Wird auch außerhalb der BBL geschätzt: Danilo Barthel. dpa
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Wird auch außerhalb der BBL geschätzt: Danilo Barthel.  

Danilo Barthel

Danilo Barthel: Türkei statt Bayern

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Die Basketball-Bundesliga verliert mit dem Abgang von Danilo Barthel ein Aushängeschild. Der Wechsel zeigt aber, wie wertvoll deutsche Spieler im Ausland inzwischen sind.

Im März hatte sich Danilo Barthel noch arbeitslos gemeldet. Der Vertrag des 2,08-Meter-Mann beim FC Bayern München lief im Juni aus und angesichts der Corona-Krise war man beim damals noch amtierenden deutschen Basketball-Meister nicht bereit, seinem Leistungsträger einen neuen Vertrag anzubieten. Vier Monate später heißt der neue deutsche Meister Alba Berlin und Danilo Barthel steht wieder in Lohn und Brot. Aber nicht beim FC Bayern München, sondern bei Fenerbahce Istanbul. „Mir fällt dieser Schritt sehr schwer. München ist in den letzten Jahren mein Zuhause geworden“, teilte der 28-Jährige über die sozialen Medien mit. Versüßt wird ihm der Schritt zum türkischen Topklub mit 1,7 Millionen Euro, die der gebürtige Heidelberger in den kommenden zwei Jahren einstreichen wird.

Ein finanzieller Quantensprung für den 52-fachen Nationalspieler. „Ich freue mich auf die neue Chance und neue Herausforderung“, teilte Barthel mit. Auch in sportlicher Hinsicht ist der Schritt in die Türkei eine kluge Wahl für den Mann mit dem Rauschebart. Fenerbahce spielt seit Jahren regelmäßig im Final Four der Euroleague um den Titel der höchste europäischen Spielklasse. Die Bayern kämpfen seit Jahren um einen Platz unter den Top Acht, schaffen aber aus unterschiedlichsten Gründen den Sprung nicht.

Konstantester BBL-Spieler

Dank potenter Unternehmer in den Reihen des Vorstands kann sich Fenerbahce eine teure Basketballabteilung leisten, die rund 30 Millionen Euro kostet. Trotz eines Budgets von kolportierten 23 Millionen Euro können die Bayern gegen die Schwergewichte im europäischen Basketball nicht mithalten. Wie hoch der Etat Post-Corona sein wird, ist noch völlig offen, da nicht klar ist, ob in der nächsten Saison vor Zuschauern gespielt werden kann oder nicht. Gut möglich, dass auch die Bayern Abstriche machen müssen. Auch wenn sie in Deutschland der mit Abstand reichste Klub bleiben werden.

Danilo Barthel hinterlässt große Fußstapfen in der Basketball-Bundesliga (BBL). Seit er 2016 von den Frankfurt Skyliners zum FC Bayern gewechselt ist, hat er sich zum besten und vor allem konstantesten deutschen Spieler in der BBL entwickelt. Regelmäßig war er unter den Top Drei der treffsichersten Deutschen in der von US-Amerikanern dominierten Liga. Er war auch neben dem Parkett eine Stimme, die Gewicht hatte. Barthel war einer der ersten, die vor dem letztlich gut gelungen Finalturnier ohne Zuschauer über zu wenig Mitspracherecht der Athleten klagten.

Auch in der Nationalmannschaft ist Barthel eine feste Größe und nicht mehr aus dem Kader von Nationaltrainer Henrik Rödl wegzudenken. Bei der so enttäuschenden WM in China gab es viele Basketballexperten, die ihn gerne länger und mit einer größeren Rolle auf dem Parkett gesehen hätten. In Istanbul wird sich Barthel seine Sporen im unbekannten Umfeld neu verdienen müssen. Der Wechsel zeigt jedoch, dass deutsche Topspieler auf dem ganzen Kontinent und auch in der NBA geschätzt werden.

Wie der FC Bayern den Big Man ersetzen wird, hängt auch stark damit zusammen, wer neuer Trainer wird. Es verdichten sich die Anzeichen, dass es der Italiener Andrea Trinchieri (51) wird, der zuletzt bei Partizan Belgrad Headcoach war und vier Jahre lang den einstigen Abo-Meister Bamberg angeleitet hat. Es wäre die Wiedervereinigung mit Sportdirektor Daniele Baiesi, mit dem er in Bamberg zusammengearbeitet hatte, ehe die Bayern ihn im vergangenen Jahr abwarben. Trinchieri soll laut des italienischen Onlineportals Sportando noch in dieser Woche vorgestellt werden. Neben der Rückkehr an die nationale Spitze wollen die Bayern verstärkt in Europa angreifen und endlich in der Euroleague weiterkommen.

Danilo Barthel wird ihnen dabei nicht mehr helfen.

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