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Der Finne mit dem Kultfaktor: Iceman vor dem Ruhestand

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Kimi Räikkönen
Kann sich vorstellen auch in einer anderen Rennserie als der Formel 1 zu fahren: Kimi Räikkönen. © Edgard Garrido/Reuters Pool/dpa

Eigentlich mögen sie alle Kimi Räikkönen. Er hat sich nie verbogen, ist immer seinen Kurs gefahren. Er wurde Weltmeister, sorgte aber auch für ganz andere denkwürdige Anekdoten und Geschichten.

Abu Dhabi - Einen plötzlichen Gefühlsausbruch wollte Kimi Räikkönen dann doch nicht ganz ausschließen.

„Ich weiß es nicht, ich glaube aber nicht“, sagte der Finne mit Blick auf überbordende Emotionen bei seinem letzten und laut Formel 1 349. Rennen. Emotionswallungen sind auch nicht unbedingt das, wofür dieser mittlerweile 42 Jahre alte Mann, geboren in Espoo, Finnlands zweitgrößter Stadt, in der Öffentlichkeit bekannt ist. Räikkönen ist nicht umsonst: Der Iceman.

Ein cooler Typ, den eigentlich alle im Fahrerlager mögen und verehren. „Es ist unglaublich, was er geleistet hat“, sagt der künftige Mercedes-Pilot George Russell. Als Räikkönen am 4. März 2001 in Melbourne gleich bei seinem Debüt auf Platz sechs im damaligen Sauber rast, ist Russell drei Jahre alt. Als Räikkönen in die Formel 1 einsteigt, fährt er auch noch gegen Jos Verstappen. Den Vater von Max Verstappen. Als Räikkönen debütierte, war Michael Schumacher auf dem Weg zu seinem vierten WM-Titel. In diesem Jahr fährt er auch gegen dessen Sohn Mick.

Familie beim Abschied dabei

„Ich finde das nicht komisch, mir gefällt das“, sagte Räikkönen in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur: „Ich finde, das ist ziemlich schön, alt komme ich mir nicht vor. Man kommt sich erst alt vor, wenn man im Kopf alt ist. Ich fühle mich aber nicht alt.“

Auch seine beiden Kinder halten Räikkönen jung. Zusammen mit Ehefrau Minttu sind sie mitgereist zum Finale der Formel 1. Schön sei das, betonte Räikkönen, auch wenn er glaubt, dass die Kinder eher ihre helle Freude am Pool und den hochsommerlichen Tempo hätten.

Auch denen kann der Iceman widerstehen. Unvergessen sind die Bilder, wie Räikkönen nach einem Defekt seines damaligen Ferrari-Rennwagens 2017 durch die glühend heiße Wüste von Sakhir in Bahrain bei 37 Grad stapfte - im feuerfesten roten Overall und mit dem Helm noch auf dem Kopf. Genau wie die Szenen viele Jahre vorher, die sein Image ebenfalls lange prägten, als Räikkönen bei einer Party auf einer Jacht stürzte oder 2006 beim Monaco-Rennen nach einem feurigen Aus wegen eines Defekts an seinem damaligen McLaren schnurstracks auf eine Luxus-Boot spazierte und mit nacktem Oberkörper den Rest des Rennens verfolgte.

Mit Vettel befreundet

Räikkönen hat sich nie um Etiketten geschert. Räikkönen blieb immer Kimi Räikkönen. Auch deswegen verstanden und verstehen sich der Finne und Sebastian Vettel so gut. Dass der gebürtige Heppenheimer Räikkönen bei einer Preisverleihung schon mal täuschend gut imitierte, sorgte auch nicht für Dissonanzen. „Wird man ihn vermissen? Ja“, meinte Vettel jüngst.

Mit Räikkönen könne man keinen Streit oder ein Problem habe. „Wenn du es hast, dann ist das Problem nicht er - dann bist du das Problem“, betonte Vettel. Ohne womöglich zu wissen, was Räikkönen nun in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur lachend über einstige Badminton-Begegnungen erzählte: „Ich habe früher sogar ein paar mal versucht, ihn gewinnen zu lassen. Wahrscheinlich besteht sein Plan darin, dass ich so alt werde, dass er mich endlich mal schlagen kann.“

Räikkönen glückte während seiner Ferrari-Zeit auch, was Vettel nicht gelang. Weltmeister mit der Scuderia zu werden, auch weil er sich 2007 vom bitterbösen Zoff-Duell zwischen den damaligen McLaren-Kollegen Lewis Hamilton und Fernando Alonso nicht aus der für ihn so typischen Ruhe bringen ließ.

Kultfigur

21 Siege schaffte Räikkönen in der Formel 1, er fuhr für Sauber, McLaren, Ferrari, machte 2010 und 2011 ein Pause in der Königsklasse und kehrte zu Lotus zurück, ehe es noch mal zu Ferrari ging und noch mal zum Sauber-Nachfolger Alfa Romeo. Allein das sagt einiges aus: So ganz kamen Räikkönen und seine Teams nicht voneinander los.

So wie seine Fans weltweit. Mit ihm geht eine der absoluten Kultfiguren. Seine Sprüche, wenn er denn mal redete, sind legendär. So wie 2012 in Abu Dhabi, als er seinem 20. Grand-Prix-Erfolg entgegenfuhr und genervt von den Hinweisen und Tipps seines Renningenieurs zurück funkte: „Lasst mich in Ruhe, ich weiß, was ich tue.“ Darauf reagierte sein jetziges Team und schickt ihn mit dem Spruch auf dem Alfa in sein letztes Rennen: „Lieber Kimi, wir lassen dich jetzt in Ruhe.“ dpa

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