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Unter ihm gab es noch keinen K.o.-Sieg: Stefan Kermas.

Hockey

Bundestrainer Kermas wackelt

Nach dem enttäuschenden vierten Platz der Hockey-Männer bei der EM stellt der Verband die Trainerfrage und kündigt intensive Gespräche mit allen Beteiligten an.

Muss er gehen oder darf er bleiben? Die Zukunft von Hockey-Bundestrainer Stefan Kermas hängt nach der erneuten EM-Enttäuschung am seidenen Faden. Nach Platz vier grübeln die Verbandsbosse, ob Kermas für die Olympischen Spiele in Tokio noch der Richtige ist.

„Ja, wir stellen uns der Trainerfrage. Alles andere wäre in der jetzigen Situation unnatürlich“, sagte Sportdirektor Heino Knuf vom Deutschen Hockey-Bund (DHB) am Montag. Es werde jetzt „intensive Gespräche“ mit der Mannschaft und dem Trainer geben. „Wir werden das anschließend ganz in Ruhe bewerten und schauen dann, was wir daraus ableiten.“

Entscheidung in 14 Tagen

Ein Jahr vor Olympia knirscht es im Gebälk des sonst so zuverlässigen Medaillenlieferanten. Die Ergebnisse unter Kermas, der das Amt bei den Männern nach Bronze in Rio 2016 von Valentin Altenburg übernommen hatte, sind gemessen an den Ansprüchen frustrierend. Platz vier bei seinem Premierenturnier, der EM 2017, folgte das Viertelfinal-Aus bei der WM. Bei der EM in Belgien gab es als Vierter jetzt wieder nur Blech. Kein einziges K.o.-Spiel unter Kermas wurde gewonnen. „Die Mannschaft hat das Potenzial, über einen Zeitraum mit den besten Teams mitzuspielen, aber sie bekommt ihre Leistungsschwankungen über die gesamte Spielzeit nicht in den Griff“, sagte Knuf: „Ein Jahr vor Tokio macht uns das nachdenklich.“ Die entscheidenden Fragen in der aktuellen Analyse lauten: „Was ist systembedingt? Und was ist personenbedingt? Wenn das geklärt ist, werden wir eine Entscheidung treffen“, so Knuf.

Im Gegensatz zu den Frauen, die am Sonntag EM-Silber gewonnen hatten, gebe es bei den Männern „keine stabile Entwicklung“, monierte Knuf: „In dem Zeitraum, in dem Stefan verantwortlich ist, sind wir mit den Ergebnissen nicht zufrieden.“ Auch in der Bundesliga formiert sich allmählich Widerstand gegen Kermas. Und die Zeit drängt: Anfang November steht für das DHB-Team das so wichtige Olympia-Qualifikationsturnier auf dem Programm. Die Entscheidung in der Trainerfrage wird dann gefallen sein, sie soll in den kommenden 14 Tagen verkündet werden.

Kermas selbst warb nach dem verpassten EM-Bronze und dem 0:4 im kleinen Finale gegen Titelverteidiger Niederlande um Geduld. „Wir müssen einige Dinge verbessern“, sagte Kermas dem „Hamburger Abendblatt“: „Aber es gab auch viele gute Entwicklungen, deshalb sollten wir nicht alles verteufeln.“

Unabhängig von möglichen personellen Konsequenzen wird es seitens des Verbandes Veränderungen geben. „Wir haben an bestimmten Stellen Defizite, unter anderem die Strafecken“, sagte Knuf angesichts einer Bilanz von nur fünf Toren bei 34 Strafecken im Turnier (Erfolgsquote 14,7 Prozent). Zum Vergleich: Weltmeister Belgien verwandelte neun von 24 Strafecken (37,5 Prozent).

Knuf kündigte daher an: „Deswegen werden wir als eine Maßnahme die Trainingsumfänge Richtung Tokio erhöhen.“ Es werde mehr Lehrgangstage mit der Nationalmannschaft geben. Zudem sollen die zentralen Maßnahmen durch dezentrales Stützpunkttraining ergänzt werden. (sid)

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