Ich weiß nicht, ob wir dort wirklich diese Art von Musik hören werden – aber ich hoffe es. Die Einstellung, die Attitüde der Skateboarder wird durchscheinen. Der große Unterschied wird sein: Bei normalen Turnieren passiert sehr viel abseits des eigentlichen Wettbewerbs. Diese spezielle Art von Chaos werden wir im olympischen Programm nicht sehen. Dafür wird es ganz einfach keine Zeit geben.

Ist Skateboarding damit zu einem Teil des Sport-Establishments geworden?
Das ist es schon eine ganze Weile. Allerdings skaten die Leute nicht, weil Skateboarding jetzt olympisch ist. Wenn diese Tatsache jedoch dazu führt, dass Kids zu Weltklasse-Athleten werden, die ohne die Präsenz des Sports bei Olympia dazu nicht die Möglichkeit bekommen hätten, ist das gut.

Arbeiten Sie bei der Integration Ihrer Sportart ins olympische Programm mit?
Ich war dabei, bis es offiziell verkündet wurde, jetzt nicht mehr. Aber vielleicht bin ich dann vor Ort am Mikrofon. Noch haben wir nicht darüber gesprochen, aber wenn sie mich einladen, wäre ich begeistert.

Ihre größte Leistung als Skateboarder war ein spektakulärer Trick namens 900 (ein Sprung mit einer zweieinhalbfachen Drehung um die Körperlängsachse). Wie war es, diesen Trick zu schaffen?
Ich habe dieses Manöver so lange versucht, fast zehn Jahre, immer wieder. Als ich es dann bei den X-Games 1999 endlich geschafft habe, war das eine riesige Erleichterung für mich. Ich war allerdings überrascht, dass es solch eine Aufmerksamkeit erhielt. Die Tricks, die ich bis dahin kreiert hatte, waren nur in der Welt der Skater bekannt. Niemand anderes hat sich dafür interessiert. Hierbei haben die Leute aber offenbar gedacht, dass etwas Besonderes passiert sein muss.

Haben Sie einen Trick im Kopf, den Sie niemals geschafft haben?
Ja, ich habe nie eine 720-Grad-Drehung geschafft, ohne dabei das Board zu berühren. Über Jahre habe ich es immer wieder erfolglos versucht.

Interview: Sebastian Harfst

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