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"Shit happens und weiter geht?s." Christoph Harting zeigt Größe nach seinem verkorksten Wettkampf.

Christoph Harting

Currywurst für Harting

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Diskus-Olympiasieger Christoph Harting gilt als Enfant terrible der Diskus-Werfer. Doch nach seiner Nicht-Qualifikation für die WM in London zeigt der 27-Jährige Größe. Ein Kommentar.

An dieser Stelle die alten Geschichten herauszukramen, seinen peinlichen bisweilen respektlosen Auftritt von Rio de Janeiro ins Zentrum zu rücken, verbietet sich. Was sich der Diskus-Olympiasieger in den Stunden nach seinem größten Sieg erlaubt hat, ist hinlänglich beschrieben worden. Das ist eine ganz olle Kamelle - auch wenn sie bis heute noch manch einem im Halse steckt.

Christoph Harting ist nun einmal der etwas andere Athlet, einer mit Ecken und noch mehr Kanten. Einer, der nicht für den diplomatischen Dienst taugt. Er ist nur sich verpflichtet. Schert sich nicht um Konventionen und Normen. Politisch korrekt dürfen andere sein. Er ist es nicht.

Christoph Harting ist kein Fantast, er wusste natürlich, dass die Fernsehkameras in Erfurt auf ihn gerichtet sein werden. Schon in den Tagen vor der deutschen Leichtathletik-Meisterschaft sorgte die vielerorts vorausgesagte Nicht-Qualifikation des Olympiasiegers für die WM in London für Schlagzeilen.

Diese Geschichte eines Gescheiterten wollte Christoph Harting den Medien aber partout nicht gönnen. Ganz locker, pfeifend und mit einem Lächeln auf den Lippen, spazierte der 27 Jahre alte Berliner vor, während und sogar nach dem verlorenen Wettkampf durch das Steigerwaldstadion. Mitunter hatte sein Auftritt etwas von einem Hampelmann. Ein Rollenspiel, eine Fassade, hinter die er niemanden blicken lassen wollte.

Zu alledem: Der vermeintlich größte Verlierer zeigte nach seinem missratenen Wettkampf, was viele nicht für möglich gehalten hätten: nämlich Größe. „Shit happens und weiter geht’s.“ Für etwaige Häme seiner Kritiker blieb da endgültig kein Raum mehr.

Das Thema WM, die Reise nach London - abgehakt. Einen Platz durch die Hintertür im Starterfeld will er nicht. Ein Bitten und Betteln wird es für Christoph Harting also nicht geben, Extrawürste sind ihm ein Gräuel. Höchstens ’ne Currywurst auf dem Alexanderplatz - Zigarettchen inklusive. Auch das ist Christoph Harting.

Seine Ziele sind ohnehin andere, langfristige. Irgendwann, hat er mal gesagt, will er 80 Meter werfen. Davon ist er - Stand heute – noch weit entfernt. In zwei bis drei Jahren soll es aber der Weltrekord sein und 2020 in Tokio, klar, olympisches Gold. Daran wird er sich messen lassen. Oder auch nicht. Denn was andere über ihn denken, ist ihm bekanntlich total egal.

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