Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Deutschland, einig Moppel-Land: Die Deutschen sind zu dick - Tendenz steigend.
+
Deutschland, einig Moppel-Land: Die Deutschen sind zu dick - Tendenz steigend.

Verzehrstudie

Deutschland XXL

Die Deutschen sind zu dick. Tendenz steigend. Zwei Drittel der Männer und mehr als die Hälfte der Frauen wiegen zu viel. Das hat häufig mit mangelnder Bildung und geringem Einkommen zu tun.

Von MICHAEL BERGIUS

Schwere Jungs

Männer tun sich buchstäblich schwerer mit ihrem Körpergewicht als Frauen. Insgesamt sind laut der nationalen Verzehrstudie zwei Drittel aller 18- bis 80-Jährigen übergewichtig; von den Frauen in derselben Altersspanne bringen "nur" 51 Prozent zu viel auf die Waage. Basis der Bewertung ist der so genannte Body-Mass-Index (siehe Infobox).

In bestimmten Altersgruppen zeigen sich alarmierende Trends: Waren bei der letzten Erhebung (im Jahr 1998) lediglich ein Fünftel aller 18- bis 19-jährigen Jungen zu dick, lag die Quote zuletzt bei 28 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung gab es bei Mädchen im selben Alter (ein Anstieg von 17 auf 23 Prozent). Während etwa zwischen dem 30. und dem 60. Lebensjahr heute die Lage etwas besser aussieht als noch vor zehn Jahren, gilt besonders für Männer ab 60: Sie wiegen heute mehr als vor einem Jahrzehnt.

Auch Untergewicht ist ein Problem - vor allem bei Jüngeren. Mädchen sind heute insbesondere ab dem 14. Lebensjahr davon betroffen. Im Alter von 17 sind fast zehn Prozent aller Mädchen zu dünn. Bei Jungen taucht dieses Problem erst auf, wenn sie 18 oder 19 Jahre alt sind und (mit 6,7 Prozent allein in dieser Altersgruppe) etwas geringer.

Wer hat im Haushalt bei Lebensmittelkäufen das Sagen? 29 Prozent der Männer antworten, sie seien es - gegenüber 65 Prozent der Frauen. Ähnliche Mehrheitsverhältnisse gelten auch für die Fertigkeiten am Herd: Zwei Drittel der Frauen schätzen ihre Kochkünste mit "sehr gut" bis "gut" ein, aber nur ein Drittel der Männer. Besonders talentierte Hobbyköche finden sich in der Altersgruppe der 35- bis 50-Jährigen.

Generell greifen Frauen häufiger zu Bioprodukten als Männer - unabhängig vom Geldbeutel. Was die Kenntnis verschiedener Verfahren der Lebensmittelverarbeitung - Einfrieren, Einkochen, Dörren oder Räuchern - betrifft, fallen der Studie zufolge "keine großen Unterschiede" auf.

Bildung hoch, BMI niedrig

Hat Ernährung etwas mit dem Bildungsstand oder dem sozialen Milieu zu tun? Die Studie beantwortet diese Frage mit einem eindeutigen Ja. Je höher der Schulabschluss desto geringer der sogenannte Body Mass Index. Oder andersherum: Es finden sich unter den Personen mit Hauptschulabschluss fast doppelt so viele Übergewichtige wie bei Absolventen einer Fachhochschule oder Universität; mit steigendem Pro-Kopf-Einkommen sinkt die Zahl derjenigen, die zu viel auf die Waage bringen. Adipositas ist vor allem ein Problem der unteren Schichten.

Ein Blick auf die regionale Verteilung zeigt, dass in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen verhältnismäßig wenig Übergewichtige und Fettleibige leben. Im Falle Hamburgs erklärt sich Studienleiter Gerhard Rechkemmer dies mit dem vergleichsweise hohen Einkommensniveau. Die Schlusslichter in dieser Tabelle bilden Thüringen, Sachsen und, auf dem letzten Platz, das Saarland.

Singles achten offenbar mehr auf ihr Gewicht als (Ehe-)Paare. Männer mit Partnerin neigen häufiger (73 Prozent) zum Bauch als allein Lebende (51 Prozent). Bei Frauen, so die Studie, gibt es keine Unterschiede, ob sie mit oder ohne Partner leben - "bis sie verheiratet sind". Denn Frauen mit Trauschein haben deutlich öfter Übergewicht (54 Prozent) als ledige (33 Prozent).

Mangelhaftes Wissen

Ungeachtet stundenlanger Kochsendungen in diversen Fernsehprogrammen und dem Verkaufsboom von Kochbüchern hält sich das Wissen über bestimmte Ernährungsthemen in Grenzen.

Nur acht Prozent der Erwachsenen können ihren persönlichen Kalorienbedarf richtig einschätzen; mehr als die Hälfte der Befragten konnten überhaupt eine Angabe dazu machen. Selbst bei der Vorgabe von drei möglichen Antworten wissen zwei von drei Bundesbürgern nicht, was ein "probiotischer Joghurt" und ein "ACE"-Getränk (Saft mit Vitaminzusatz) sind. Ähnlich schwach ausgeprägt ist das Wissen um die Kampagne "fünf am Tag", die zum Konsum von Obst und Gemüse animieren soll. Übrigens: In diesen Fragekategorien schneiden Frauen durchweg deutlich besser ab als Männer. Immerhin zwei Drittel der Bürger kennen das CMA-Gütezeichen sowie die Labels Bio oder Bioland. Das TransFair-Siegel, das für eine ökologisch und sozial verträgliche Produktion von Lebensmitteln wirbt, kennen rund 19 Prozent der Befragten.

Die Frage: Interessieren Sie sich für das Thema Ernährung? bejahen zwei von drei Erwachsenen. Als Hauptinformationsquellen werden die Printmedien, Angaben auf Lebensmittelverpackungen, persönliche Kontakte und das Fernsehen genannt.

Trend zu Vitamin-Produkten

Insgesamt zwölf Prozent der Deutschen halten eine Diät ein. Allerdings gibt es dafür unterschiedliche Beweggründe. Sieben Prozent tun es aufgrund einer Erkrankung wie Diabetes; die Übrigen - darunter deutlich mehr Frauen als Männer - gaben an, sie hielten Diät, um abzunehmen.

Immerhin 28 Prozent der Bundesbürger nehmen der Studie zufolge Nahrungsergänzungspräparate und angereicherte Medikamente ein. Dazu gehören etwa Folsäure oder Vitamin-Produkte. Frauen greifen hier generell häufiger zu als Männer, und der größte Konsum ist in der Altersgruppe zwischen 65 und 80 Jahren zu verzeichnen. Beunruhigt zeigte sich Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) über die schlecht ausgeprägte Risikowahrnehmung der Bundesbürger. Bei der Frage, wo potenzielle "Gesundheitsgefahren" vermutet werden, landeten Nahrungsmittel nur auf Rang neun und damit hinter Zigarettenkonsum oder Stress im Beruf.

Eine einseitige Ernährung erscheine den meisten Menschen "weniger riskant, obgleich hier die weitaus größeren Gefahren für die eigene Gesundheit liegen", beklagte der Minister. Auch wird das Risiko: "zu viel und zu einseitig essen" laut Studie weniger ernst genommen als der Verzehr von Pflanzenmittel- und Tierarzneirückständen oder Gammel-Fleisch.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare