Reitsport

Zum Wohle der Pferde

Beim Chio in Aachen sollen spezielle Stewards dafür sorgen, dass im Umgang mit den Tieren alles mit rechten Dingen zugeht.

Eigentlich, sagt Jacques Van Daele, haben die Reiter ja längst verstanden, worum es geht. „Heute wird eben nicht mehr so geritten wie vor 20 Jahren“, sagt der Chef-Steward des Reiter-Weltverbandes FEI, der beim Chio in Aachen zusammen mit seinen Kollegen darauf achten wird, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Vor allem Abreite- und Trainingsplatz der Dressur stehen unter Beobachtung, nachdem im vergangenen Jahr etliche Zuschauer auf nicht pferdgerechte Methoden hingewiesen hatten.

Dem wollen die Verantwortlichen beim Weltfest des Pferdesports gemeinsam mit dem nationalen Verband FN durch zwei zusätzliche Stewards konsequent entgegegenwirken. Die beiden FN-Ausbildungsexperten Thies Kaspareit und Wolfgang Egbers werden direkt vor Ort ein offenes Auge und Ohr für die Vorkommnisse auf den Plätzen und die Bedenken der Zuschauer haben. „Sie werden ebenso wie die FEI-Stewards mit speziellen Westen ausgerüstet, damit sie sofort erkennbar sind“, sagt Turnierdirektor Frank Kemperman. In der Vergangenheit sei das nicht der Fall gewesen, „da waren wir zwar auch da, aber nicht auf Anhieb deutlich erkennbar“, sagt Van Daele.

Monica Theodorescu, Bundestrainerin der deutschen Dressurreiter und einst selbst eine hochdekorierte Athletin im Sattel, findet das gut. „Ich begrüße diese Maßnahme“, sagte die 56-Jährige: „In dieser Form ist das bislang noch nicht üblich, aber der Chio Aachen ist ja schon öfter Vorreiter gewesen. Ich bin gespannt, wie es ankommt und genutzt wird.“ Die sechsmalige Olympiasiegerin Isabell Werth ist ebenfalls für Transparenz: „Jeder kann sich gerne jederzeit ein Bild davon machen, wie gut es meinen Pferden geht.“

Vor allem den niederländischen Dressurreitern werden seit vielen Jahren immer wieder Trainingsmethoden vorgeworfen, die mit pferdgerechter Behandlung nicht viel zu tun haben. Die Rollkur beispielsweise, bei der Hals und Kopf des Pferdes über die virtuelle Vertikale gebogen werden, um die Gefügigkeit des Tieres zu erhöhen, ist im Nachbarland immer noch Standard in der Ausbildung. Sehnen, Muskeln und die Halswirbel werden dabei überstrapaziert, zudem verliert das Pferd die Orientierung und kann nur schwer atmen.

„Eine zu enge Hals-Einstellung ist nicht mehr akzeptiert, nicht von der Presse und erst recht nicht vom Publikum“, sagt Chef-Steward Van Daele: „Die allermeisten Reiter haben das längst verstanden. Aber ich sage auch: Eben noch nicht alle. Und daran müssen wir gemeinsam arbeiten.“ Schon in der Vergangenheit seien Stewards und Tierärzte häufig eingeschritten: „Wir reagieren und lassen das die Reiter auch wissen. Aber vielleicht haben wir das nicht deutlich genug nach außen gezeigt.“

Das soll nun beim Chio in der Soers anders werden: „Wenn jemand nicht fair reitet, werden wir uns darüber unterhalten. Nicht später, sondern sofort.“ Van Daele gibt auch offen zu, dass im letzten Jahr „nicht alles richtig war. Letztes Jahr war nicht mein Highlight.“ Umso besser werden er und sein Team in diesem Jahr aufpassen. (sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion