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Ganz schön viel los vorm Olympiastadion in Berlin (von links und rechts): Theo Reinhardt (Bahnradfahrer), Annika Schleu (Fünfkämpferin), Ronny Rauhe (Kanut), Ornella Wahner (Boxerin), Sophie Scheder (Turnerin), Camilo Mayr (Bogenschütze), Lukas Dauser (Turner), Thomas Röhler (Leichtathlet), Alexander Nobis (Fünfkampfer) und Damian Wierling (Schwimmer.

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Deutsche Meisterschaften: Den Versuch ist es wert

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Zehn Sportverbände tragen ihre Deutschen Meisterschaften an diesem Wochenende in Berlin aus. Es ist zwar bedauerlich, dass alles Event-Charakter haben muss, um Interesse zu generieren, für die Sportarten ist es aber auch eine Chance. Der Kommentar.

In einer Woche wird König Fußball alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wenn die erste Runde des DFB-Pokals angepfiffen wird, müssen die anderen Sportarten wieder um Sendezeiten und Schlagzeilen kämpfen. Aus diesem Grund haben sich die Verbände von Bahnradsport, Bogensport, Boxen, Kanu, Leichtathletik, Moderner Fünfkampf, Schwimmen, Turnen, Triathlon und Trial zusammengetan und tragen ihre Deutschen Meisterschaften an diesem Wochenende in Berlin aus. „Die Finals“, so lautet der Titel des Multisportevents.

Die nationalen Titelkämpfe zu bündeln, ist auf jeden Fall einen Versuch wert. Es ist zwar schade, dass viele Menschen sich nur noch für Veranstaltungen mit Event-Charakter interessieren, aber dieser Realität dürfen sich die Sportverbände nicht verweigern. Vergangenes Jahr trugen die Leichtathleten ihre Deutsche Meisterschaft in Nürnberg aus, die Kanuten in Hamburg und die Bogenschützen in Wiesbaden. Alle an einem anderen Wochenende. Die Einschaltquoten, wenn das Fernsehen überhaupt da war, waren mäßig. Die Athleten bekommen am Samstag und Sonntag die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. 20 Stunden übertragen ARD und ZDF live, zusätzlich gibt es jede Menge Livestreams.

Vor allem für Sportarten wie den Modernen Fünfkampf oder Trial ist es die Chance, im Sog der großen Sportarten mitzuschwimmen und neue Fans oder gar Mitglieder zu gewinnen. Für die professionellen Schwimmer sind die Titelkämpfe hingegen nur noch eine Art Schaukampf. Der Saisonhöhepunkt war die WM vergangene Woche in Südkorea, auch die Zeiten spielen für die Olympischen Spiele in Tokio im kommenden Jahr keine Rolle. Deswegen wäre es durchaus reizvoll gewesen, die Schwimmer im Freibad am Olympiastadion starten zu lassen. Zum einen wegen der Nähe zu den Zuschauern, aber auch zu den Leichtathleten.

Die sind natürlich das Zugpferd, wie schon vergangenes Jahr bei den European Games. Sieben Sportarten haben ihre Europameisterschaften in Glasgow und Berlin ausgetragen, wobei nur die Leichathletik in Berlin war. Der Erfolg von 2018 war sicher auch eines der Hauptargumente für die Zentralisierung. Als Vorbild dient der Wintersport, bei dem an den Wochenenden ein Ereignis das andere jagt. Da bleibt man auch mal bei der zehnminütigen Curlingzusammenfassung hängen. Und letztlich sind es die Zuschauer, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Die Einschaltquoten und Klicks bei den öffentlich-rechtlichen Sendern werden zeigen, ob es zu einer Wiederholung der „Finals“ kommt oder nicht.

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