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Andere Länder, andere Sitten: Eröffnungsfeier in Pyeongchang.

Olympia-Glosse

Chlorige Sprühstöße

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Wirklich mehr als Marco Polo verstehen wir von den seltsamen Schriftzeichen auch nicht. Die Olympia-Glosse.

Die ganze Sache mit Südkorea ist ein Missverständnis, und Marco Polo hat es verbockt. Hätte der Entdecker vor ein paar Jahrhunderten mal besser aufgepasst, wir säßen jetzt gemütlich in Südhan und nicht in der Patsche. Der venezianische Händler verstand damals nur Cauly, und daraus wurde irgendwann Korea. Kamsahamnida, vielen Dank, Herr Polo. Doch heißt die Halbinsel, auf der sich die besten Wintersportler der Welt derzeit nichtsahnend versammeln, eigentlich Han. In Anlehnung an die drei Reiche Mahan, Jinhan und Byeonhan. Eigentlich ganz einfach.

Jedenfalls hätten wir das bei der Reisevorbereitung berücksichtigt und bestimmt im Internet einen Hinweis gefunden, dass eine Horde Norovir-en versucht, sich in Südhan einzuschleichen. Wir hätten dann den Schuhdesinfektionator am Bahnhof nicht belächelt, sondern zur Bekämpfung der ungebetenen Einwanderer eingesetzt. Wir hätten auch verstanden, wieso es verboten ist, die Hände in Handschuhen in die zum Speisesaal umfunktionierte Tiefgarage zu schmuggeln.

Putztrupps im Einsatz

Drei, vier Sprühstöße Desinfektionsmittel auf die Haut sind Pflicht. Ansonsten könnte es nämlich schnell mit dem guten Tag vorbei sein, ehe man den allgegenwärtigen freundlichen Helfern aus Südhan selbigen wünschen kann: annyeong haseyo. Denn schon springen die Norovir-en aufs Büfett, und die anderen haben dann den Salat. Was haben wir uns vor Nordkorea gefürchtet und die wahre Gefahr verkannt, die Südhan bedroht. Den anderen ausländischen Olympiagästen ging es wohl genauso.

128 Fälle von Infektionen sind inzwischen bekannt – 31 übrigens lediglich in den Gegenden, wo die Athleten wohnen. Seit Donnerstag wird nun gechlort: Während die mangelhaft desinfizierten Besucher mit Pressekonferenzen und Trainingsterminen abgelenkt wurden, schritten die Putztrupps zur Tat. Einmal Grundreinigung des Bads.

Wir entschuldigen uns für die entstandenen Umstände und geloben Besserung. Ja, mindestens 30 Sekunden Händewaschen. Mit Seife versteht sich. Nur noch eins: Die Warnung, die gestern früh auf allen Handys aufploppte, haben wir leider nicht verstanden. Wirklich mehr als Marco Polo verstehen wir von den seltsamen Schriftzeichen nämlich auch nicht.

Wenn es wichtig war und wir irgendeinen Raketenangriff verpasst haben, bitte noch mal auf Englisch.

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