+
Serge Gnabry (links) im Zweikampf mit Italiens Marco Parolo.

Nationalmannschaft

DFB-Nachwuchs besteht Härtetest in Italien

  • schließen

Die neu zusammengestellte deutsche Fußball-Nationalmannschaft beendet das Länderspieljahr mit einem etwas müden 0:0 gegen Italien.

Ein 0:0 zwischen Italien und Deutschland hatte es schon lange nicht mehr gegeben, gestern Abend im kühlen San Siro war es jedoch ein logisches Resultat angesichts der Harmlosigkeit beider Angriffsreihen. Dass es ein Offensivspektakel werden würde, hatte niemand erwartet, aber zumindest Bundestrainer Joachim Löw hatte geglaubt, dass in diesem Testspiel beide Mannschaften deutlich angriffsfreudiger zu Werke gehen würden als beim EM-Viertelfinale in Bordeaux, wo vor allem Vorsicht regierte.

Offenbar hatte er nicht die Äußerungen des neuen italienischen Trainers Giampiero Ventura gelesen, die allesamt so klangen als betreue der 68-Jährige nicht die stolze und ruhmreiche Squadra Azzurra, den viermaligen Weltmeister, der im eigenen Land erst zwei Mal gegen die Deutschen verloren hatte, 1929 und 1986, sondern Andorra oder gar San Marino. Bloß nicht ins Verderben rennen gegen diese ungeheuer starken Deutschen, lautete seine Devise. Die Fünferabwehrkette war lange vorher beschlossene Sache, davor postierte er ein Dreier-Mittelfeld, und auch die Angreifer Ciro Immobile und Andrea Belotti mussten hinten aushelfen, womit seine taktische Formation in gewisser Weise jener von San Marino am vergangenen Freitag ähnelte.

Löw hatte seinen Worten immerhin Taten folgen lassen und tatsächlich ziemlich forsch aufgestellt. Vorne war zwar weder San-Marino-Held Serge Gnabry noch Mario Gomez zu finden, dafür durfte sich Thomas Müller endlich mal wieder gegen richtige Profis austoben, und aus dem Mittelfeld sollten immer wieder Spieler in die Spitze stoßen, Debütant Yannick Gerhardt links, Joshua Kimmich rechts, Leon Goretzka in der Mitte. Das funktionierte jedoch nur selten, weil die Ideen fehlten und zu viel durch die Mitte gespielt wurde. Vor allem Gerhardt hätte links an seiner Außenlinie ohne Weiteres noch ein paar Autogramme schreiben können.

Hinten in Dreierformation

Hinten gab es die gegen Italien inzwischen etablierte Dreierformation, diesmal mit Shkodran Mustafi, Mats Hummels und Benedikt Höwedes. Beim 4:1 im März in München hatte das hervorragend geklappt, bei der EM eigentlich nur in defensiver Hinsicht. Diesmal klappte es auch defensiv nicht, weil die italienischen Angreifer bei Kontern oft schneller vorn waren als das deutsche Grünschnabel-Mittelfeld hinten. Und da der üblicherweise gepflegte Ballbesitzfußball mit Sebastian Rudy, Goretzka und Julian Weigl nicht ganz so reibungslos funktionierte wie sonst mit Mesut Özil, Toni Kroos und Mario Götze, gab es eine ganze Reihe Konter. Den besten schloss Immobile frei vor Torhüter Bernd Leno mit einem wuchtigen Schuss ab – neben das Tor.

Der erfolgreichste Torschütze in Italiens Fußballgeschichte heißt Gigi Riva und hat es gerade mal auf 35 Treffer gebracht. Mittelfeldspieler Daniele De Rossi wiederum hätte gestern mit seinem 20. Treffer im Nationaltrikot zu Paolo Rossi aufschließen können, einem der legendärsten Torjäger der Azzurri. Das zeigt mehr als deutlich, wo traditionell die Probleme der italienischen Mannschaft liegen, beim erfolgreichen Torschuss nämlich. Aktuell sind Andrea Belotti vom FC Turin und Immobile von Lazio Rom die beiden Hoffnungsträger in diesem Bereich, nachdem EM-Schütze Graziano Pellè im fernen China schmollt und West Hams Simone Zaza noch schwer traumatisiert von seinem Elfmeterballett in Bordeaux ist.

Beim 4:0 gegen Liechtenstein hatten Immobile und Belotti eine Halbzeit lang gewirbelt, gegen Deutschland fehlte sowohl der letzte Pass als auch der letzte Zug zum Tor. Das Publikum verabschiedete sein Team trotz der dezenten Darbietung beider Formationen zur Pause dennoch mit Beifall in die Kabine, offenbar hatte ihm Ventura so viel Angst eingejagt, dass es ein 0:0 zu schätzen wusste.

In der 46. Minute gab es dann eine Sensation zu bestaunen: Buffon stand nicht mehr im Tor der italienischen Nationalmannschaft. Den Platz des 38-Jährigen hatte sein designierter Nachfolger übernommen, der 17-Jährige Gianluigi Donnarumma vom AC Mailand, was bei den Milan-Fans in San Siro den größten Begeisterungssturm des Abends auslöste. Ventura hatte inzwischen Mut gefasst, die Italiener spielten nun, angetrieben vom starken De Rossi, angriffslustiger und brachten die deutsche Abwehr, vor allem den für Hummels eingewechselten Jonathan Tah, zunehmend in Bedrängnis. „In der zweiten Halbzeit haben wir uns zu sehr reindrücken lassen“, analysierte Thomas Müller in der ARD.

Doch Federico Bernadeschi, Immobile und Belotti mit seinem Pfostentreffer in der 82. Minute zeigten bei ihren guten Schusschancen, warum sich Gigi Riva vorerst keine Sorgen machen muss.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion