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Die deutschen Handballer feiern zum Auftakt der Heim-WM einen klaren Sieg.

Handball-WM

Deutsche Handballer feiern klaren Sieg

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Die deutsche Handball-Nationalmannschaft siegt beim WM-Auftakt gegen Korea souverän ? die Schwäche des Gegners lässt jedoch nur wenige Rückschlüsse zu.

Politisch war das Auftaktspiel der deutschen Handballer bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land enorm aufgeladen, sportlich war es ein Testspiel unter Wettkampfbedingungen: Mit einem ungefährdeten 30:19(17:10)-Erfolg über das Team aus Gesamtkorea startete der WM-Gastgeber gestern Abend ins Turnier. Die Fakten, die ersten 60 Minuten hinter sich gebracht zu haben und die Emotionen aufsaugen zu können, waren wichtiger als die Leistung.

„Der Augenblick, als wir in die Halle eingelaufen sind, war der Moment, als sich für uns alle ein Traum erfüllt hat“, sagte Matthias Musche. Der Linksaußen vom SC Magdeburg hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er dem Turnier in der Heimat entgegenfiebert und genoss die „Gänsehautmomente“, die es in erster Linie vor Spielbeginn gegeben hatte. Unter großem Jubel der mehr als 13 000 Zuschauer in der Halle waren die 16 deutschen Spieler aufs Spielfeld marschiert, das Warten war vorbei, es konnte losgehen. „Man hat gemerkt, dass wir nervös waren. Ich denke, wir haben es im Laufe des Spiels aber ganz gut hinbekommen“, sagte Kreisläufer Hendrik Pekeler.

Eröffnungsspiele bei großen Turnieren haben es ja in den allermeisten Fällen an sich – und das ist über die Sportarten hinweg so – dass sie sportlich nicht mit der eigentlichen öffentlichen Erwartung und der sportpolitischen Bedeutung mithalten können. Das war in der Arena am Ostbahnhof nicht anders und im Grunde auch gar nicht möglich. Die Qualitätsunterschiede beider Mannschaften waren viel zu groß, und die übliche Nervosität vor und während des ersten Matches hemmte den Spielfluss – vor allem den des Favoriten.

An der Deutlichkeit des Resultates änderte das aber nichts, denn das Team aus Korea war nicht wirklich wettbewerbsfähig. Zwischendurch wirkte das Geschehen auf dem Spielfeld, als würde die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) gegen die eigene A-Jugend spielen.

Deshalb konnten sich die Spieler des Gastgebers in erster Linie darauf konzentrieren, ihren ganz individuellen Zugang zu ihrer „Heim-WM“ zu finden. Weil nicht nur die Spieler, sondern auch die Schiedsrichter zum Beginn von Weltmeisterschaften traditionell hoch- und manchmal auch übermotiviert sind, hatten die Prokop-Schützlinge auch damit zu tun, sich auf die kleinliche Regelauslegung der Unparteiischen aus Dänemark einzustellen. In einem absolut fairen Spiel ohne große Härte hatten sie bis zur Pause acht Zeitstrafen verhängt und dem Koreaner Kim Dongmyung die Rote Karte gezeigt. „Es ist oft so, dass zu Turnierbeginn viele Strafen gepfiffen werden. Meist legt sich das in den nächsten Matches“, hofft Pekeler auf eine Normalisierung der Regelauslegung.

Schon in der zweiten Halbzeit gab es weniger Zeitstrafen, die Schiedsrichter hatten die Nervosität schneller abgelegt als die Spieler. Die Partie blieb aus deutscher Sicht zäh. „Wir haben vielleicht ein paar Bälle zu viel verworfen, aber das möchte ich nicht zu hoch hängen“, zeigte sich Christian Prokop milde. Der Bundestrainer wusste, welcher Druck auf den Spielern seiner Mannschaft gelastet hatte. 

Wichtig und entscheidend war für den Trainer vielmehr, dass er wegen des klaren Vorsprungs allen Spielern einen persönlichen WM-Einstand ermöglichen konnte. Jeder der 16 Akteure kam zum Einsatz, was mit dazu beitrug, dass der Spielfluss zum Ende der zweiten Halbzeit wieder stockte. „Es ist doch entscheidend, dass wir deutlich gewonnen haben, in der Leistung können wir uns noch steigern“, erklärte Musche.

„Wir müssen das Spiel schnell hinter uns lassen“, sagte Prokop zum Abschluss. Für den 40-Jährigen ist klar, dass die Besonderheit des Eröffnungsspiels schon heute keine Rolle mehr spielen darf. Morgen im zweiten Gruppenspiel gegen Brasilien werden die Deutschen voll gefordert, dann darf die Atmosphäre bei der Heim-WM nicht mehr überlagern, sondern nur noch als Rückendeckung dienen.

Korea – Deutschland 19:30 (10:17)
Korea: J. Park, Ji – T. Kang (4 Treffer), Jang (4/1 Siebenmeter), Jo (3), K. Park (3), J. Kang (2), Jung (1), Ku (1), Ri (1).
Deutschland: Wolff, Heinevetter – Gensheimer (7/3), Pekeler (4), Kohlbacher (4), Fäth (4), Musche (3), Groetzki (2), Wiencek (2), Drux (1), Weinold (1), Böhm (1), Wiede, Strobel, Lemke, Semper (1).
Zuschauer in Berlin: 13.500 (ausverkauft)

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