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Uefa-Pokal

Bremen - Hamburg 0:1

Der Hamburger SV hat sich für das Aus im DFB-Pokal revanchiert und Werder Bremen geschlagen. Mit 1:0 gewinnen die Gäste das Hinspiel im Uefa-Cup-Halbfinale. Von Sebastian Gehrmann

Von Sebastian Gehrmann

Der Hamburger SV feiert, Werder Bremen trauert - vor allem einer Vielzahl von Chancen nach. In einem spannenden Nord-Derby revanchiert sich der HSV für das Aus im DFB-Pokal und gewinnt im Bremer Weser-Stadion mit 1:0. Das Tor des Tages köpft ausgerechnet der kleine Piotr Trochowski. Im zweiten Halbfinale kam der ukrainische Fußball-Meister Schachtjor Donezk zu einem 1:1 (0:1) beim Landesrivalen Dynamo Kiew.

Das ewige Nord-Derby, Klappe die Zweite. Irgendwie hat man schon jetzt das Gefühl, wann immer man den Fernseher einschaltet, flimmert Werder Bremen gegen den Hamburger Sportverein über den Bildschirm. Insgesamt treffen beide Teams binnen 19 Tagen gleich viermal aufeinander. Nach dem Elfmeter-Drama im DFB-Pokal-Halbfinale jetzt also das Hinspiel in der Runde der letzten Vier, die in diesem Jahr noch den Uefa-Pokal gewinnen können.

Bremen hat das Spiel um den deutschen Pokal dank Torhüter Tim Wiese gewonnen, der danach von einer Torlinie zur anderen sprintete, als sei der Teufel leibhaftig hinter ihm her. Nach der Nacht von Hamburg sieht Wiese mittlerweile aber wieder ganz erholt aus. Thomas Schaaf wirkt auch ganz entspannt. Vielleicht liegt das daran, dass der Bremer Trainer seinen 48. Geburtstag feiert. Was er sich wünscht? Dazu hat der Mann, der auch in diesem reifen Alter so gerne Trainingsanzüge trägt, nichts gesagt. Er redet nicht so viel. Generell nicht.

Martin Jol hingegen schon. Sein Wunschergebnis lautet 1:1. Dann, so hat der Hamburger Trainer vor dem Anpfiff ausgerechnet, hätten die Gäste ja ein Auswärtstor geschossen und sich so eine hervorragende Ausgangsposition für das Rückspiel verschafft. So weit ist es aber noch nicht. Schließlich liegt der so oft zitierte psychologische Vorteil bei den Hausherren. Entsprechend ist die Stimmung im Weser-Stadion.

Zum Spiel: Hamburg muss ohne Marcell Jansen und Mladen Petric auskommen. Beide sind angeschlagen. Zudem wechselt der Niederländer Jol auf drei Positionen. Guy Demel, Alex Silva und Ivica Olic kommen für Jerome Boateng, Mickaël Tavares und Collin Benjamin zurück in die Mannschaft. Für Bremen stehen Clemens Fritz, Sebastian Boenisch, Mesut Özil und Claudio Pizarro wieder in der Startelf.

Muntere zwei Minuten

Es gibt nach wie vor Experten, die behaupten, beide Mannschaften würden sich so gut kennen, ein besonders tolles Spiel sei da nicht zu erwarten. In dem Pokal-Krimi wurden die schon eines Besseren belehrt und auch die ersten Minute auf internationaler Bühne führten diese These ad absurdum.

Nach handgestoppten 65 Sekunden scheiterte Ivica Olic an Tim Wiese. Keine 40 Sekunden später zieht Werders Spielmacher Diego von der Strafraumgrenze ab. Nur mit Mühe kann Frank Rost den Ball halten. Juventus Turin bietet angeblich 20 Millionen für den kleinen Brasilianer, der bei Bremen die Nummer zehn trägt. Das wären 115.000 Euro pro Zentimeter. Werder will aber 150.000 Euro. Natürlich auch pro Zentimeter.

Nach zehn Minuten skandieren die Werder-Fans: "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin." Jetzt sind die Hamburger Spieler dann auch bis in die letzte Haarspitze motiviert, sich für das Pokal-Aus zu revanchieren. Hamburg ist in einem Spiel, das etwas an Fahrt verliert, die bessere Mannschaft. In der 22. Minute scheitert Paolo Guerrero an Wiese.

Sechs Minuten später hat der Werder-Keeper keine Chance. Demel flank von rechts in den Strafraum, in der Mitte steht Bremens Fritz ziemlich schlecht und ausgerechnet der kleine Piotr Trochowski köpft den Ball ins Tor (28. Minute). 1:0 für Hamburg. Martin Jol hat sein Auswärtstor. Thomas Schaaf hingegen sieht gar nicht aus, als wäre ihm besonders nach Feiern zumute.

Rauchbomben im Gäste-Block

Die zweite Halbzeit beginnt unübersichtlich. Im Hamburger Fanblock meinen einige Unbelehrbare herumzündeln zu müssen, dicke Rauchschwaden ziehen über den Rasen. Der englische Schiedsrichter Howard Webb unterbricht kurz die Partie. Dann hat er wieder alles im Blick. Clemens Fritz, der beim Gegentor ziemlich alt ausgesehen hatte, bringt in der 50. Minute eine gefährliche Flanke in den Strafraum. Rost kann den Ball nicht halten, der landet bei Hugo Almeida, doch der Portugiese kann die überraschende Chance nicht nutzen.

Die Szene aber zeigt. Bremen hat einen Plan. Fritz soll von der rechten Seite fleißig Flanken schlagen, eine wird irgendwann schon zum Ausgleich führen. Nach einer Stunde hätte das fast funktioniert, aber Sebastian Boenisch schafft es nicht, den Ball ins Tor zu schießen. Bremen wird stärker. Diego auch. Sein feines Zuspiel kann Almeida aber nicht verwerten. Der wuchtige Portugiese wirkt glücklos. Vielleicht sollte er mal ein Spiel pausieren. So wie Hamburgs Guererro. Der sieht nach einem Foul an Fritz die gelbe Karte und darf im Rückspiel nicht auflaufen.

Das Spiel wird jetzt besser. Plötzlich gibt es wieder Chancen im Minutentakt. Olic scheitert im Privatduell gegen Wiese an der Brust des Bremers. Auf der anderen Seite wird ein Schuss von Pizzaro abgefälscht. Wieder auf der anderen Seite probiert es Jonathan Pitroipa und verzieht (66.). Danach aber spielt nur noch eine Mannschaft und die heißt Bremen.

Die Hausherren haben gefühlt 164 Möglichkeiten, um doch noch den Ausgleich zu erzielen. Die vielleicht beste Chance vergibt Pizarro in der 77. Minute. Im Tor der Hamburger ist Frank Rost nah dran am Herzinfarkt, er schimpft und schreit und brüllt, doch keiner hört auf ihn. An der Seitenlinie verzweifelt Thomas Schaaf, während seine Spieler mal wieder einen Elfmeter fordern, der wieder keiner war und deshalb auch nicht gegeben wird.

Das Spiel erinnert nun mehr an einen Handball-Krimi. Alles versammelt sich um den Strafraum der Hamburger. Werder rennt an. Werder hat Chancen. Werder vergibt sie. Die Gäste bolzen nur noch die Bälle in den Bremer Nachthimmel, während Pizarro in der Nachspielzeit auch die letzte gute Chance vergibt. Fortsetzung in einer Woche. Trotzdem, Glückwunsch, Thomas Schaaf.

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