Die Basketballer hoffen auch in den USA auf ein Okay der Politik.
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Die Basketballer hoffen auch in den USA auf ein Okay der Politik.

US-Sport in Zeiten von Corona

Die „Boys of Summer“ verspielen ihren Kredit

Die Profiligen in Nordamerika kämpfen um den Beginn oder die Fortsetzung ihrer Saison: Starttermine stehen freilich noch nicht fest, die Probleme sind nach wie vor gewaltig.

 Beginnen sollten sie schon vor zwei Monaten. Doch auch der sogenannte Opening Day, Auftakt zu „America‘s pastime“, zu Amerikas liebstem Zeitvertreib, musste wegen der Coronakrise zunächst verschoben werden. Vergangene Woche dann fanden erstmals seit 140 Jahren auch am Feiertag Memorial Day keine Spiele der Major League Baseball (MLB) statt. Und jetzt, da der 4. Juli, der Unabhängigkeitstag der USA, als Starttermin geplant ist, streiten die „Boys of Summer“ verbissen ums Geld.

Ein gesamtes Jahr ohne Baseball, das gab es noch nie, seit 1876 zunächst die National League gegründet wurde. Doch nun ist die seit 1903 auch aus der American League gebildete MLB drauf und dran, ihren Nimbus als Herzschlag einer Nation zu verspielen. Einer ersten Gehaltskürzung haben die Spieler, die ein Minimum von 563 000 Dollar pro Jahr kassieren, schon zugestimmt. Einer zweiten, die von der Liga und damit den 30 Klubeigentümern nun ins Spiel gebracht wurde, widersetzen sie sich energisch.

NBA will Ende Juli starten

Im vergangenen Jahr setzte die Liga nach eigenen Angaben zehn Milliarden Dollar um. Nun rechnen die Klubbesitzer auch wegen ausbleibender Zuschauereinnahmen mit einem Rückgang um rund vier Milliarden – bei einer Saison mit 82 statt 162 Spielen plus erweiterten Play-offs. Die Spieler aber wollen mindestens 100 Partien bestreiten, um so ihre Gehaltseinbußen zu minimieren. Dabei ist die Frage, unter welchen Bedingungen und wo gespielt werden könnte, in den Hintergrund gedrängt worden.

Da sind andere Ligen schon weiter, vor allem geht es weniger geräuschvoll zu. Die Basketball-Profiliga NBA plant mit einer Fortsetzung der Saison ab Ende Juli, gespielt werden soll in Disney World in Florida, was auch dem TV-Sender ESPN gefallen würde: Der Sportkanal gehört zum Disney-Konzern. Nach wie vor unklar ist jedoch auch hier erstens ein Hygienekonzept für die beteiligten Mannschaften und die Familien der Spieler sowie zweitens ein Modus, wie die Saison zu Ende gebracht werden könnte.

Alle Ligen eint die Frage: Ab wann und in welchen der 50 Bundesstaaten werden Spiele ohne Publikum von den Behörden erlaubt? Danach will sich etwa die Eishockey-Profiliga NHL richten, die ihre reguläre Saison beendet und sich mit den Spielern auf einen Modus für die Play-offs geeinigt hat, aber noch zwei Standorte sucht – einen im Westen, einen im Osten. Ein 21-seitiges Hygiene- und Sicherheitskonzept liegt bereits vor.

Das Vorgehen der NHL, bislang so etwas wie der kleine Bruder der vier großen Profiligen in Nordamerika, gilt mittlerweile als vorbildlich. Dagegen scheint die Football-Profiliga NFL den Kopf in den Sand gesteckt zu haben: Corona? Kein Problem! Wie zum Beweis ihrer Ignoranz planen die beiden Klubs in Los Angeles, die Rams und die Chargers, für den 14. sowie 16. August die Eröffnungsspiele in ihrem gemeinsamen Stadion – auch Zuschauer sollen zugelassen werden.

Die neue NFL-Saison soll am 10. September beginnen. Die Frage, ob es dann möglich ist, dass die Teams mit ihrem gewaltigen Tross Woche für Woche kreuz und quer durch die Gegend fliegen, scheint die Liga auszublenden. Sie interessieren ganz andere Zahlen: Rund 16 Milliarden Dollar betrug der Umsatz der 32 Klubs in der vergangenen Saison – ohne Zuschauer wären es wohl fünf Milliarden weniger. (sid)

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