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Die Fans tanzen beim Darts immer auf den Tischen.

Darts-WM

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Ein Ende des Darts-Booms ist nicht in Sicht, die PDC will weiter expandieren. Ein Kommentar.

Der Sieger war am Ende keine Überraschung. Michael van Gerwen, seit Jahren der Ausnahmekönner der Pfeilewerfer, darf sich zum dritten Mal in seiner Karriere Darts-Weltmeister nennen. Der Engländer Michael Smith, vor dem Turnier Weltranglistenzehnter, hatte keine Chance gegen den Niederländer. Und doch hat diese 26. Weltmeisterschaft der Professional Darts Cooperation (PDC) einen Trend bestätigt, der schon seit Längerem über zu beobachten war. Die Etablierten müssen immer mehr um ihren Status als Topspieler kämpfen, weil viele neue, talentierte Gesichter in den Darts-Zirkus drängen.

Titelverteidiger Rob Cross (England), der Weltranglistenzweite Peter Wright (Schottland), Europameister James Wade (England) oder der fünffache Weltmeister Raymond van Barneveld scheiterten allesamt früh. Vier der acht Viertelfinalisten waren vor dem Turnier nicht einmal unter den Top 32 der Welt. Das gab es zuletzt vor 19 Jahren. Der Engländer Nathan Aspinall schaffte es bei seiner ersten WM-Teilnahme sogar ins Halbfinale. 

Die PDC expandiert

Die Motivation neben dem sportlichen Ehrgeiz ist klar: Mit dem Pfeilewerfen kann man richtig gutes Geld verdienen. Die PDC schüttete bei dieser WM 2,77 Millionen Euro aus. Sieger van Gerwen bekam 554.000 Euro. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren strich er bei seinem ersten Titelgewinn 277.000 Euro ein. Im gesamten Kalenderjahr 2018 verteilte die PDC 16,6 Millionen Euro Preisgelder. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht, die PDC will weiter expandieren. Die Hallen werden größer, es gibt mehr Turniere und die TV-Quoten steigen. Diese WM wurde in 134 Ländern übertragen. 

Die Erhöhung der Teilnehmer von 72 auf 96 Teilnehmer hat der WM allerdings aus sportlichen Gesichtspunkten nicht gutgetan. Wenn Qualifikanten aus Afrika, China, Indien, Südamerika, Japan und Neuseeland einen festen Platz haben, sinkt das Niveau und ist nicht attraktiv genug für die Zuschauer. 

Auch die zwei Quotenplätze für Frauen bei der Männer-WM sind keine gute Idee. Anastasia Dobromyslova (Russland) und Lisa Ashton (England) scheiterten jeweils in der ersten Runde. Die PDC sollte sich lieber an der Konkurrenzorganisation BDO (British Darts Organisation) orientieren, die unter dem gleichen Dach für Männer und Frauen getrennte Turniere veranstaltet. Am 5. Januar startet im Lakeside Country Club in Frimley Green die 42. WM-Ausgabe der BDO. Gegen die Marketingwucht der PDC kann die BDO aber in keiner Weise mithalten. 

Max Hopp fehlt die Konstanz

Mithalten ist auch das richtige Stichwort für die deutschen Dartsprofis. Der Idsteiner Max Hopp hat es 2018 das erste Mal unter die Top 32 der Welt geschafft und ein Turnier auf der PDC-Tour gewonnen. Für die absolute Weltspitze reicht es aber noch nicht, diesmal war in der zweiten Runde gegen van Gerwen Schluss. Ein ganzes Stück hinter dem 22-Jährigen ist der gleichaltrige Martin Schindler aus Strausberg. Das Talent macht mit einzelnen guten Vorstellungen auf sich aufmerksam, unter anderem gewann er im vergangenen Jahr gegen van Gerwen, letztlich fehlt ihm aber die Konstanz. 

Die PDC fördert zwar die besten deutschen Pfeilewerfer mit der German Super League, wo sich die besten Spieler an mehreren Wochenende messen. Um wirklich in die Weltspitze vorzustoßen bräuchte es Sponsoren, die den talentierten Spielern die Teilnahme an Turnieren in England gegen die Besten ermöglicht. Ansonsten bleibt nur das Üben im heimischen Dartszimmer oder Keller. Richtige Weltkarrieren lassen sich so nicht gut starten.

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