Floh 2014 aus Syrien: Ahmad Badreddin Wais.
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Floh 2014 aus Syrien: Ahmad Badreddin Wais.

Radsport

Botschafter auf Rädern

Der Syrer Ahmed Badreddin Wais fordert die Tour-Stars heraus.

Ahmed Badreddin Wais kämpfte sich im Auto durch Syrien und den Libanon, setzte per Boot über in die Türkei, schlug sich weiter nach Griechenland durch und erhielt schließlich in der Schweiz Flüchtlingsstatus. Mit wenig mehr als Leib und Leben brachte sich der heute 29-Jährige aus dem Kriegsgebiet seiner syrischen Heimat in Sicherheit – sechs Jahre später nimmt es der Radprofi mit der wohl bewegendsten Geschichte im Feld beim WM-Einzelzeitfahren von Imola mit Tour-Stars wie Tom Dumoulin oder Wout Van Aert auf.

„Ich möchte allen in der Welt sagen, dass unsere jungen Menschen, die aufwachsen und etwas lernen oder sich für etwas ausbilden lassen, Frieden brauchen, um dies zu tun“, sagte er einmal der Nachrichtenagentur AFP. „Wir hoffen, den Krieg eines Tages bald für alle Syrer beenden zu können.“

Zu seiner langen und schwierigen Flucht gehörte auch, in der Türkei unterzutauchen, einen neuen Pass zu bekommen und zu hoffen, dass die Schweizer Regierung ihm die notwendigen Papiere für seinen Aufenthalt ausstellen würde. „Das waren sehr schwierige Momente in meinem Leben“, betonte Wais, der fließend schweizerdeutsch spricht.

Vom Militär gesucht

WM-Teilnahmen, wie die in Imola am Freitag, sind einzigartige Erlebnisse, die für ihn vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wären: Erst im Alter von 14 Jahren begann er mit dem Radsport, nahm 2009 zum ersten Mal an der Junioren-WM teil. Auch als 2012 der syrische Bürgerkrieg ausbrach, hielt es den leidenschaftlichen Rennfahrer nicht davon ab, weiter zu trainieren. Auch nicht, als seine Eltern 2013 in die Türkei flüchteten – ohne ihn. Als Student überlebte er in Damaskus, bis er es 2014 nicht mehr aushielt und beschloss, dem Elend zu entfliehen.

Am Start einer Straßenrad-Weltmeisterschaft steht Wais am Freitag dann bereits zum vierten Mal. Sein Debüt im norwegischen Bergen 2017 beendete er auf dem 60. Platz. Es folgten der 53. in Innsbruck und eine erneute Steigerung 2019 in Yorkshire/England – Rang 50.

Nun fährt er erneut um das begehrte Regenbogentrikot, für Syrien, sein Heimatland, in das er seit seiner Flucht vor sechs Jahren nie wieder zurückgekehrt ist. „Ich werde vom Militär gesucht“, erklärte er. Gesucht, weil es für syrische Männer zwischen 18 und 42 Jahren Pflicht ist, beim Militär zu dienen. Diejenigen, die sich dem Dienst entziehen, müssen mit Gefängnis und Zwangsrekrutierung rechnen. „Also, ja, ich kann nicht zurückgehen“, betonte Wais. Doch wenn er am Freitag gegen Dumoulin, Van Aert und Co. über die Zeitfahrstrecke vor den malerischen Hügeln der Emilia-Romagna wieder gegen die Zeit fährt, wird er es wieder für Syrien tun, auch wenn seine Heimat gefühlt extrem weit weg ist. (sid)

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