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Khedira beim Länderspiel gegen Kasachstan.
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Khedira beim Länderspiel gegen Kasachstan.

FR-Interview mit Sami Khedira

„Diese Lockerheit tut mir gut“

Vor dem EM-Qualifikationsspiel in Österreich erklärt Nationalspieler Sami Khedira Vorzüge und Nachteile der spanischen Mentalität, seine Fitness nach ?langer Verletzung und seine Erwartungen für die nächste Saison.

Herr Khedira, sind Sie auf der Suche?

Auf der Suche nach was?

Zum Beispiel nach ihrer Torgefährlichkeit.

Ein Stück weit ja. Mein letztes Pflichtspieltor war ja der 3:2-Siegtreffer gegen Uruguay im Spiel um WM-Platz drei vor knapp einem Jahr. Das ist natürlich eine relativ lange Zeit. Doch vor meiner Verletzung hatte ich schon einige gute Aktionen vor dem Tor. Da war auch das ein oder andere Mal Pech dabei. In der Vorrunde war ich da wesentlich zurückhaltender. Aber damit habe ich nur meine Aufgaben im Team und die Vorgaben des Trainers erfüllt.

Haben Sie sich ihre ersten Saisontore nun für die Nationalmannschaft aufgehoben?

Nochmals: Ich war ja zuletzt schon bei Real kurz davor zu treffen und hoffe, dass ich in den nächsten beiden EM-Qualifikationsspielen was nachholen kann.

Das würde aber auch bedeuten, dass Sie nach Ihrem der Muskelbündelriss im Adduktorenbereich am Freitag in Wien spielen können?

Das ist jetzt sechs Wochen her. Die Verletzung ist ausgeheilt. Ich habe wenig auf dem Platz gemacht, aber viel im Kraftraum gearbeitet. Gewappnet bin ich auf jeden Fall.

Wie hat denn ihr Vereinstrainer José Mourinho reagiert, als Sie ihm mitgeteilt haben, dass Sie zur Nationalmannschaft fahren?

Er sieht es natürlich skeptisch, dass ich ohne großes Training und ohne große Spielpraxis noch einmal eingreife. Aber es gibt eine gute Absprache. Auch zwischen Mourinho und Joachim Löw. Die beiden haben telefoniert. Es ist doch klar, dass der Bundestrainer kein Risiko eingeht und dass ich nur auflaufe, wenn ich der Mannschaft auch helfen kann.

Ist es realistisch, dass Sie in Österreich von Anfang an spielen?

Nach dieser Muskelgeschichte ist es meiner Meinung nach so: Entweder ich spiele oder nicht, ein Zwischending wird es nicht geben. Dann setze ich mich lieber auf die Tribüne, wenn ich nicht richtig fit bin. Diese Einstellung kennt auch der Bundestrainer.

Vor Ihrer Verletzung waren Sie in sehr guter Form. Dann wurden Sie aus der entscheidenden Saisonphase herausgerissen...

Das war bitter. Denn wir standen mitten in den vier Spielen gegen den FC Barcelona, und nach dem Sieg im Pokalfinale hatten wir das Selbstvertrauen und eine ganz gute Taktik, um Barca zu schlagen. Grundsätzlich bin ich überzeugt, dass ich gerade zu diesem Zeitpunkt mein Leistungsoptimum und auch meinen Platz in der Real-Mannschaft gefunden hatte.

Was haben Sie bei Real gelernt?

Mehr auf Geduld zu spielen, um meine Stärken noch besser zur Geltung zu bringen. Ich habe nicht mehr das Gefühl, das Spiel in den ersten zehn Minuten entscheiden zu müssen. Beim VfB Stuttgart bin ich pro Partie zehn bis fünfzehn Mal in den Strafraum gestürmt. Jetzt mache ich das viel dosierter. Auch, weil das über 60 Pflichtspiele hinweg gar nicht geht. Ich versuche also, intelligenter zu spielen.

Und davon profitiert jetzt auch die Nationalmannschaft?

Diese Erfahrung kann ich nun natürlich einbringen, aber hier ist alles eingespielter, und ich genieße auch mehr taktische Freiheiten.

Sie sprechen so gut spanisch, dass Sie die Medien dort verstehen. Wie gehen Sie mit immer wieder harscher Kritik um?

In der Vorrunde musste ich hin und wieder Kritik einstecken. Damit habe ich kein Problem, sofern es ums Sportliche geht. Driftet es aber ins Persönliche ab, wie einige Male geschehen, ärgert es mich schon.

Die Sportzeitung As hat geschrieben, Sie würden „eine Gefühlskälte wie eine französische Schauspielerin zeigen“. Ist das schon persönlich?

Ich weiß ja, dass Marca und As Schlagzeilen produzieren müssen. Also bringen sie etwas Spektakuläres. Im umgekehrten Fall auch: Da schreiben sie, dass man nach einem guten Pass der neue Diego Maradona sei. Das ist genauso fatal. Ein Profi sollte einen 30-Meter-Pass durchaus spielen können, ohne dafür hochgejubelt zu werden. Wichtig für mich ist ohnehin nur, wie mich der Trainer beurteilt – und er steht zu mir.

Liegt die Beurteilung auch daran, dass die Madridistas ein Spektakel erwarten, Mourinho aber Systemfußball bietet?

José Mourinho ist ganz klar auf Titel aus. Doch jetzt hat er auch die Spieler, um spektakulär spielen zu lassen – ohne dabei seine Philosophie zu verlieren. Schauen Sie sich die Offensive mit Cristiano Ronaldo, Mesut Özil, Karim Benzema, Angel di Maria und auch Kaka an. Wenn davon vier spielen, ist das Extraklasse. Da kann man nicht nur verteidigen.

Was färbt von der entspannten spanischen Lebensweise auf Sie ab?

Dass ich ruhiger geworden bin. Ich kann das Leben außerhalb des Fußballplatzes jetzt mehr genießen. Diese Lockerheit tut mir gut.

Sportlich sind die Spanier auch das Maß der Dinge. Sie haben bereits kurz nach der WM 2010 gesagt, dass es nun darum gehen müsse, mit der DFB-Auswahl Titel zu gewinnen. Ist man diesem Ziel näher gekommen?

Wir haben unsere positive Entwicklung fortgesetzt, sonst würden wir in unserer Qualifikationsgruppe nicht souverän auf Platz eins stehen. Wir haben unser System gefunden, und nun rücken schon wieder junge Spieler nach, die Druck machen. Das ist gut, denn so kann sich keiner in der Mannschaft zu sicher sein.

Das heißt, 2012 könnte das Jahr der Titeltriumphe werden?

Das muss ganz klar das Ziel sein. Mit Real sind wir knapp an zwei Titeln gescheitert. Nun greifen wir neu an, vor allem in der Champions League. Davon träumt ganz Real. Und wenn wir mit der Nationalmannschaft die EM-Endrunde bestreiten, müssen wir den Anspruch erheben, diesen Titel zu wollen und zu holen.

Interview: Jan Christian Müller

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