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Frustriert ins Ziel: Arnd Peiffer (links) musste den Italiener Dominik Windisch ziehen lassen.
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Frustriert ins Ziel: Arnd Peiffer (links) musste den Italiener Dominik Windisch ziehen lassen.

Mixed-Staffel

Deutsche Biathleten gehen leer aus

  • VonMax Bosse
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Das deutsche Quartett in der Formation Vanessa Hinz, Laura Dahlmeier, Erik Lesser und Arnd Peiffer muss sich mit Platz vier zufriedengeben.

Arnd Peiffer umarmte Vanessa Hinz hinter dem Umkleidecontainer im Zielraum, und die 25-jährige Olympiadebütantin knuffte den 30-jährigen aufmunternd. Da war noch nicht klar, ob er gerade nicht nur den sicher geglaubten Titel an Frankreich verloren hatte, sondern gar noch den untersten Platz auf dem Podest. „Er hat sich entschuldigt. Er weiß, dass das meine erste Medaille gewesen wäre“, erzählte Hinz, als nach einer Stunde des Wartens und des vergeblichen Protestierens der wertlose vierte Platz in der Mixed-Staffel feststand. „Er macht sich die größten Vorwürfe“, sagte sie. „Es ist nicht einfach, an der vierten Position zu stehen.“ Und eigentlich war Peiffer auch gar nicht als Schlussläufer vorgesehen gewesen.

Eine Stunde hatte Peiffer noch gehofft, dass es wenigstens einen kleinen Trost für seine drei Teamkollegen geben würde. Weil der Italiener Dominik Windisch im Zielsprint um die Bronzemedaille die Bahn gewechselt hatte, hatten die Deutschen Protest eingelegt. „Es lief nicht hundertprozentig fair ab“, sagte Peiffer. „Dominik hat sich zwei Korridore offen gehalten. Das finde ich blöd, weil die Regel ist, dass man sich vorher für einen der drei Korridore entscheiden muss“, sagte er.

Alle Trümpfe verspielt

Das sah die Jury letztlich anders, weil Peiffer nicht an Geschwindigkeit verloren habe. „Aber ich musste trotzdem einen Schub auslassen, um auf die andere Seite zu kommen. Deswegen verstehe ich die Argumentation nicht so ganz“, entgegnete Peiffer. Doch weitaus mehr ärgerte es ihn, dass es überhaupt zu diesem Schlussspurt gekommen war: „Ich hatte alle Trümpfe in der Hand und habe nichts daraus gemacht. Meine drei Mitstreiter haben einen super Job gemacht, und ich habe es letztlich mit meiner Leistung verhindert, dass sie belohnt werden.“

Als die Mixed-Staffel aus zwei Frauen und zwei Männern 2009 in Pyeongchang in die Biathlon-Weltmeisterschaften eingegliedert wurde, da war sie – vorsichtig ausgedrückt – nicht der begehrteste Wettbewerb. Ein Rennen für die zweite Reihe, irgendwie reingequetscht zwischen die Einzelrennen. Die Besten schonten sich für den ausstehenden Massenstart und die echten Staffeln am Ende.

Neun Jahre später am gleichen Ort war sie aus Athletensicht der Höhepunkt. „Wir Norweger haben unsere Priorität auf dieses Rennen gelegt. Wir mögen es sehr“, sagte Emil Hegle Svendsen, der sein Team auf den Silberrang gebracht hatte. Warum? „Frauen und Männer, da sieht man die beste Biathlon-Nation.“

Weil das so ist, hatten die deutschen Trainer ein großes Geheimnis aus ihrer Formation gemacht, wie es sonst nur Fußballcoaches tun. Die Auswahlmöglichkeiten waren bei drei männlichen Medaillengewinnern und all den guten Platzierungen der Frauen ja groß. Bis zur Meldefrist hielt man sich bedeckt, aus Sorge, dass die Konkurrenten reagieren und ihre Aufstellung anpassen könnten. Einzig den Mann für den Zielsprint hatten sie verkündet: Simon Schempp. Doch dann mussten sie ausgerechnet ihn abmelden – wegen Halsschmerzen. Peiffer, der den Vorabend im Deutschen Haus verbracht hatte, erfuhr sechs Stunden vor dem Start, dass er einspringen muss.

Geplant gewesen war eigentlich so etwas wie ein um Laura Dahlmeier herum gruppiertes Team der unerfüllten Sehnsüchte. Mit Hinz als Startläuferin, die im Sprint mögliches Silber mit dem letzten Schuss vergeben hatte. Dazu den unglücklichen Vierten aus dem Massenstart-Rennen der Männer, Erik Lesser, und den im selben Wettkampf um eine halbe Schuhlänge geschlagenen Schempp. Die Wahl des Ersatzmanns schien logisch, schließlich hatte Peiffer den olympischen Sprint zu Beginn der Spiele gewonnen, und in der Staffel wird eben diese Kurzdistanz absolviert.

Letztlich aber war das Rennen nur zu drei Vierteln perfekt. Hinz blieb fehlerfrei, Dahlmeier und Lesser luden je einmal nach, Resultat: Peiffer übernahm 30 Sekunden Vorsprung. Aber schon beim Laufen ging Sekunde um Sekunde verloren. Zudem traf er bei den zwei Schießstandbesuchen insgesamt sechsmal daneben und musste trotz der drei Ersatzpatronen in die Strafrunde.

So war es dann nicht Laura Dahlmeier, die ihr drittes Gold in Pyeongchang gewann, sondern der französische Schlussläufer Martin Fourcade. „Es war der wichtigste Team-Wettkampf für eine Nation und der, der am schwierigsten zu gewinnen ist. Dass wir heute gewonnen haben, ist wundervoll für unser Land“, sagte er. Peiffer tat das alles wahnsinnig leid.

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