Deutschland gegen Deutschland: A-Nationalspieler Marcel Brandt (vorne) im Duell mit Tim Wohlgemuth vom Perspektivteam.
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Deutschland gegen Deutschland: A-Nationalspieler Marcel Brandt (vorne) im Duell mit Tim Wohlgemuth vom Perspektivteam.

Eishockey

Das Lebenszeichen

Der Deutschland Cup ist ein Erfolg für das Eishockey, weil er dem Sport eine Perspektive gibt.

Wohl niemals seit dem ersten Turnier 1987 war der sportliche Ausgang des Eishockey-Deutschland-Cups so unbedeutend wie in diesem Jahr. Die 31. Auflage des Heimturniers des Deutschen Eishockey-Bundes war dennoch die vielleicht wichtigste überhaupt. Schon vor dem Finale am Sonntag in Krefeld zwischen Deutschland und Lettland war DEB-Präsident Franz Reindl erleichtert. „Der größte Erfolg, den wir uns selbst setzen konnten, ist, allen in der Sportart das Signal zu geben, auch der Liga, dass es geht. Es funktioniert“, sagte Reindl am Rande des ungewöhnlichsten Deutschland Cups bislang.

Der DEB hatte nach acht Monaten coronabedingten Stillstandes im deutschen Eishockey und einem Jahr ohne ein Länderspiel große Anstrengungen unternommen, um zumindest das Traditionsturnier durchführen zu können. „Natürlich machen wir Minus, aber wir schaffen das. Wir müssen als Spitzenverband doch voran gehen“, sagte Reindl.

300 000 Euro verlor der keineswegs reiche Verband durch fehlende Zuschauereinnahmen. Hinzu kamen die Kosten für pandemiekonforme Betreuungen der Teams in der Blase und rund 500 Corona-Tests. Bis zum Sonntag waren die laut DEB alle negativ – und nur daran wollte sich Reindl messen lassen. „Ein erfolgreiches Turnier, wenn wir keinen Corona-Fall haben. Das wäre der größte Erfolg für alle.“

Damit war die Mission für den 65-Jährigen vor dem Finaltag bereits erfüllt. Der Ex-Nationalspieler und Olympia-Bronzegewinner von 1976 hatte sich in den Kopf gesetzt, der gesamten Sportart, die während der Pandemie vor allem durch Vertreter der Deutschen Eishockey-Liga durch Klagen und Jammern aufgefallen war, wieder eine Bühne, Hoffnung und eine Perspektive zu geben. „Ich muss ganz ehrlich sagen: Geld spielt jetzt keine Rolle. Jetzt geht es ums Überleben. Wir müssen uns präsentieren. Das haben wir jetzt gemacht.“ Der DEB nahm dafür auch das Fehlen von Bundestrainer Toni Söderholm in Kauf, der sich im Vorfeld des Turniers mit dem Coronavirus infiziert hatte.

Die seit Monaten verhinderten Spieler nahmen die Möglichkeit trotz widriger Umstände dankbar an. „Wir nehmen alles in Kauf, um den Sport voranzubringen und überhaupt möglich zu machen“, sagte Mannheims Matthias Plachta nach dem 4:2 am Samstag im ersten Vergleich mit Lettland, das als einzige Nation trotz der Gefahren durch die steigenden Infektionszahlen in Europa zur Teilnahme am eigentlichen Vier-Nationen-Turnier bereit war. In seiner Not stellte der DEB einen dritten Teilnehmer im eigenen Olympia-Perspektivteam selbst.

Nun ist die DEL gefordert

Den Spielern war das ungewöhnliche Format egal. „Das kann man nicht hoch genug einschätzen“, sagte der langjährige NHL-Profi Korbinian Holzer. „Das ist ein Riesen-, Riesenschritt in die richtige Richtung, um auch die DEL in Schwung zu bekommen“, meinte Plachta.

Nun ist die im besonderen Maße von Zuschauereinnahmen abhängige Liga gefordert. Anders als die Bundesligen im Handball und Basketball sah sich die Deutsche Eishockey Liga bislang nicht in der Lage, mit dem Spielbetrieb zu starten. „Für die DEL wird es natürlich nochmal schwieriger“, räumte Reindl ein. Mannschaften für ein paar Tage in einer Blase zu belassen ist eben etwas anderes, als eine gesamte Saison durchzuführen. (dpa)

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