Vor seiner siebten WM-Teilnahme: der Idsteiner Max Hopp.
+
Vor seiner siebten WM-Teilnahme: der Idsteiner Max Hopp.

Darts-WM

„Den will ich weghauen“

Darts-Profi Max Hopp startet selbstbewusst in die WM. Kurz trifft auf Cullen, Clemens raus.

Der Ally Pally stand Kopf und peitschte Nico Kurz auf dem Weg in die Geschichtsbücher nach vorne – nur wenige Millimeter fehlten, dann hätte sich der deutsche Debütant tatsächlich direkt einen Platz in den Annalen der Darts-WM gesichert. Acht perfekte Darts nagelte der 22-Jährige ins Board, und nur der verpatzte Wurf mit dem letzten Pfeil auf die Doppel 12 verhinderte den Neun-Darter und damit den völligen Ausnahmezustand im Londoner Tollhaus. Und 20 000 Pfund (rund 23 000 Euro) in die Weihnachtskasse von Kurz.

Nur sieben Spielern war das Kunststück bei der WM bislang gelungen, die 501 Punkte mit nur neun Würfen herunterzuspielen, selbst der legendäre Rekordweltmeister Phil Taylor jagte dem perfekten Spiel beim Saisonhöhepunkt vergeblich hinterher. Doch Kurz war das herzlich egal – schließlich zählte nur, dass er bei seinem ersten Auftritt auf der größten Dartsbühne mit einer bärenstarken Leistung beim 3:1 gegen den deutlich erfahreneren James Wilson in die zweite Runde eingezogen war.

„Ich bin megahappy, das war ein fantastisches Spiel“, sagte der junge Hanauer, der trotz der lautstarken Kulisse eiskalt geblieben war, bei Sport1 mit spitzbübischem Grinsen. Vor seinem Zweitrundenmatch am Freitag gegen den klar favorisierten Engländer Joe Cullen ist er auf den Geschmack gekommen: „So viel Party und so viel Stimmung, das ist schon gigantisch.“

Normalerweise arbeitet Kurz in Vollzeit als Industriemechaniker. Für die WM bekam er von seinem Betrieb extra eine Freistellung, bei seinem Debüt spielte er aber wie ein abgebrühter Profi. Und während Kurz am „deutschen Abend“ im Alexandra Palace für das Glanzlicht sorgte, herrschte beim anderen Industriemechaniker Frust. „Das ganze Spiel war eigentlich eine Enttäuschung“, sagte der hoch gehandelte Gabriel Clemens nach dem bitteren 2:3 gegen Benito van de Pas, gleich vier Matchdarts hatte er gegen den Niederländer vergeben. Nach einer starken Saison war der Saarländer mit großen Ambitionen nach London gereist, die Aussicht auf ein Zweitrundenduell mit der deutschen Nummer eins Max Hopp sorgte für zusätzlichen Ansporn.

Erstmals Achtelfinale möglich

Doch so steigt am Freitag (ab 20 Uhr/Sport1) der nächste deutsche Abend im Ally Pally ohne Clemens. Statt des Duells mit seinem ärgsten deutschen Herausforderer wartet auf den Idsteiner in der zweiten Runde nun van de Pas, gegen den 35 Plätze schlechter klassierten Niederländer ist der Weltranglisten-24. klarer Favorit. Auch danach würde im Litauer Darius Labanauskas keine allzu große Hürde warten – noch nie war das erste WM-Achtelfinale eines Deutschen so greifbar.

Das Selbstbewusstsein bei Hopp ist jedenfalls groß. „Gegner ist Gegner, den will ich weghauen und eine Runde weiterkommen“, sagte der 23-Jährige, der in der ersten Runde ein Freilos besessen hatte, vor seiner siebten WM: „Es ist immer alles möglich.“ Mit dieser Devise fordert auch Überraschungsmann Kurz den Weltranglisten-15. Cullen heraus. Erst im neuen Jahr „geht es wieder los“ mit der Arbeit im Betrieb – bis dahin bleibt noch Zeit für magische Nächte im Ally Pally. (sid)

Fallon Sherrock fährt bei der WM historische Siege ein: Eine Frau verändert die Darts-Welt.

Kommentare