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Buhmann Müller

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Von: Andreas Morbach

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Schalker Fans fordern nach fußballerischem Armutszeugnis gegen Manchester City Rauswurf des Managers.

Vom Gelsenkirchener Publikum hätten Schalkes Fußballer am Donnerstagabend durchaus etwas lernen können. Denn während das königsblaue Ensemble beim ernüchternden 0:2 gegen Manchester City zwischen diversen Aussetzern und bemerkenswerter Einfallslosigkeit hin und her wankte, boten die Zuschauer beim Umgang mit dem traurigen Schauspiel ein beachtliches Repertoire. Sie legten los mit dem schnöden "Wir woll'n euch kämpfen sehen", wedelten - als Hinweis auf die vielen überflüssigen Profis im Schalker Kader - zwischendurch mit Geldscheinen. Und die, die tapfer bis zum Schluss ausharrten, flüchteten sich in Zynismus und sangen: "Oh, wie ist das schön."

Weil das alles aber gar nicht mehr schön anzuschauen ist auf Schalke, war ab der 60. Minute auch dies zu hören: "Müller raus!" Erst aus einer Ecke, später aus zweien - und am Ende machten fast alle mit. So etwa muss es einst im alten Rom den Gladiatoren ergangen sein - mit dem kleinen Unterschied, dass der Adressat der Schmährufe, Schalke-Manager Andreas Müller, nicht mitten auf dem Feld stand. Und um sein Leben bangen musste der 45-Jährige auch nicht.

Sichtlich mitgenommen von der offenen Antipathie gegen seine Person versuchte Müller, das Gehörte zunächst einmal zu verharmlosen. "Mal ist es ein Spieler, mal ein Trainer. Und jetzt bin es eben ich", sagte der gebürtige Schwabe, musste nach längerem Nachdenken aber doch erkennen: Revier-inkompatible Spieler wie Kevin Kuranyi werden auf Schalke zwar in der Tat verunglimpft, konzertierte Aktionen gegen Übungsleiter oder andere Führungskräfte haben dort allerdings keine Tradition.

"Das ist eine Situation", gestand Müller schließlich, "die in dieser Schärfe sicherlich noch nicht da war." Denn das fußballerische Armutszeugnis gegen die mit den Millionen arabischer Ölscheichs überschütteten Citizens ist die eine Seite. Die verbrannte Kohle (rund zehn Millionen Euro), die Schalkes Management im zurückliegenden Jahr mit dem Kauf von kaum eingesetzten und inzwischen abgeschriebenen Profis zu verantworten hat, die andere (siehe Infokasten).

Zudem hat der neue, schlecht greifbare Chefcoach Fred Rutten das Vertrauen der Fans bislang ebenso wenig erlangt wie Orlando Engelaar, sein oft behäbig wirkendes 5,5-Millionen-Euro-Mitbringsel aus Enschede. "Wir sind in einer kritischen Situation", gesteht Müller. Denn er weiß: Im letzten Gruppenspiel im Uefa-Cup am kommenden Mittwoch bei Ruttens altem Klub FC Twente und in den drei vorweihnachtlichen Bundesligaspielen in Stuttgart, gegen Hertha und in Hoffenheim kann Schalke zwar einiges gutmachen - aber auch sehr viel verlieren.

Trainer Rutten jedenfalls wirkte bei seiner ersten Fehlersuche nach der Manchester-Abreibung ähnlich orientierungslos wie seine Fußballer zuvor bei den beiden Gegentoren. Andreas Müller hatte für den Niederländer immerhin einen Tipp parat. "Ich habe den Eindruck", sprach der öffentlich attackierte Manager, "dass man jetzt mehr auf die Köpfe der Spieler einwirken muss als mit ihnen auf dem Trainingsplatz zu arbeiten.

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