CAS

Claudia Pechstein ist wütend

Vor der WM wird die Eisschnellläuferin von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Die schlechte Nachricht aus Straßburg erreichte Claudia Pechstein überraschend und schockierte sie. Mitten in der heißen Vorbereitung auf ihre 18. Einzelstrecken-WM schmetterte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) am späten Dienstagnachmittag ihre Beschwerde wegen der angeblich fehlenden Unabhängigkeit des Internationalen Sportgerichtshofes CAS in ihrem Verfahren endgültig ab.

Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach der verhängnisvollen Dopingprobe vom 7. Februar 2009 erlitt die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin in ihrem Prozessmarathon eine schwere Niederlage. Der CAS bleibt als unabhängiges Schiedsgericht bestätigt, Pechsteins Einspruch vor der Großen Kammer des EGMR wurde abgelehnt.

Pechstein reagierte wütend, sogar der Start der an diesem Donnerstag beginnenden WM in Inzell wackelt. „Die Frage stellt sich für mich insofern, als das ich zwar für mein Heimatland kämpfen möchte, ich aber nach dem heutigen Tiefschlag noch nicht weiß, ob ich trotz des mir widerfahrenen Unrechts über genügend Kraft verfüge, meine Bestleistung abrufen zu können“, schrieb Pechstein am späten Dienstagabend auf Facebook.

Seit Jahren kämpft die streitbare Pechstein vor Gericht gegen die Folgen der Sperre, die auf einem erhöhten Blutparameter beruhte (Retikulozyten). „Ich habe nicht gedopt“, sagte sie immer und immer wieder. Unterstützung hat Pechstein längst auch vonseiten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unter Präsident Alfons Hörmann erhalten. Eine Expertenkommission kam 2015 zu dem Schluss, dass die medizinische Bewertung, die zur Sperre geführt hatte, falsch gewesen sei.

Komplizierter ist der Kampf vor der Justiz. Auf europäischer Ebene ist Pechstein mittlerweile am Ende angelangt. Im Oktober hatten ihr die Richter zwar eine Entschädigung (8000 Euro) zugesprochen, da ihr in ihrem Verfahren vor dem CAS eine öffentliche Anhörung zugestanden hätte. In der Sache bestätigten sie jetzt aber, dass der CAS ein unabhängiges Schiedsgericht sei.

Pechstein sieht sich in ihren Grundrechten verletzt. „Ich bin deutsche Staatsbürgerin und habe gemäß der Verfassung der Bundesrepublik das Recht auf einen deutschen Richter“, schrieb die Berlinerin, deren Verfassungsbeschwerde noch beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) vorliegt. Diese hatte bis zum endgültigen Urteil des EGMR geruht. (sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion