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Der deutsche Australier

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Von: Frank Hellmann

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Jubeltanz nach dem Juve-Coup: Fulhams Torwart Schwarzer
Jubeltanz nach dem Juve-Coup: Fulhams Torwart Schwarzer © firo

Mark Schwarzer ist Torwart von FC Fulham und der australischen Nationalelf. Erst steht er Meister Wolfsburg in der Europe League, dann der Nationalelf bei der WM im Weg. Von Frank Hellmann

Deutsch redet Mark Schwarzer fast akzentfrei. Was nicht weiter verwundert, wenn der vor vier Jahrzehnten nach Australien ausgewanderte Vater Hans gebürtiger Zwickauer ist, Mutter Doris aus Baden-Baden stammt. Schwarzer, beim englischen Erstligisten FC Fulham wie in der australischen Nationalelf unumstrittener Stammtorwart, wird nun wiederholt auf seinen Stammbaum angesprochen. Am Donnerstag trifft sein Arbeitgeber in der Europa League auf den deutschen Meister VfL Wolfsburg, am 13. Juni steigt in der südafrikanischen Hafenstadt Durban das WM-Gruppenspiel Deutschland gegen Australien.

"Irgendwo muss da eine Verbindung zu Deutschland sein", sagt der 37-Jährige mit dem deutschen Pass auch eingedenk der Tatsache, dass er bereits 2005 beim Confederations Cup in Frankfurt auf die damals noch von Jürgen Klinsmann angeleitete deutsche Nationalelf traf.

Schon damals erzählte er die Geschichte, wie wichtig ihm die Verwandtschaft in Baden-Württemberg sei; wie ihm ein Onkel immer deutsche Trikots schickte; wie er einst für Toni Schumacher schwärmte. Dieser Hintergrund erklärt auch, warum Schwarzer als 22-Jähriger aus Sydney zurückkam, um erst bei Dynamo Dresden, dann beim 1. FC Kaiserslautern den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Mehr als sechs Einsätze in der deutschen Eliteklasse sollten zwischen 1994 und 1996 indes nicht herausspringen, erst mit dem Wechsel zu Bradford City und später FC Middlesbrough gelang ihm der Durchbruch. Schwarzer bezeichnet die Erfahrung in Sachsen und der Pfalz als "zeitweise bitter, aber es waren doch sehr gute Lehrjahre". Er, der als flippiger, langhaariger Goalie sein Talent nicht abrufen konnte, war danach auf dem richtigen Weg - heute gilt er als Musterprofi, als Ausbund an Zuverlässigkeit, als Star ohne Allüren.

Trikots vom deutschen Onkel

In Fulham, wohin der 2005 zum "Australien man of the year" gekürte Schlussmann nach 366 Spielen für Middlesbrough im Sommer 2008 wechselte, untermauerte der zweifache Familienvater seinen Ruf als einer der besten Keeper der Premier League. Dass sich der Londoner Vorortklub zudem in der Europa League erst gegen AS Rom, FC Basel und ZSKA Sofia behauptete, dann in der K.-o.-Runde Cupverteidiger Schachtjor Donezk und Cupfavorit Juventus Turin eliminierte, war eben auch Schwarzers Verdienst. Für viele gilt der Keeper als beinahe schon so kultig wie das 1896 erbaute Stadion Craven Cottage.

Ohne die Finanzspritzen des ägyptischen Gönners Mohamed Al-Fayed würde ihn hier allerdings nicht der gewiefte Roy Hodgson trainieren, würde der gereifte Schwarzer nicht das Tor hüten. Neben Stellungsspiel und Reaktionsschnelligkeit zeichnen den 1,96-Meter-Mann Mut und Unerschrockenheit im Strafraum aus - unverzichtbare Eigenschaften, um auf der Insel zu bestehen; "dort, wo Stürmern und Torhütern ein größerer Respekt entgegengebracht wird", wie er sagt. In akzentfreiem Deutsch natürlich.

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