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Oksana Chusovitina strebt als erste Turnerin 2020 ihre achten Olympischen Spiele an. Foto (2016): Tatyana Zenkovich/EPA

Vor achten Olympischen Spielen

Chusovitina mit 43 Jahren wieder im WM-Finale

Manche Konkurrentinnen nennen sie schmunzelnd die „Turn-Oma“, andere würdigen sie als „Queen Mum“ des Turnens. Und immer wieder beweist Oksana Chusovitina, dass es für sie kaum Grenzen gibt. Als erste Turnerin strebt sie 2020 ihre achten Olympischen Spiele an.

Verschmitzt kokettiert Oksana Chusovitina mit ihrem Alter, doch an ihrem sportlichen Erfolg kommt keiner vorbei.

Vor ein paar Wochen hat die Usbekin in Jakarta Silber bei den Asienspielen gewonnen. Und in Doha, wo sich die besten Turnerinnen der Welt zu ihren Titelkämpfen treffen, hat sie im Alter von 43 Jahren gerade das Sprung-Finale erreicht und kämpft um die nächste Medaille.

Ihre dortige Gegnerin Yeo Seongjeong ist mit 16 Jahren noch drei Jahre jünger als Chusovitinas Sohn Alisher, wegen dessen Leukämie-Erkrankung sie 2002 nach Deutschland kam. Viele deutsche Turnfreunde halfen, die 120 000 Euro teure Behandlung an der Kölner Universitätsklinik zu finanzieren. 2006 erhielt die Usbekin die deutsche Staatsbürgerschaft und verlegte ihren Lebensmittelpunkt endgültig an den Rhein.

Nur vier Turnerinnen im 148-köpfigen WM-Starterfeld von Doha sind schon Mutter, aber noch keine von ihnen hat einen erwachsenen Sohn. „Ich könnte mir nie vorstellen, so lange zu turnen wie sie“, sagte Ausnahme-Turnerin Simone Biles aus den USA, die als Beste in das Sprungfinale einzog, über ihre Gegnerin. „Simone ist ein Phänomen, wie es in 100 Jahren nur einmal vorkommt“, gibt Chusovitina schmunzelnd das Kompliment zurück.

Ein Phänomen - oder ein „biologisches Wunder“ - wie es Cheftrainerin Ulla Koch während Chusovitinas Zeit in der deutschen Riege ausdrückte, ist die Usbekin bis heute selbst. 1992 war sie schon Olympiasiegerin im Team der GUS-Staaten nach dem Zerfall der Sowjetunion. Elf WM-Medaillen und sechs EM-Plaketten schmücken ihre Bilanz. Dass Tokio 2020 mit 45 Jahren das Ende ihrer Laufbahn sein wird, darf bezweifelt werden. „So lange es Spaß macht, turne ich weiter“, sagt die „Queen Mum“ des Turnens.

Wie sie es in einer der trainingsintensivsten Sportarten überhaupt hinbekommt, immer noch Weltklasse zu sein, ist vielen ein Rätsel. „Ich mache viel weniger als früher. Aber ich habe Erfahrung, trainiere intensiver“, sagt die nur 1,53 große und 43 Kilogramm schwere Athletin. Um die Olympia-Qualifikation für Tokio abzusichern, will sie sich jetzt sogar noch einmal den kompletten Vierkampf antun.

Mit dem nun möglichen achten Olympia-Start würde Chusovitina mit der bisher alleinigen deutschen Rekordhalterin Josefa Idem gleichziehen. Die Top-Kanutin war 1984 und 1988 für Deutschland und danach bis 2012 noch sechsmal für Italien bei Olympia dabei.

Nachdem sie in Peking Olympia-Silber für Deutschland gewann, ging Chusovitina nach den Spielen 2012 in London in ihre Heimat zurück und startet mittlerweile wieder für Usbekistan. Ihr Haus in Pulheim verkaufte sie, doch der wieder komplett genesene Alisher wohnt nach wie vor in Bergisch-Gladbach, macht dort sein Abitur. In die Fußstapfen der Mutter wollte er aber nie treten. In seiner Kindheit begeisterte er sich für Fußball, jetzt trainiert der 19-Jährige in seiner Freizeit Basketball-Kids und ist der ganze Stolz der Mama.

In Taschkent hat sich Chusovitina inzwischen eine eigene Privatschule aufgebaut, wo sie Kinder im Gesundheitstraining betreut. „Aber kein Leistungssport“, sagt sie. „Der steht mir bis hier“, fügt sie an und zeigt sich an die Kehle. Doch irgendwie muss er ihr doch immer Spaß machen, sonst würde sie dem Turnen längst Adieu gesagt haben.

(Von Frank Thomas, dpa)

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