Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Fußball: Bundesliga, RB Leipzig - Werder Bremen, 8. Spieltag am 23.10.2016 in der Red Bull Arena, Leipzig (Sachsen). Die Leipziger Spieler bedanken sich bei ihren Fans. Foto: Jan Woitas/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++
+
Fußball: Bundesliga, RB Leipzig - Werder Bremen, 8. Spieltag am 23.10.2016 in der Red Bull Arena, Leipzig (Sachsen). Die Leipziger Spieler bedanken sich bei ihren Fans. Foto: Jan Woitas/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++

RB Leipzig

Demonstration der Stärke

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
    schließen

Rasenball Leipzig ist nicht zufällig erster Verfolger des FC Bayern – der ganze Klub folgt einem klaren Plan.

Es ist nicht bekannt, was Ralph Hasenhüttl am Dienstag- oder Mittwochabend tut. Vermutlich betätigt der Trainer von RB Leipzig daheim die Fernbedienung, um sich durch die unter der Woche angesetzten Spiele der zweiten DFB-Pokalrunde zu zappen. Womöglich bleibt der Österreicher auch ein bisschen länger bei der Begegnung FC Astoria Walldorf gegen SV Darmstadt 98 hängen, die Lilien sind schließlich nächster Gegner für diesen furiosen Aufsteiger. Das Hasenhüttl-Team selbst hat aber heute und morgen spielfrei, weil es in der ersten Runde das aufgeladene Sachsenderby bei Dynamo Dresden verlor.

Seitdem aber haben die Roten Bullen sich nie mehr die Hörner abgestoßen. Acht Spiele ungeschlagen, Platz zwei in der Liga – besser geht es kaum. „Wir müssen insgesamt demütig bleiben und uns die Gier erhalten“, sagt Hasenhüttl. „Wir können natürlich stolz sein.

Wir müssen uns nicht kleiner machen und können mit richtig breiter Brust in die nächsten Wochen gehen“, ergänzt Kapitän Dominik Kaiser. Erst geht es am Samstag nach Darmstadt, dann kommen am Sonntag darauf jene Mainzer, die dann gerade drei Tage zuvor eine Europa-League-Partie in Anderlecht gespielt haben. Da spricht vieles für und wenig gegen diesen Emporkömmling.

Der sonntägliche 3:1-Sieg gegen Werder Bremen war der beste Beleg, was diesen Aufsteiger schon jetzt außergewöhnlich macht: eine mutige Spielidee, ein hoch veranlagter Kader und ein kluger Trainerkopf, dessen Anschauungen vielleicht noch besser zur RB-Philosophie passen als gedacht. Unter dem Strich hatten die Leipziger 60 Prozent Ballbesitz angehäuft, 22:7 Torschüsse und fast doppelt so viele Pässe zum Mitspieler abgegeben. Erstaunlich: Die giftigen Hausherren, die gelbwürdige Fouls zu keiner Phase scheuen, liefen auch drei Kilometer mehr als die Gäste, deren Dauerläufer Zlatko Junuzovic hinterher durchpustete und gestand: „Die Leipziger waren am Ende zu stark.“

Mitunter wirkten die vom Pressing ein ums andere Mal aufgescheuchten Bremer wie lilafarbene Kaninchen, die so lange über den grünen Rasen gehetzt wurden, bis sie freiwillig Platz machten – so jedenfalls bahnte sich der überragende Naby Keita beim wegweisenden 1:0 kurz vor der Halbzeit den Weg. Zu diesem Zeitpunkt war die Dominanz des Bundesliga-Neulings bereits erdrückend. Der zu Saisonbeginn aus der Salzburger Niederlassung für 15 Millionen Euro transferierte Mittelfeldspieler Keita kam nach 90 kurzweiligen Minuten allein auf 130 Ballkontakte – mit einem davon köpfte er nebenbei auch noch das 2:0.

Die Flanke dazu hatte einer gegeben, dem dieses Spiel wie ein schlechter Film und schönes Märchen zugleich vorgekommen sein muss: Davie Selke, kaum für den unermüdlichen, aber glücklosen Yussuf Poulsen aufs Feld gekommen, servierte eine butterweiche Hereingabe, die ein feines Füßchen wie Mesut Özil nicht besser hätte timen können. Und dann war der im Sommer 2014 unter erheblichen Störgeräuschen von Bremen nach Leipzig gewechselte Junioren-Nationalstürmer, den viele mittelfristig als die Problemlösung der deutschen Mittelstürmer-Misere ansehen, auch noch so frei, in der Nachspielzeit die Kugel zum erlösenden 3:1 ins verwaiste Werder-Tor zu schieben.

Dass der 21-Jährige nicht jubeln wollte, hatte zwei Gründe: Zum einen hat er nicht vergessen, dass ihm erst Werder Bremen den Weg in den Profifußball ermöglichte („Ich habe einfach eine riesige Wertschätzung für den ganzen Verein, da sind immer noch viele Leute, die mir sehr ans Herz gewachsen sind“), zum anderen mag er das Reservistendasein natürlich nicht, hat aber gelernt, deswegen nicht die beleidigte Leberwurst zu mimen. Nicht jetzt, wo dem Klub Flügel wachsen.

Ein ganz besonderes Spiel

Das Hochgefühl durchströmt die lange vom großen Fußball ausgeschlossene Stadt. Wer irgendwo einen Sachsen antrifft, der hört in der typischen Mundart viel Stolz auf dieses neue Aushängeschild heraus, das zwar von den Zuwendungen des Brausekonzerns profitiert, dem aber nicht mit stereotyper Feindseligkeit zu begegnen ist. Es gibt Traditionsvereine, die haben einst ähnlich viel Geld zur Verfügung gehabt, um es dann jedoch völlig sinnfrei zu verpulvern.

Im Red-Bull-Gebilde scheint gerade fast jeder Euro in der Zukunft doppelten Ertrag abzuwerfen – die Wertsteigerung dieser Mannschaft erinnert an die Entwicklung, mit der einst vor acht Jahren die TSG Hoffenheim die Liga rockte. Nicht ganz zufällig lenkte damals wie heute ein gewisser Ralf Rangnick das große Ganze. Klar, dass Leipzigs Sportdirektor vor Stolz fast platzte: „Durch die neuen Spieler ist das Niveau noch mal gestiegen. Wir sind noch mal besser geworden und die Trainerarbeit ist großartig. Wenn wir so weitermachen, dann haben wir die Chance noch besser zu werden.“ Das klang fast wie eine Drohung.

Wie war das noch mal in der Saison 2008/09, als sich Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge ernsthaft mit dem aufmüpfigen Herrn Rangnick aus Hoffenheim auseinandersetzen musste? Erst am 16. Spieltag stutzten die Münchner den Überfliegern vom Dorf die Flügel – Luca Toni traf beim mühsamen 2:1-Arbeitssieg in der Nachspielzeit. Irgendwie skurril, dass die Partie Bayern gegen Leipzig auch in dieser Saison für den 16. Spieltag terminiert ist. Die Begegnung steigt drei Tage vor Weihnachten – das könnte ein ganz besonderes Spiel zum Jahresabschluss geben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare