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Noch einer der Besten bei Nürnberg: Der frustrierte Schweizer Nationalspieler Daniel Gygax.
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Noch einer der Besten bei Nürnberg: Der frustrierte Schweizer Nationalspieler Daniel Gygax.

1. FC Nürnberg

Brechstange ohne Wirkung

Der 1. FC Nürnberg macht seinem Trainer kein nachträgliches Geburtstagsgeschenk. Die Krise ist da. Selbst das Prinzip Hoffnung regiert nicht mehr. Von Jan Christian Müller

Von JAN CHRISTIAN MÜLLER

Die zweiminütige Nachspielzeit war bereits angebrochen, als der 1. FC Nürnberg in der Nähe des gegnerischen Strafraums einen Einwurf zugesprochen bekam. Es stand gegen den Mit-Absteiger MSV Duisburg bereits seit der 23. Minute 0:1 durch ein Tor von Cedrick Makiadi. Der Ball war vom Pfosten ins Netz getrudelt.

Die 91. Minute nun also: Javier Pinola schnappte sich den Ball, er hatte es natürlich eilig, er wollte den Ball weit werfen, bis an die Strafraumgrenze vermutlich, um in seiner Verzweiflung noch irgendwie eine Torchance zustande zu bringen. Und dann rutschte dem armen Pinola der Ball aus den schweißnassen Händen. Falscher Einwurf. Ballbesitz für Duisburg. Niederlage. Mehr Symbolik als Pinolas Ausrutscher kann eine Szene nicht zeigen.

Es war die bereits dritte Nürnberger Niederlage im sechsten Spiel bei nur einem Sieg: mit dem teuersten Kader der Liga, mit der individuell am besten ausgestatteten und natürlich auch kostspieligsten Mannschaft. Einer Mannschaft, die nach zwei Spieltagen bereits einen neuen Trainer verordnet bekommen hat, einer Mannschaft, die anfangs in der Saison noch arrogant und lustlos aufgetreten war und der nun sichtbar das Selbstvertrauen fehlt, auch das Glück und erst recht die Leichtigkeit, um so ein Spiel wie gegen die geschickt verteidigenden Duisburger zu beherrschen.

Dass Michael Oenning, der nach der Beurlaubung seines vorherigen Vorgesetzten Thomas von Heesen vom Co- zum Cheftrainer befördert worden war, derzeit etwas ratlos ist, kann drei Tage nach dessen 43. Geburtstag niemand dem seriös arbeitenden Mann ernsthaft vorwerfen. "An den Aufstieg brauchen wir momentan nicht zu denken", hat Oenning aus dem "planlosen" Spiel gefolgert.

"Verunsicherung und Druck haben uns mit zunehmenden Spielverlauf gelähmt. Wir haben völlig planlos gespielt, das Selbstvertrauen ging Stück für Stück verloren", analysierte Oenning, der die zuvor zu viele Kringel drehenden Marco Engelhardt und Ioannis Masmanidis über die volle Spielzeit auf die Ersatzbank verbannte hatte, ganz richtig und ergänzte durchaus noch selbstbewusst: "Man kann es sich nun leicht machen und sagen: Okay, wechseln wir wieder den Trainer", indes: Er selbst sei nicht der Grund für das anhaltenden Tief. Wahrscheinlich hat er Recht.

Als er dann eine unruhige Nacht darüber geschlafen hatte, stand Sportdirektor Martin Bader Oenning eilig bei: "Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es mit dem Trainer und Co-Trainer Peter Hermann passt", sagte Bader, der nach dem zweiten Trainerwechsel binnen sieben Monaten selbst zusehends unter Druck gerät.

Die Krise, das dementiert niemand in Nürnberg, ist ja nicht erst nach der ersten Saison-Heimniederlage da. Selbst das Prinzip Hoffnung regiert nicht mehr: Auch Hoffenheim, Köln und Mönchengladbach sind in der vergangenen Saison schlecht aus den Startlöchern gekommen und dennoch aufgestiegen, erinnerte sich Bader noch vor Wochenfrist. Jetzt sagt der demoralisierte Manager: "Es ist brutal, wie tief wir gefallen sind. Wir wollen nicht mehr von irgendwelchen hohen Zielen reden." Es sei "erschreckend, wie wenig sich die Mannschaft zutraut. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in negatives Fahrwasser geraten." Da, mit Verlaub, stecken die Nürnberger bereits mitten drin.

Nur die Zuschauertabelle stimmt noch: Der "Club" rangiert auf Platz zwei hinter Spitzenreiter 1. FC Kaiserslautern. Gegen Duisburg kamen mehr als 26.000 Zuschauer, die meisten zogen tief enttäuscht davon. Auch die von Bader zuvor empfohlene Brechstange konnte der Duisburger Mauer nichts antun. Und dann zum schlechten Schluss noch dieser Einwurf.

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