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Lokalmatadorin Tabea Alt fällt aus.

WM in Stuttgart

Deutschen Riegen drohen personelle Engpässe

Knapp vier Monate vor den Heim-Weltmeisterschaften in Stuttgart häufen sich bei den deutschen Kunstturnern die Verletzungen.

Knochen brechen, Bänder reißen, Rücken und Schultern schmerzen – großes Verletzungspech beeinträchtigt die Vorbereitungen der deutschen Kunstturner auf die Weltmeisterschaften im Oktober in Stuttgart enorm. Der Heimvorteil dürfte wichtiger denn je sein, dennoch könnte die Qualifikation für den olympischen Team-Wettbewerb zu einer Zitterpartie werden.

Lokalmatadorin Tabea Alt fällt wegen Schulterproblemen und Rückenbeschwerden für die Welttitelkämpfe definitiv aus, die WM-Teilnahme des Barren-Spezialisten Lukas Dauser (Unterhaching) ist wegen eines Mittelhandbruchs mehr als nur gefährdet. Und die Frage, ob der Berliner Philipp Herder seinen Trainingsrückstand nach einem Bänderriss zwischen dem vierten und fünften Halswirbel rechtzeitig aufholen kann, treibt auch Bundestrainer Andreas Hirsch um.

„Die Olympia-Qualifikation wird nicht nur eine Utopie bleiben, aber wir laufen schon den Defiziten ein bisschen hinterher“, sagte der Chefcoach. Denn nun werden dem Berliner mit Dauser und Herder wahrscheinlich zwei solide Mannschaftsturner fehlen. Wichtige Punktesammler für eine WM-Platzierung unter den zwölf besten Riegen, die für die Olympiatickets für Tokio 2020 unabdingbar ist.

Hirsch darf sich angesichts des drohenden personellen Engpasses zumindest in seiner Einschätzung bestätigt fühlen, Routinier Marcel Nguyen sanft auf den Weg zurück zum Mehrkämpfer an allen sechs Geräten geführt zu haben. Die Erfahrung des fast 32-Jährigen ist im Hinblick auf Olympia wichtiger denn je.

Weitere Stabilität für die DTB-Riege erhofft sich Hirsch von dem auch schon 29 Jahre alten Chemnitzer Andreas Bretschneider, der nach seinem Achillessehnenriss langsam wieder in Form kommt. Die jüngeren deutschen Athleten wirkten beispielsweise bei den Europameisterschaften im April in Stettin mehrfach überfordert. Hirsch: „Gerade an unseren Schwachpunkten sind sie noch nicht die richtige Hilfe.“

Weniger angespannt ist die Lage bei den deutschen Turnerinnen – noch. Doch ein zweiter Ausfall zusätzlich zu Alt, die schon seit 18 Monaten außer Gefecht ist und üble Rückenschmerzen aufwändig therapieren lassen muss, täte auch der Truppe um die Stuttgarterin Elisabeth Seitz, aktuelle WM-Dritte am Stufenbarren, richtig weh.

„Aber darum geht es jetzt nicht. Erstmal muss Tabea an ihre Gesundheit denken“, sagte Cheftrainerin Ulla Koch. Unter ihrer Führung qualifizierte sich die deutsche Frauen-Riege immerhin seit 2008 dreimal nacheinander für Olympia. Kollege Hirsch gelang dies mit den Männern seit 2004 sogar viermal in Serie.

Ganz andere Probleme planen die Kolleginnen aus der Fraktion Rhythmische Sportgymnastik. Sie mussten ihre beiden angestammten Trainingshallen im Bundesstützpunkt Fellbach-Schmiden wegen eines massiven Wasserschadens räumen. Und ihre WM, Olympia-Qualifikation inklusive, steht bereits im September in Baku an. (sid)

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