Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

+

Marathon des Sables

Brennend heißer Wüstensand

245 "gesunde" Kilometer: In der marokkanischen Sahara testen die Nomaden des Dauerlaufs die menschliche Leidensfähigkeit.

Von REINHARD SOGL

Hicham El Guerrouj, bislang nur als Parteigänger des marokkanischen Königs bekannt, tourt derzeit im Dienst der roten Socken durch Europa. Der Doppel-Olympiasieger von Athen 2004 über 1500 und 5000 Meter neuerdings ein Linker? Mais non. Der Mittelstrecken-Monarch einer ganzen Dekade hat mit seinem Rücktritt vor zwei Jahren zwar die persönliche Position gewechselt, nicht aber die politischen Seiten. Und die roten Socken sind in Wirklichkeit ja auch rote Gamaschen, die die Teilnehmer am Marathon des Sables im marokkanischen Teil der Sahara über die Füße ziehen, damit möglichst wenig Sand in die Schuhe rieselt. 245 Kilometer durch die Wüste zu laufen, ist aber auch mit Fußkondom in jeder Beziehung noch aufreibend genug.

Nicht wegen Sicherheitsbedenken, die zur Absage der wüsten Rallye Dakar geführt haben. Marokkos Süden sei nicht Mauretanien, betont der französische Organisator Patrick Bauer gebetsmühlenartig bei dem Pressetermin in der Frankfurter Kia-Zentrale. Terroristische Anschläge seien nicht zu befürchten, zudem sorge das Militär für Leib und Leben der 850 Extremisten, die sich bei der 23. Auflage vom 30. März bis 5. April der physischen und psychischen Herausforderung stellen. Ein sechstägiger Ironman auf dem Trockenen sozusagen, Dopingkontrollen inklusive.

Hicham El Guerrouj traut sich das fragwürdige Vergnügen (noch) nicht zu, für das das 33 Jahre alte IOC-Mitglied aus patriotischer Begeisterung wirbt. "Ich habe mal nachgerechnet: In 20 Jahren als Mittelstreckler bin ich nicht auf so viele Wettkampfkilometer gekommen", entschuldigt er augenzwinkernd seinen Verzicht. Und mit Gepäck wird auf den Tartanbahnen dieser Welt auch eher selten gelaufen.

Jeder der abenteuerdurstigen Grenzgänger muss nämlich schon beim Start den anfangs mehrere Kilo schweren Proviant für die gesamte Woche im Rucksack mitführen. Um die sensible Umwelt zu schonen, darf Verpackungsmüll nicht weggeworfen werden. Wer es dennoch tut, wird disqualifiziert. Dass sogar ein Müllverbrennungs-LKW im Einsatz ist, darf man wohl als mehr denn nur Beruhigung des Gewissens werten. Zumal die Nomaden des Dauerlaufs humanitäre Projekte fördern.

Zu den 57 deutschen Teilnehmern, denen der Wind den Sand und die Aussicht auf Glückshormone schier die Tränen in die Augen treibt, zählt auch der Wuppertaler Arzt Alfred Witting. Der 51-Jährige ist der Faszination des Wüstentrips mit Tagesetappen von 20 bis 70 Kilometern schon zweimal erlegen. Für den Sportmediziner ist der Marathon des Sables "die Symbiose dessen, was man mit Gesundheit beschreiben könnte." Die Ultradistanz über Dünen, Geröll und Gebirgsrücken in extremem Klima vereine "die fünf Säulen der Gesundheit". Als da wären: "Ernährung, Bewegung, mentale Situation, Umweltfaktoren und Therapie." Im Vorjahr gab es übrigens erstmals einen Toten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare