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Dänen der Freude

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Von: Thomas Kilchenstein

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Das DFB-Team scheitert im Finale an Spaßfußballern.

Der niederländische Torwart Hans van Breukelen hatte so seine ganz eigene Art, das Scheitern seines Teams im Halbfinale gegen Dänemark (6:7 nach Elfmeterschießen) zu kommentieren - er dachte schon ans nächste Spiel: "Wir wären doch die einzigen gewesen, die diese Deutschen hätten schlagen können. Schade um den Fußball." Für Hans van Breukelen war klar, dass Dänemark nicht den Hauch einer Chance haben würde gegen Deutschland im Endspiel um die EM 1992 in Göteborg. Na ja, es haben sich schon größere Männer grandios geirrt.

Bekanntlich unterlag die deutsche Elf in jenem Endspiel einer dänischen Mannschaft, die sich gar nicht qualifiziert hatte für dieses Turnier. Sportlich qualifiziert war Rest-Jugoslawien, doch wegen des Bürgerkriegs im Land wurde das Team von der Uefa ausgeschlossen. Dänemark, dessen Spieler teilweise am Strand von der Nachnominierung gehört hatten, sprang dafür ein. Und da prallten am 26. Juni 1992 tatsächlich Welten aufeinander: Hier die lockeren Dänen, die zur Vorbereitung schon mal McDonalds stürmten oder Minigolf-Turniere einstreuten, die mit viel Spaß an dieses EM-Turnier herangingen. Dort die verbissenen Deutschen, die nach einer Ernährungsanlayse vorgeschrieben bekamen, wie viel Löffel Soße sie sich über den Kartoffelbrei kippen durften und die ihr Quartier, einen umgebauten Pferdestall im schwedischen Atvidaberg, hermetisch abriegelten.

"Den ersten Ärger gab es", erinnerte sich Andreas Möller 16 Jahren später, "als wir aus dem Fenster guckten und die Zäume um das Mannschaftsquartier sahen." Doch die Dänen, Laktat-Werte und die komplette Ernährungswissenschaft ignorierend, spielten locker von der Leber weg, beschämten die Fachwelt und spülten immerhin auch den amtierenden Weltmeister weg: 2:0 hieß es nach 90 Minuten in dieser glockenhellen, schwedischen Sommernacht.

Andreas Möller spielte im Finale nicht mit. Er hatte auch im Halbfinale nicht gespielt, als die Jungs von Berti Vogts die Schweden nach ordentlicher Leistung (einmal Häßler, zweimal Riedle) mit 3:2 aus deren eigenem Turnier kegelten. Er spielte aber im letzten Gruppenspiel gegen die Niederlande, und das war nicht so gut. 1:3 unterlag da die DFB-Elf und war noch bestens bedient. Dass sie überhaupt im Turnier bleiben durfte, hatte sie nur den Schotten zu verdanken, die - schon ausgeschieden - trotzdem die GUS, die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, 3:0 bezwangen. Diese Vorführung durch Holland war also das letzte EM-Spiel anno '92 für den Frankfurter Möller, wie übrigens auch für seinen Vereinskollegen Manfred Binz, den Libero, den Vogts in der Halbzeitpause auswechselte. Beide fühlten sich später als Bauernopfer.

Team hat nicht funktioniert

Heute hat Möller, inzwischen 40 und Trainer beim Oberligisten Viktoria Aschaffenburg, an das Turnier in Schweden "kaum noch Erinnerungen". Die DFB-Elf spielte meist in Norrköping, mal vor 13000, mal vor 16 000 Zuschauern. "Das war ein Stadion wie beim FSV", sagt Möller. Und mit der Mannschaft hat das auch nicht so gut funktioniert. Was er nicht ganz versteht, immerhin sei man "von den Namen klasse besetzt gewesen" - mit Häßler, Sammer, Klinsmann, Völler, Reuter, Effenberg, Doll, Riedle, Brehme. Aber schon im ersten Spiel gegen die GUS, in dem Häßler in der Schlussminute das 1:1 erzielte, brach sich Rudi Völler den Arm, dann verschluckte Guido Buchwald im zweiten Spiel gegen Schottland (2:0) auf dem Platz seine Zunge - "Masseur Adi Katzenmaier hat sie ihm wieder rausgezogen".

Aber ansonsten? "Wir wurden zwar Vize-Europameister, aber im Gedächtnis der Leute ist dieses Turnier, glaube ich, kaum noch vorhanden." Nur die Dänen, die hatten ihren Betriebsausflug mit anschließendem EM-Gewinn so schnell nicht vergessen.

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