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DFL Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball: "Das Champions League-Endspiel ist in der Fußball-Welt richtiggehend eingeschlagen".

Ligapräsident Reinhard Rauball

„Dann wird einem angst und bange“

Der alte und neue Ligapräsident Reinhard Rauball warnt RB Leipzig, lobt Eintracht Frankfurt und betont die 50-plus-eins-Regel im deutschen Profifußball.

Reinhard Rauball ist seit 2007 Liga-Präsident. Der 66-Jährige kandidiert am Mittwoch ohne Gegenkandidaten bei der Generalversammlung aller 36 Bundesligisten in Berlin für eine zweite Verlängerung seiner Amtszeit. Der Dortmunder Jurist, seit 1969 SPD-Mitglied, war mit 32 im Jahr 1979 jüngster Präsident eines Bundesligisten. Rauball ist zum dritten Mal Vereinschef von Borussia Dortmund und half gemeinsam mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke entscheidend mit, den Klub vom Rande der Insolvenz zu einem europäischen Spitzenklub zu entwickeln.   

Frankfurter Rundschau: Herr Rauball, worauf freuen Sie sich vor der neuen Saison besonders?

 Reinhard Rauball: Darauf, dass der Fokus nicht nur im Inland auf die Bundesliga gerichtet ist, sondern vermehrt auch im Ausland. Ich bin immer wieder erstaunt, wie umfassend man im Ausland über die Bundesliga inzwischen informiert ist. Dazu hat das Champions League-Endspiel zwischen den Bayern und Borussia Dortmund sicher erheblich beigetragen. Das ist in der Fußball-Welt richtiggehend eingeschlagen.

Was trauen Sie Eintracht Frankfurt zu?

Ich habe der Eintracht in der vergangene Saison schon eine Menge zugetraut und bin angenehm bestätigt worden. Ich denke, Eintracht Frankfurt könnte in der kommenden Saison eine ähnliche Rolle spielen.

Im Schnitt kassiert ein Bundesliga-Profi rund 1,5 Millionen Euro brutto im Jahr, also zirka 30.000 Euro pro Woche. Die Schere ist groß: Sorgen Sie sich nicht, dass die Schraube angesichts von Wochengehältern von bis zu 150.000 Euro für Top-Profis der Fußball-Bundesliga überdreht wird, auch vor dem Hintergrund, dass ein normaler Angestellter so viel Geld mühevoll in mehreren Jahren verdient?

Ich habe den Eindruck, dass weite Teile der Bevölkerung den Fußballspielern deren Gehälter nicht neiden, weil eine entsprechende Gegenleistung geboten wird. Die Bundesliga hat sich zu einem Premiumprodukt entwickelt. Es ist auf der ganzen Welt so, dass die Akteure dann auch Premiumzahlungen erhalten. Wichtig ist, dass die Liquidität für eine Saison garantiert ist. Darauf mussten die Vereine in der 50-jährigen Geschichte der Bundesliga schon auf Grund des Lizenzierungsverfahrens immer achten. Es ist immerhin noch nie ein Klub der ersten oder zweiten Liga während einer laufenden Saison in die Insolvenz gegangen.

In Frankreich zahlen derzeit Paris Saint Germain und der AS Monaco mit Geldern aus Katar und Russland Mondpreise für Fußballprofis. Wie passt diese Strategie mit dem Financial Fairplay der Uefa zusammen?

 Die Sanktionierung von Verstößen gegen das Financial Fairplay, das erst 2018 voll durchgreifen soll, ist der Lackmustest, dem sich die Uefa stellen muss. Ich weiß, dass diese Diskussion sehr intensiv geführt wird. Meine Sorge ist, dass derzeit ganze Scharen von Anwaltskanzleien daran arbeiten, Wege zu finden, um das Financial Fairplay zu umgehen.

In Deutschland dürfen Agenturen oder Einzelpersonen Profis besitzen oder mitbesitzen und an deren Transfers mitverdienen. In England ist das beispielsweise verboten. Auch die Uefa will die sogenannte „Third Party Ownership“ abschaffen. Was wollen Sie?

Mir ist all das, was von transparenten Strukturen abweicht,  ein Dorn im Auge. Allein an Spielerberater wurden in der vergangenen Bundesligasaison rund 80 Millionen Euro gezahlt. Das ist Geld, das dem Transfer-Kreislauf komplett entzogen wird. Wenn nun noch mehr Geld verloren geht, weil bei Transfers Dritte unmittelbar Teile der Ablösesummen einstreichen, dann hört es auf.

Die Diskussion um eine Umstellung der Saison wegen der WM 2022 in Katar wird derzeit, den Temperaturen in Katar entsprechend, heiß geführt. Können Sie sich eine grundsätzliche Umstellung der Saison in Europa von Februar durchgehend bis November vorstellen?

Ich würde es am liebsten so lassen, wie es ist. Denn es funktioniert ja prächtig in Deutschland. Ohne Not sollte man deshalb nichts wesentlich daran ändern. Aber wenn es denn dabei bleibt, dass die WM in Katar stattfindet, dann muss auf alle Fälle gewährleistet sein, dass die Gesundheit von Spielern und Fans im Vordergrund steht und somit eine Verschiebung in den Winter hinein erfolgt. Schauen Sie sich das Wetter hier bei uns in den vergangenen Wochen an und stellen Sie sich noch einmal 20 Grad oben drauf vor. Unter solchen Bedingungen darf eine WM, die sich über vier Wochen erstreckt, nicht stattfinden.

Was passiert dann mit der Bundesliga?

Das wird nicht einfach. Der Teufel liegt im Detail. Aber wir werden im Ergebnis in der Lage sein, einen vernünftigen Spielbetrieb auf die Beine zu stellen. Allerdings ist es traurig, dass die nationalen Verbände das ausbaden müssen, was bei gründlichem Studium der Bewerbungsunterlagen eigentlich hätte auffallen müssen.

Was sollte nun passieren?

Die Fifa muss rasch entscheiden, denn die Umstellungen der Spielpläne müssten langfristig vorbereitet werden. Bevor man nach der Umstellung alles wieder zurückdreht, sollte man gemeinsam mit dem DFB die Erfahrungen auswerten. Ob es dann möglicherweise bei der Umstellung bleibt, ist offen. Denn es gibt ja auch eine ganze Menge Leute, die es lieber hätten, wenn mehr Bundesligaspiele an einem Sommerabend stattfinden und weniger an kalten Wintertagen bei Schnee und Eis und minus zehn Grad.

Die deutschen Frauen haben ihre EM bei gutem Wetter in Schweden erstaunlich gut absolviert. Aber die öffentliche Wahrnehmung der Frauen-Bundesliga ist dennoch gering. Hätten Sie Interesse, die Frauen-Bundesliga vom DFB übertragen zu bekommen und unter dem Dach der Deutschen Fußball Liga zu organisieren?

Der DFB kümmert sich seit vielen Jahren um den Frauenfußball, der unter dem Dach des DFB zu beachtlichen Erfolgen gekommen ist. Auf die Idee, dem DFB den Frauenfußball wegzunehmen, kämen wir gar nicht. Und der DFB hat uns auch nicht gefragt.

Die Dritte Liga ist, genau wie die erste und zweite, eine nationale Profiliga. Warum gibt es keine Gespräche darüber, diese Liga ebenfalls von der DFL organisieren zu lassen? Das wäre doch nur logisch.

Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht hinstellen und so tun, als ob wir alles besser können. Das können andere auch. Und es ist auch gut und wichtig, dass unter dem Dach des DFB ein Ligaspielbetrieb stattfindet. Denn die Regionalligen werden ja schon von den Regional- und Landesverbänden organisiert.

RB Leipzig ist in die Dritte Liga aufgestiegen und gilt als Mitfavorit für den Aufstieg in Liga zwei. Der Klub hat nur neun Mitglieder und ist deutlich ein Marketingvehikel von Red Bull. Haben Sie mindestens Bauchweh, wenn ein solches Konstrukt sich durchsetzt? 

Wir haben mit viel Herzblut darum gekämpft, dass die 50-plus-eins-Regel erhalten bleibt. Wenn man die Beispiele AS Monaco und Paris Saint Germain sieht, dann wird einem angst und bange. Auch Inter Mailand ist ein Fall, den man beobachten sollte. Es gibt keine Stimme bei uns, die an der 50-plus-eins-Regel rütteln würde. Entsprechend müssen alle Bewerber um eine Lizenz für die erste oder zweite Liga die Bedingungen erfüllen. Ich denke, dass man bei RB Leipzig weiß, wie strikt bei der Lizenzierung gedacht wird und dass man sich dem anpassen muss und nicht umgekehrt.

Wäre es für Sie leichter zu akzeptieren, dass dieser Verein Profifußball anbieten kann, weil die Fans das Angebot annehmen und dadurch der Traditionsstandort Leipzig gestärkt wird?

Das ist kein Aspekt, der beim Lizenzierungsverfahren berücksichtigt wird. Dort steht eindeutig die Einhaltung der Statuten im Vordergrund.

Interview: Jan Christian Müller

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