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In guter Form aus Tokio zurückgekehrt: Maximilan Schachmann.
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In guter Form aus Tokio zurückgekehrt: Maximilan Schachmann.

Ralp Denk im Interview vor dem Start der Spanien-Rundfahrt

Denk: „Wir wollen eine Etappe gewinnen“

  • VonArmin Gibis
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Bora-Chef Ralph Denk über die Ziele bei der am Samstag beginnenden Spanien-Rundfahrt, den Generationswechsel im Team und seinen persönlichen Traum vom Tour-de-France-Sieg

Die Radsaison ist noch im vollen Gange, am Samstag startet mit der Vuelta die dritte große Rundfahrt des Jahres. Doch beim Raublinger Rennstall Bora-hansgrohe laufen längst die Personalplanungen für die kommende Saison. Zuletzt wurden Woche für Woche prominente Neuzugänge verkündet: der Sprinter Sam Bennett (Irland/Gewinner des Grünen Tour-Trikots 2020), die Bergfahrer Alexander Wlasow (Russland/Giro-Vierter 2021), Jai Hindley (Australien/Giro-Zweiter 2020) und Sergio Higuita (Kolumbien/Dritter bei Paris-Nizza 2021). Zudem wurde bekannt, dass Peter Sagan (Slowakei), bislang der Star des Teams, und Sprintspezialist Pascal Ackermann das Team verlassen werden. Teammanager Ralph Denk spricht über die Gründe und Ziele dieser gravierenden Veränderungen.

Herr Denk, Sie haben Ihr Team umgekrempelt wie selten zuvor. Planen Sie damit eine strategische Neuausrichtung?

Von einer neuen Strategie würde ich nicht sprechen. Aber es ist ein Generationswechsel. Mit Peter Sagan und Pascal Ackermann konnten wir bekanntlich keine Verlängerung erzielen. Daraufhin haben wir uns überlegt: Was wollen wir in der Zukunft? Kernpunkt blieb dabei der Sprint. Da hat sich angeboten, mit Sam Bennett einen alten Bekannten zurückzuholen. Er gilt als einer der schnellsten Männer der Welt. Somit sind wir in puncto Sprint mit Sicherheit so gut aufgestellt wie bisher mit Pascal, vielleicht sogar ein bisschen besser.

Mit Peter Sagan verlieren Sie Ihren Star.

Ja, wir haben mit Peter wahnsinnig viel erreicht. Wofür wir auch sehr dankbar sind. Er hat Paris-Roubaix gewonnen, ist Weltmeister geworden. Das sind schon Meilensteine. Wir wussten natürlich, was wir an Peter hatten. Und deswegen haben wir ihm ein Angebot gemacht. Wir wollten ihn schon weiterbeschäftigen. Peter hat eine Strahlkraft für das ganze Team, und er hat es immer verstanden, seine Teamgefährten zu motivieren, er war die gute Seele. Klar, er hat zuletzt nicht mehr so viele Rennen gewonnen wie früher. Aber es hätte schon einen Charme gehabt, ihn weiter in der Mannschaft zu haben. Aber er hat sich eben anders entschieden.

Die meisten namhaften Neuverpflichtungen sind exzellente Bergfahrer. Das scheint doch auf ein Umdenken hinzudeuten.

Wir haben gesehen, dass wir Gefallen finden an großen Rundfahrten. Emanuel Buchmann ist vor zwei Jahren Vierter bei der Tour de France geworden, Wilco Kelderman in diesem Jahr Fünfter. Da ist also noch etwas Luft nach oben. Und da schielen wir jetzt hin.

Die Bergfahrer sollen im renovierten Team also die Zugpferde sein.

Klar, ist das eine Grundvoraussetzung, um bei der Tour de France mit vorne dabei zu sein. Und wir haben auch dieses Jahr gesehen, wie schnell es gehen kann und sich Leute ins Aus schießen. Ich denke besonders an Emanuel Buchmann, der beim Giro d’Italia gestürzt ist – da war von einer Sekunde auf die andere alles aus. Wenn man dann einen Plan B hat, ist das schon hilfreich. Die vielen Stürze in diesem Jahr bei der Tour de France haben gezeigt: Man muss mittlerweile schon mit drei Kapitänen losfahren, damit am Schluss noch einer da ist. Man braucht einfach einen breiten Kader – das kennt man auch vom Fußball.

Zur Person

Ralph Denk ist der Kopf des deutschen Teams Bora-hansgrohe, das am Samstag an den Start der Spanien-Rundfahrt geht. Seine Mannschaft gilt als Nationalmannschaft des Radsports. Für den Rennstall des Teammanagers fahren die besten deutschen Pedaleure. Allerdings plant der 47-Jährige einen Neuaufbau des Teams - mit vielen ausgewiesenen Bergspezialisten. FR

Mit Tadej Pagacar und Egan Bernal gibt es im Radsport momentan zwei herausragende, nur schwer antastbare Spitzenfahrer. Glauben Sie, dass die Verstärkungen ausreichen, um die beiden anzugreifen und um den Tour-Sieg mitzukämpfen?

Mein persönlicher Traum ist weiterhin, eines Tages die Tour zu gewinnen. Dafür arbeitet das gesamte Management sehr hart. Ob das aber schon nächstes oder übernächstes Jahr möglich sein wird, muss man abwarten. Unsere Neuen wie Alexander Wlasow oder Jai Hindley sind noch nicht so stark wie Pogacar oder Bernal. Aber sie sind noch sehr jung, und wir haben die Hoffnung, dass unsere Neuverpflichtungen noch eine Schaufel drauf legen und dann auf höchstem Niveau konkurrenzfähig sind.

Der 25-jährige Wlasow gilt als Ausnahmetalent...

... er ist unumstritten einer der ganz großen Rohdiamanten im Straßenradsport. Wir wollen ihn weiterentwickeln, so dass er noch ein bisschen besser im Zeitfahren und vielleicht noch ein bisschen spritziger wird. Das haben wir in den vergangenen Jahren gelernt, dass es immer mehr um Bonussekunden geht bei den Zielsprints. Da liegt eine Menge Arbeit vor unserem Performance-Team. Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Ich sehe es grundsätzlich so: Wenn sich die einen Türen schließen – also mit Sagan und Ackermann –, dann gehen zugleich neue Türen auf. Ich sehe den Wandel sehr optimistisch.

Was sagt denn ein Emanuel Buchmann dazu, dass er jetzt intern enorme Konkurrenz bekommt?

Ich habe noch nicht mit ihm darüber gesprochen. Aber ich kenne Emanuel ja schon lange und glaube deswegen, dass ihn diese Situation schon inspiriert und anspornt. Es ist auch gut für ihn, dass nicht der komplette Druck – wie zuletzt beim Giro – auf seinen Schultern lastet.

Die Mannschaft von Bora-hansgrohe galt zuletzt auch als eine Art Team Deutschland mit fast allen nationalen Spitzenkräften. Besteht an diesem Alleinstellungsmerkmal weiter Interesse?

Doch, wir streben das schon an, dass die besten deutschen Radrennfahrer in unserem Team sind. Diesen Weg werden nicht verlassen. Wir haben ja noch zwei bis drei Plätze im Rennstall frei. Und es kann gut sein, dass da noch junge Deutsche eine Chance bekommen. Der Kader ist noch nicht finalisiert. Aktuell sind wir bei 28 Mann, wir planen mit 30, 31 Fahrern für kommende Saison. Und es kann gut sein, dass da noch jungen deutsche Fahrer mit im Paket sein werden. Es wird ja noch die Tour de L’Avenir gefahren, die Tour de France für U 23-Fahrer. Ich fände es cool, wenn sich da noch der eine oder andere aufdrängen würde.

Was geht denn bei der Vuelta, bei der Ihr Team ab Samstag starten wird?

Wir wollen unter die Top Ten - und zwar mit Felix Großschartner; er war im vergangenen Jahr schon Neunter. Vielleicht kann er sich ja noch verbessern. Und wir wollen eine Etappe gewinnen. Da sehe ich vor allem Max Schachmann, der mit guter Form von den Olympischen Spielen aus Tokio zurückgekehrt ist. Auch der junge Sprinter Jordi Meeus hat Chancen, er hat sich in seinem ersten Profijahr schon toll entwickelt. Und vielleicht sorgt einer aus der Helferriege für eine Überraschung. Bei der Tour de France waren Nils Politt und Patrick Konrad ja auch nicht unbedingt als Etappensieger vorgesehen – und trotzdem haben es beide geschafft. Vielleicht gelingt uns so etwas durch eine offensive Fahrweise auch bei der Vuelta.

Interview: Armin Gibis

Der Kopf des Teams Bora-hansgrohe: Ralph Denk.

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