+
Maxim Dadaschew (links), verstarb vergangenen Freitag.

Kommentar

Boxer in den Tod geschickt

  • schließen

Boxen ist ein gefährlicher Sport und erfordert von allen Beteiligten ein enorm hohes Maß an Verantwortung. Der Kommentar.

Es waren verstörende Szenen im Club Atletico in San Nicolas. Der argentinische Superleichtgewichtler Hugo Alfredo Santillan konnte sich nach zehn intensiven Runden und harten Kopftreffern des Uruguayer Eduardo Javier Abreu bei der Urteilsverkündung nicht mehr auf den Beinen halten. Sein Vater, gleichzeitig sein Manager, hielt ihn aufrecht und streckte den rechten Arm seines Sohnes in die Höhe, als das Unentschieden bekanntgegeben wurde. Unmittelbar nach dem Kampf musste Santillan notoperiert und ins künstliche Koma versetzt werden. Am Donnerstag verstarb der 23-Jährige an Organversagen. Santillan ist nach dem Russen Maxim Dadaschew der zweite tote Boxer innerhalb einer Woche.

In beiden Fällen wurde absolut fahrlässig gehandelt. Santillan hätte seinen Kampf am 20. Juli überhaupt nicht antreten dürfen. Am 15. Juni hatte er in Hamburg gegen den Olympiadritten Artem Harutyunyan eine schwere Niederlage einstecken müssen und war vom Deutschen Boxverband (BDB) mit einer Schutzsperre bis Ende Juli belegt worden. Der Verband World Boxing Council (WBC) hat diese missachtet und den Kampf um den Latino-Silver-Leichtgewichttitel genehmigt. Das muss zwingend Konsequenzen nach sich ziehen. Auch Santillans Mananagement hätte Einwände erheben können. So wurde Santillan in den Tod geschickt. Der Kampf hätte mehrfach abgebrochen werden müssen. Bei der Siegerehrung hätte der WBC-Supervisor einschreiten und sofort ärztliche Hilfe verlangen können. Das blieb aber aus.

Das gleiche galt für den Kampf von Maxim Dadaschew, der vergangenen Freitag verstarb. Das ungleiche Duell in den USA in Oxon Hill im Bundesstaat Maryland gegen Subriel Matias hätte viel früher als in der elften Runde gestoppt werden müssen. Erst dann hatte der Trainer des 28-Jährigen das Handtuch geworfen. Hier sind auch Ringarzt und Ringrichter ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden. Ein Gerichtsverfahren wird das klären.

Vielleicht müssten Neurologen hinzugezogen werden, die sich die Boxer noch genauer anschauen und dann für Abbrüche sorgen. Helme wären hingegen keine Lösung, da in Studien festgestellt wurde, dass diese noch mehr Gehirnerschütterungen verursachen. Auch die Wechsel in andere Gewichtsklassen müssen viel strikter überwacht und reglementiert werden, weil das Gehirn bei zu schneller Gewichtsabnahme dehydriert und somit anfälliger für Gehirnerschütterungen ist.

Boxen ist ein gefährlicher Sport und erfordert von allen Beteiligten ein enorm hohes Maß an Verantwortung. Wer Geld, Ego oder das Spektakel über das Wohlbefinden der Boxer stellt, der spielt mit dem Feuer. Hugo Alfredo Santillan und Maxim Dadaschew haben dafür mit ihrem Leben bezahlt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion