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Der Ableger des britischen Medienunternehmens Perform Group hatte bei seinem Einstieg in den deutschen Markt 2016 etliche Sportrechte zusammengekauft.

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Dazn macht Ernst

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Dank des Deals mit Eurosport, der die Integration der Sender Eurosport 1 und Eurosport 2 beinhaltet, wächst Dazn zum größten Anbieter von Livesport auf dem deutschen Markt. Ein Kommentar.

Als der Streamingdienst Dazn vor drei Jahren seine Studios in Ismaning bei München bezog, war eines sofort klar: Hier hat ein neuer Player im Sportrechtemarkt seine Zelte aufgeschlagen, der gekommen ist, um zu bleiben. Mit dem Abkauf des kleinen Pakets der Fußball-Bundesligarechte (40 Spiele pro Saison) von Eurosport aus dem laufenden Rechtevertrag macht Dazn Ernst und zeigt wo die Reise hingehen soll, in naher Zukunft die Rechte für das große Bundesligapaket ab der Saison 2021/22 zu erwerben. Die hält noch der Pay-TV-Sender Sky und zahlt der Deutschen Fußball-Liga (DFL) dafür 4,64 Milliarden Euro.

Der Ableger des britischen Medienunternehmens Perform Group, das dem Milliardär Leonard Blavatnik gehört – geschätztes Vermögen rund 15 Milliarden Euro -, hatte bei seinem Einstieg in den deutschen Markt 2016 etliche Sportrechte zusammengekauft: internationaler Fußball aus Spanien, Italien, England, Frankreich, viele Spiele der US-Ligen NBA (Basketball), NFL (American Football) und NHL (Eishockey). Geld war also nie ein Problem und dank des World Wide Web gibt es maximale Flexibilität, den Spitzensport gleichzeitig anzubieten.

Dank des Deals mit Eurosport, der die Integration der Sender Eurosport 1 und Eurosport 2 beinhaltet, wächst Dazn zum größten Anbieter von Livesport auf dem deutschen Markt. Ein geschickter Schachzug, der gleichzeitig eine große Verantwortung bedeutet. Das Internet ist für technische Fehler anfälliger als das analoge Fernsehen. Durch die Abonnements lassen sich die vielen und sehr teuren TV-Rechte sicher nicht refinanzieren, zumindest aber lassen sich durch die neuen Angebote wie Olympische Spiele, Grand-Slam-Tennisturniere, Tour de France und Wintersport neue Kunden dazugewinnen.

Da Dazn keine Abozahlen nennt, ist völlig unklar, wie viele Millionen Euro an Subventionen aus der Londoner Zentrale fließen. Dort denkt man bekanntlich groß. Dazn gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz, zudem in Japan, Italien, Kanada, Spanien, Brasilien und dem lukrativen US-Markt. Mit dem britischen Unternehmen Matchroom hat Dazn im Mai 2018 einen Eine-Milliarde-Dollar-Vertrag für Boxkämpfe über acht Jahre geschlossen.

Beim Feilschen um Sportrechte ist lange kein Ende in Sicht. Dass Sky kürzlich Dazn bei den Rechten für die Premier League ausgestochen hat, war eine kleine Genugtuung für das Unternehmen aus Unterföhring. Dazn hatte 2016 mit dem Abkauf der Premiere League von Sky für Schlagzeilen gesorgt. 2021 könnte Dazn zum Gegenschlag ausholen.

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