+
Andreas Wolff hält dem DHB-Team mit bärenstarker Leistung den Rücken frei.

Handball-EM

Deutsche Handballer besiegen Oranje

Deutschland siegt, Gensheimer fliegt - und Wolff vernagelt das Tor. Das DHB-Team gewinnt den EM-Auftakt gegen Debütant Oranje. Gegen Spanien müssen sich die Spieler steigern.

Uwe Gensheimer wusste, bei wem er sich zu bedanken hatte. Kaum war die Schlusssirene nach dem 34:23 (15:13) der deutschen Handballer im EM-Auftaktspiel gegen die Niederlande ertönt, rannte der Kapitän auf das Spielfeld und umarmte Torhüter Andreas Wolff. Während Gensheimer nach einer roten Karte in der 16. Minute nur noch als Zuschauer auf der Tribüne saß, hatte Wolff einer phasenweise schwächelnden deutschen Mannschaft mit einer bärenstarken Leistung die nötige Rückendeckung gegeben.

Im zweiten Gruppenspiel am Samstag gegen Titelverteidiger Spanien (18.15/ARD) wartet ein anderes Kaliber auf das Team von Bundestrainer Christian Prokop – und Wolff hat einen großen Wunsch: „Ich würde wie vor zwei Jahren in Polen gerne wieder das EM-Finale gegen Spanien gewinnen, aber dieses Mal auch das erste Turnierspiel gegen sie.“ 2016 hatte Deutschland das Gruppenspiel gegen die Iberer verloren, das Finale aber für sich entschieden.

„Wir wussten, dass wir große Chancen haben, als Sieger vom Parkett zu gehen, wenn wir unser Ding durchziehen“, sagte Bundestrainer Christian Prokop nach dem streckenweise zähen Auftakt vor 4057 Zuschauern in Trondheim: „Der Platzverweis von Uwe war dann aber ein klarer Bruch in unserem Spiel. Wir haben ein bisschen gebraucht, uns danach zu sammeln.“ Wolff sei „in den wichtigen Situationen hellwach“ gewesen: „Er und Kai Häfner im Rückraum waren unsere Matchwinner. Aber trotzdem ist das Ergebnis deutlicher, als es der Spielverlauf war.“

Beste deutsche Werfer gegen Oranje waren Häfner (MT Melsungen) und Kreisläufer Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen) mit jeweils fünf Treffern.

Am Platzverweis des Kapitäns ließ sich nach einer Viertelstunde der Bruch im Spiel der deutschen Mannschaft festmachen. Der 33-Jährige hatte Oranje-Keeper Bart Ravensbergen beim Siebenmeter im Gesicht getroffen – nach Ansicht der Videobilder blieb den slowenischen Schiedsrichtern Bojan Lah/David Sok keine andere Wahl, als Gensheimer auf die Tribüne zu schicken.

„Das hat sich nicht gut angefühlt“, sagte Gensheimer: „Jetzt bin ich erleichtert, jetzt kann ich locker sein, zwischendurch war ich das nicht. Aber es war eine klare rote Karte, der Torwart hat sich nicht bewegt.“

Zuvor hatte sich die deutsche Mannschaft nach einer nervösen Anfangsphase gefangen und führte nach einem 5:0-Lauf nach einer Viertelstunde mit 10:5. Gelungene Abschlüsse aus dem Rückraum und präzise Anspiele an den Kreis zogen den quirligen Niederländern den Zahn, die Abwehr stand sicher, und dahinter zeigte Wolff in den ersten 15 Minuten bereits fünf Paraden.

Dann lief auf einmal nicht viel zusammen. Die Bälle an den Kreis kamen nicht mehr an, die Abwehr packte nicht konsequent zu, im Rückwärtslaufen waren die deutschen Spieler nicht aufmerksam genug. Die Niederländer, angetrieben von ihrem nur 1,72 m großen Aufbauspieler Luc Steins, waren schneller und giftiger und nutzten das schwerfällige Spiel ihres Gegners gnadenlos aus.

„Wir starten gut, aber dann gibt es ein paar Zeitstrafen zu viel, und wir schmeißen paar Bälle in den Kreis, die nicht ankommen“, sagte Teammanager Oliver Roggisch am ZDF-Mikrofon. Das änderte sich in der zweiten Hälfte zunächst nicht, Deutschland kam überhaupt nicht ins Spiel und lag in der 35. Minute nur noch mit einem Treffer in Führung. In dieser Phase war es Wolff und einer aufmerksamer werdenden Abwehr zu verdanken, dass die Partie nicht zugunsten von Oranje kippte.

Auf der Tribüne erlebte dann Verbandspräsident Andreas Michelmann mit einem Deutschland-Schal um den Hals, wie sich sein Team dank schneller Tore von Fabian Böhm und Kai Häfner Schritt für Schritt das Kommando zurückholte und den schwächer werdenden Gegner am Ende sicher beherrschte. „Wir gewinnen das Spiel, wenn wir sie jetzt nicht mehr einladen“, sagte Prokop. Das taten seine Spieler nicht mehr, und wenn doch mal ein Ball durchkam, war Wolff die Endstation. (sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare