Volleyballverband

Blick nach vorne

Trotz der verpassten Olympia-Teilnahme ist der Volleyballverband stolz auf seine Teams.

Die Tickets für Tokio im allerletzten Moment verpasst – doch im deutschen Volleyballlager überwog nach den verpassten Olympia-Qualifikationen der Stolz. „Die Enttäuschung ist natürlich riesengroß, vor allem für die Athleten“, sagte Christian Dünnes. Der Sportdirektor des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) fügte aber an: „Insgesamt sind wir als Verband superstolz auf beide Teams.“

Beide Mannschaften hatten bei der Europaqualifikation das Finale erreicht, waren dann aber jeweils klar gescheitert. Dünnes ordnete die Leistungen aber schnell ein: „Wir haben uns hier selbst übertroffen, haben einige Teams geschlagen, die in der Weltrangliste über uns stehen.“

Auch Frauen-Bundestrainer Felix Koslowski schaut bei aller Trauer über die verpasste Chance optimistisch nach vorn: „Olympia ist das größte Ziel. 2008, 2012, selbst 2016 waren wir nicht so nah dran wie hier in Apeldoorn, und das mit einer Mannschaft, die im Durchschnitt Anfang bis Mitte 20 ist. Das muss uns Mut geben für die Zukunft.“

Seine Spielerinnen waren im Endspiel an der Türkei (0:3) gescheitert, hatten aber zuvor vier überzeugende Siege in Folge eingefahren, unter anderem ein klares 3:0 im Halbfinale gegen Gastgeber Niederlande. Die Männer waren im Endspiel Ex-Europameister Frankreich 0:3 unterlegen.

Hanna Orthmann ist gerade einmal 21 Jahre alt und avancierte bereits zur zweitbesten Angreiferin des Frauenturniers. Nur Teamkollegin Louisa Lippmann (25) holte noch mehr Punkte. Camilla Weitzel (19) und Marie Schölzel (22) überzeugten im Mittelblock, Koslowskis erste Sechs in Apeldoorn war im Schnitt 23,7 Jahre jung.

Männer-Trainer Andrea Giani vertraute beim Heimturnier in Berlin hingegen eher den alten Recken. Der Umbruch steht der Mannschaft nun bevor. Starangreifer Georg Grozer trat aus der Nationalmannschaft zurück. Ob Zuspieler Lukas Kampa (33) weitermacht, ist ebenso offen wie die Trainerfrage. Der Vertrag von Giani läuft bis Ende 2020. Ob sich der Italiener mit Blick auf Olympia 2024 in Paris weitere vier Jahre an den DVV bindet, ist noch unklar.

Sorgen um die Sportförderung muss sich der DVV wohl nicht machen. Schon in den ersten beiden Teilen der Potas-Analyse schnitt der Verband gut ab, das Kriterium „Erfolg“ wird nach den Sommerspielen 2020 berücksichtigt. Das Potenzialanalysesystem (Potas) ist Kernelement der Förderreform im Leistungssport, an deren Ende ein effizienterer Einsatz der Mittel stehen soll.

Die Volleyballsparte wird gemeinsam mit den Beachvolleyballern bewertet, im Sand ist der Verband hervorragend positioniert und hat mit den Vize-Weltmeistern Julius Thole/Clemens Wickler zum dritten Mal in Folge Medaillenkandidaten im Rennen. Auch Olympiasiegerin Laura Ludwig kommt mit Partnerin Margareta Kozuch langsam in Schwung.

Doch auch die Hallenabteilung braucht sich nicht zu verstecken. Die Teilnahmen an den Tokio-Qualifikationsturnieren fließen in die Bewertung ein, zweimal Top Acht bei der EM 2019 dürften hinzukommen. Abstriche bei der Sportförderung sind im Hinblick auf Paris 2024 daher wohl nicht zu erwarten. (sid)

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