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Handball-WM

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Deutschland verpasst Finale der Handball-WM

Wacker gekämpft und doch verdient verloren: Die deutschen Handballer müssen sich im WM-Halbfinale gegen Norwegen mit 25:31 geschlagen geben.

Norwegen war einfach zu gut: Der Gold-Traum der deutschen Handballer bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land ist geplatzt. Gegen die Skandinavier verlor die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop im Halbfinale mit 25:31 (12:14) und verpasste dadurch das Endspiel am Sonntag in Herning. „Wir können trotz der Enttäuschung stolz sein“, sagte Prokop kurz nach der Partie. Der 40-Jährige wirkte niedergeschlagen – wie das gesamte Handball-Land, das in den vergangenen Tagen eineBegeisterung für die Sportart entwickelt hatte.

Man konnte niemand einen Vorwurf machen, der gestern ein deutsches Trikot am Körper trug – oder einen Schal um den Hals gelegt hatte. Die Mehrzahl der 12 500 Zuschauer in der Halle in Hamburg standen über die komplette Spielzeit, mehr Heimvorteil hätte die Mannschaft nicht bekommen können. Und die 16 Akteure auf dem Platz investieren alles, was nach acht Partien in den zurückliegenden 15 Tagen möglich war. Der Wille war riesig, aber die Norweger zu stark, so dass sie das Traumfinale der WM verhinderten.

Uwe Gensheimer: „Das tut extrem weh“

„Die Norweger waren einen Tick besser, die haben das clever gemacht“, sagte Paul Drux. Der Rückraumspieler der Berliner Füchse war „wie alle anderen enttäuscht“. Uwe Gensheimer hatte stark gespielt, der Kapitän erzielte sieben Tore, doch das reichte am Ende nicht, um dem Spiel eine positive Erkenntnis abzugewinnen. „Das tut extrem weh“, sagte der Linksaußen deutlich.

In der ersten Halbzeit waren die Deutschen trotz eines 12:14-Rückstandes noch relativ glimpflich davongekommen. Nach einer schnellen 3:1-Führung der DHB-Auswahl nach gerade einmal drei Minuten stellten die Norweger unter Beweis, warum ihnen im Vorfeld der Begegnung so viel Respekt entgegengebracht worden war.

Im Positionsangriff waren die Deutschen in der Lage, den Angriff der Skandinavier zu kontrollieren, mit ihrem Tempospiel gelangen den Norwegern aber immer wieder leichte Tore. Bis zum 9:9 hielten die Deutschen ein Remis, ehe sie mit 10:13 (26.) in Rückstand gerieten und dabei sogar in eine doppelte Unterzahl spielen mussten. Aus dieser gefährlichen Lage befreiten sich die Prokop-Schützlinge allerdings, kamen auf 12:13 heran, ehe Magnus Jondal nach Ablauf der ersten Halbzeit mit einem verwandelten Siebenmeter die verdiente Zwei-Tore-Führung erzielte – 14:12 für Norwegen.

Gegen Frankreich bleibt die Chance auf eine Medaille

Die bauten die Skandinavier nach der Pause zunächst aus und hielten den Abstand anschließend konsequent. Beim 19:15 (37.) lagen sie erstmals mit vier Treffern vorne und ließen die DHB-Auswahl danach nicht mehr näher als auf zwei Tore Differenz herankommen. Eine Viertelstunde vor Schluss sah Abwehrchef Hendrik Pekeler nach der dritten Zwei-Minuten-Strafe die Rote Karte und mit ihm ging viel Hoffnung für die eigene Mannschaft vom Feld.

Bis zum 25:27 drei Minuten vor dem Ende gab es eine Chance, die Begegnung mit einem spektakulären Ende noch einmal zu drehen. Mit vier Toren in den letzten 120 Sekunden machten die Skandinavier alles klar und schraubten das Ergebnis in eine Höhe, die dem Spielverlauf dann doch nicht angemessen war.

„Heute waren wir in Abwehr und Angriff nicht bei 100 Prozent“, sagte Silvio Heinevetter. Der Torhüter aus Berlin konnte der Begegnung wie sein Kollege Andreas Wolff nicht seinen Stempel aufdrücken, was auch daran lag, dass die Norweger in der Lage waren, sich immer wieder klare Wurfchancen zu erspielen. Der Vizeweltmeister von 2017 siegte deshalb verdient.

Am Sonntag bleibt den Deutschen deshalb nur die Chance, die bis gestern Abend perfekt verlaufende WM mit einem Sieg in Herning gegen Frankreich (14.30 Uhr) und einer Medaille zu beenden. „Da sehen wir eine andere deutsche Mannschaft“, kündigte Torhüter Heinevetter fast trotzig an.

Mit dem möglichen dritten Platz soll eine starke Weltmeisterschaft dann immerhin noch ein positives Ende finden. Drei Stunden danach werden die Norweger versuchen, im Endspiel gegen Dänemark den Traum des anderen Gastgebers der Welttitelkämpfe zu zerstören.

Dänische Machtdemonstration

Die dänische Nationalmannschaft setzte sich im Halbfinale der Handball-WM überraschend locker mit 38:30 (21:15) gegen Titelverteidiger Frankreich durch. Vor 12 500 Zuschauern in der ausverkauften Arena in Hamburg entwickelte sich ein Offensiv-Feuerwerk - mit deutlich besseren Dänen. Der Co-Gastgeber der WM lag zur Pause schon mit sechs Toren vorne. „Ich kann es kaum beschreiben. Ich bin wirklich gerührt“, sagte Trainer Nikolaj Jacobsen und fügte an: „Jetzt wollen wir auch den Titel.“

Mikkel Hansen, Superstar von Paris St. Germain, ragte aus einem starken dänischen Team heraus. Der Rückraumspieler warf zwölf Tore. „Dänemark hat den besseren Handball gespielt. Ihre Schützen haben den Rhythmus gefunden. Wenn sie diesen Lauf haben, sind sie schwer zu stoppen“, so der französische Trainer Guillaume Gille. 

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