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Sebastian Vettel im Ferrari: Made in Italy.

Formel 1

Wie ein Brexit Sebastian Vettel helfen könnte

Wenn das britische Parlament am Mittwoch wieder über weitere Schritte im Brexit-Prozess abstimmt, fiebert auch die Formel 1 mit.

Die ungebremste Irrfahrt Richtung Brexit treibt die Formel 1 in die Sorgenfalle. Kurz vor dem Saisonstart fürchten viele der in England beheimateten Teams gravierende Nachteile und höhere Kosten, sollte Großbritannien am 29. März die Europäische Union ohne Abkommen verlassen. „Es ist die Mutter aller Probleme“, warnte Mercedes-Teamchef Toto Wolff am Rande der Testfahrten in Barcelona. Der Boss des Weltmeister-Rennstalls, der seine Rennfabrik nahe London hat, sieht im Falle eines ungeregelten Brexits sogar „massive Vorteile“ für Titelrivale Ferrari um Sebastian Vettel.

Mercedes ist einer von sieben Rennställen, die ihre Basis auf der Insel errichtet haben. In England schlägt das Herz der Formel 1. Die Motorsport-Industrie setzt dort jährlich mehr als zehn Milliarden Euro um, wie ein Branchenverband errechnet hat. Ein abrupter EU-Ausstieg birgt auch für die Formel 1 vor der nächsten Abstimmung im britischen Parlament über die weiteren Schritte im Brexit-Prozess am Mittwoch viele drängende Fragen.

Zum Beispiel: Was passiert mit den hunderten Ingenieuren und Mechanikern aus EU-Staaten, die plötzlich um Bleiberecht und Arbeitserlaubnis bangen müssen? „Wir sollten eigentlich stolz darauf sein, die besten Formel-1-Teams und Weltmeister hier zu haben. Und wir machen ihnen das Leben schwer“, sagte David Richards, Chef des britischen Motorsportverbands.

Britische Teams in Problemen

Mercedes beschäftigt Personal aus 26 Nationen, bei McLaren arbeiten Menschen aus 23 Ländern. „Wir wollen Mitarbeiter auf der Basis einstellen, dass es genau die richtige Person für den Job ist“, sagte McLaren-Geschäftsführer Jonathan Neal. Komplizierte Visa-Bestimmungen und Erschwernisse beim Wechsel von Arbeitsplatz und Wohnort für Motorsport-Fachkräfte aus Festland-Europa könnten sich als Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit der englischen Teams erweisen.

Unklar ist auch: Wie wirken sich zusätzliche Bürokratie, Zölle und neue Grenzkontrollen für die auf Effizienz getrimmten Teams aus? „Viele Teile werden erst in letzter Minute fertig, dann sofort verschickt. Was wir dann nicht brauchen, sind große Unterbrechungen dieses Vorgangs an den Grenzen“, erklärte Mercedes-Teamchef Wolff.

Funktioniert die Lieferkette mit den Partnerfirmen aus der EU nicht mehr, geraten die betroffenen Teams im beinharten Entwicklungsrennen ins Hintertreffen. Wenn es um Hundertstel geht, kann jedes Bauteil entscheidend sein. Ein Zeitverlust droht vor allem während der Europa-Saison mit neun der 21 Grand Prix, wenn der Austausch zwischen den Rennfabriken und der Crew an der Strecke besonders intensiv ist.

Ferrari und Toro Rosso mit Teamsitz in Italien und Alfa Romeo aus der Schweiz wären von diesen neuen Nöten deutlich weniger betroffen. Schon orakelt mancher Beobachter, ein sogenannter No Deal könne Ferrari-Pilot Vettel im Titel-Zweikampf mit Silberpfeil-Star Lewis Hamilton hilfreich sein. „Ein ungeregelter Brexit hätte enorme Auswirkungen auf unseren Rennbetrieb und darauf, wie wir unser Auto entwickeln und einsatzbereit machen. Es ist ein Alptraum-Szenario, das ich mir nicht vorstellen will“, sagte Wolff.

Deutlich entspannter indes sehen die Chefs der Rennserie das Risiko eines EU-Austritts ohne Abkommen. Seine Geschäfte wickelt das Formel-1-Management überwiegend in US-Dollar ab, ein möglicher Einbruch des britischen Pfunds in den kommenden Monaten wäre daher nicht so bedrohlich. Auch die Preisgelder für die Teams werden in Dollar ausgeschüttet, zuletzt war es in Summe fast eine Milliarde. Diese Praxis gebe der Formel 1 „weitere Stabilität“ im Falle eines ungeregelten EU-Austritts, urteilte zuletzt das Fachmagazin „Forbes“.

Gänzlich unbesorgt sind allerdings auch die Bosse nicht. In ihrem jüngsten Finanzbericht kündigten die Macher der Rennserie an, einen „Notfallplan für alle möglichen negativen Konsequenzen“ des EU-Austritts entwickeln zu wollen. (dpa)

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