Die Tribünen werden leer bleiben: Die Formel-1-Strecke in Spielberg.
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Die Tribünen werden leer bleiben: Die Formel-1-Strecke in Spielberg.

Formel 1

„Da darf nichts schiefgehen“

  • vonRalf Bach
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Red-Bull -Motorsportchef Helmut Marko im Interview über den Restart der Formel 1 in Österreich und die Zukunft von Sebastian Vettel.

Helmut Marko , 77, ist seit 2005 Motorsportchef bei Formel-1-Rennstall Red Bull. Der Österreicher gewann 1971 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

Herr Marko, in Österreich beginnt am Sonntag die Formel-1-Saison in Spielberg mit dem ersten von zwei Rennen in Folge. Wie schwierig war es für Red Bull als Veranstalter, diese Doppelveranstaltung auf die Beine zu stellen?

Als die erste Schockstarre wegen der Pandemie erst mal abgeklungen war, war uns klar, dass das Leben unter den gegebenen Umständen nicht stillstehen darf. Für uns war im Mai die Zeit zu handeln. Wir mussten der Bundesregierung ein Konzept vorlegen, das alle Sicherheitsmaßnahmen gewährt und somit akzeptiert werden konnte. Wichtig dabei: Es durfte keine Zuschauer geben und die Formel musste ihr Personal circa um die Hälfte einschränken. Und: Es musste eine lückenlose Erfassung der notwendigen Corona-Tests gewährleistet werden.

Wie muss man sich das Wochenende für die Beteiligten in etwa vorstellen?

Jedes Team reist für sich und bleibt dann für sich. Auf der Rennstrecke, dann in den Hotels. Ohne negativen Testbescheid kommt gar keiner ins Gelände. Der Automobilweltverband FIA und Liberty, dem Rechteinhaber der Formel 1, haben ein meiner Meinung lückenloses System entwickelt, das strengstens kontrolliert wird. Es wird auch zwischen den beiden Rennen zwei Tests geben, die von beauftragten Firmen der Formel 1 durchgeführt werden. Alle sind besonders vorsichtig, weil unsere Rennen ja auch als Test für die kommenden Veranstaltungen gelten. Da darf nichts schiefgehen.

Gerade das Rennen in Österreich galt als eines der besten, weil die Fans dort für eine einzigartige Atmosphäre gesorgt haben. Die fehlen jetzt aber...

Seit 2005 Motorsport-Chef bei Red Bull: Helmut Marko.

...Ja, das ist sehr schade, aber unter diesen Umständen ist eine Veranstaltung mit Fans im Moment nicht möglich. Die Alternative wäre kein Rennen gewesen.

Wie wichtig war es auch für Sie, dass die deutsche Fußball-Bundesliga so früh wieder zu spielen begonnen hat?

Sie setzten eine Initialzündung. Davor ziehe ich meinen Hut. Die Macher dort haben gezeigt, dass man sich niemals mit Situationen abfinden darf, sondern das Beste daraus machen.

Kommen wir zum Sportlichen: Wie schätzen Sie die Leistungsstärke der einzelnen Teams zum Saisonauftakt ein?

Bewertet man die Testfahrten in Barcelona vom Februar, so ist Mercedes leicht vorn. Dann kommen wir und dann, mit etwas Abstand, Ferrari. Wir erwarten einen Zweikampf um den Titel zwischen Lewis Hamilton und unserem Max Verstappen. Wir sind jedenfalls gerüstet. In dieser Saison darf man sich keinen Fehler erlauben, was gar nicht einfach ist, da man auf Grund der unsicheren Kalendersituation bei jedem Rennen wiederum mehr riskieren muss, um keine Punkte zu verschenken.

Konkret heißt das?

Konkret heißt das: Bisher stehen acht Rennen sicher fest, 15 sind geplant. Wie viel es am Ende werden, weiß noch niemand ganz genau. Das bedeutet grob gesagt: Jedes Rennen ist quasi wie ein Endspiel, das man gewinnen will. Wir haben aus unseren Fehlern aus dem letzten Jahren gelernt. Da waren wir erst ab der Mitte der Saison richtig konkurrenzfähig. Das haben wir geändert, das hat man in Barcelona schon gesehen.

Was ist mit Ferrari und Sebastian Vettel?

Abschreiben darf man beide nie. Aber ich habe einfach den Eindruck, dass Sebastian in dieser Saison einfach nicht ein Auto hat, mit dem er um den Titel mitfahren kann. Ich hoffe, ich täusche mich. Für die Spannung und die Formel 1 ist es sicher gut, wenn mehr als zwei Teams um den Titel fahren.

Kann es sich die Formel 1 2021 leisten, Vettel zu verlieren, der vier WM-Titel mit Red Bull gewann und immer noch jüngster Weltmeister aller Zeiten ist?

(lacht). Genau das wollen wir ja mit Max ändern. Im Ernst: Natürlich wäre es ein enormer Verlust. Alleine die Gerüchte, dass er 2021 neben Hamilton bei Mercedes fahren könnte, sorgte medial für ein Erdbeben. Das sagt ja wohl alles. Ich befürchte nur, dass Mercedes-Teamchef Toto Wolff , sich dieses Jahrhundert-Duell nicht antut. Dann muss Sebastian wohl ein Jahr Pause machen und seine Chancen für 2022 abzuwägen. Jung genug ist ja noch dafür.

Red Bull könnte seinen verlorenen Sohn doch wieder aufnehmen? Ein Megaduell Verstappen gegen Vettel wäre ja nicht weniger interessant. Und an Mut hat es Red Bull ja noch nie gefehlt...

(lacht)..Wir haben Verträge mit Max Verstappen und Alexander Albon. Das ist im Moment der Stand der Dinge. In der Formel 1 kann sich aber immer etwas ändern. Nach dieser Saison, wann immer sie wie zu Ende geht, wissen wir mehr.

Interview: Ralf Bach

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