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Die französische Nationalmannschaft feiert den Gewinn des Weltmeistertitels.
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Die französische Nationalmannschaft feiert den Gewinn des Weltmeistertitels.

Handball

Les Bleus sehen rot

  • Jörg Hanau
    VonJörg Hanau
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Die Seriensieger des Welthandballs wankten erheblich, sie fielen aber nicht. Noch nicht. In Dänemark reifen Handballer heran, die den Goldhamstern aus Frankreich auf Augenhöhe begegnen.

Die Seriensieger des Welthandballs wankten erheblich, sie fielen aber nicht. Noch nicht. In Dänemark reifen Handballer heran, die den Goldhamstern aus Frankreich auf Augenhöhe begegnen.

Am Ende waren es die Nerven und ein technischer Fehler zu viel. Anders Eggert nannte es „eine Marginalie“, eine Winzigkeit, die die Dänen am Sonntagabend in der Arena von Malmö vom Gold trennte. Die Männer in den roten Trikots dürfen sich damit brüsten, diese scheinbar unschlagbare goldene Generation der Franzosen in die Verlängerung gezwungen zu haben. Das war vor ihnen weder den Kroaten in den vergangenen WM- und EM-Endspielen noch den Isländern im olympischen Finale von Peking geglückt.

Die Seriensieger des Welthandballs wankten erheblich, sie fielen aber nicht. Noch nicht. „Die Dänen haben uns an unsere Grenzen gebracht“, brummte Claude Onesta nach dem 37:35-Erfolg und 70 Minuten knisternder Spannung. Den Goldhamstern aus Montpellier, Chambéry und Toulouse ist allerdings gewahr: im Norden Europas wächst eine Mannschaft heran, die die Epoche der französischen Hochkultur im Handball ablösen könnte.

Dänen als Entertainer

Ulrik Wilbek heißt der Architekt des dänischen Handball-Aufstands. Ein Blondschopf mit schmalen Schultern, dem sie in der Heimat den Spitznamen „Albino“ verpasst haben. Was nur die wenigsten wissen: Der heute 52 Jahre alten dänischen Trainerlegende ist schon in den 90er-Jahren gelungen, was die Franzosen für sich als einmalig beanspruchen: der Gewinn des Triples aus Olympiasieg, Europa- und Weltmeisterschaft – drei Titel in Serie. Es ist schon ein paar Jahre her.

1996/97 räumte der feinsinnige Mann aus Viborg mit den dänischen Frauen alles ab. Erst vor sechs Jahren übernahm „Albino“ die Männer-Nationalmannschaft seines Landes. Zunächst belächelt, weil nicht wirklich ernst genommen, zündete er Danish Dynamite bei der Europameisterschaft 2008 in Norwegen. „Damals sind wir über eine gute Defensive Europameister geworden, das war aber ein wenig langweilig“, sagte Wilbek am Sonntag rückblickend. „Was wir jetzt spielen, ist Entertainment. So sollte Handball sein.“

Mit ihrem erfrischenden Hochgeschwindigkeits-Handball begeisterten sie die Fans, nicht nur die dänischen. „Sie haben ein überragendes Turnier gespielt“, lobte der zum besten Torhüter der WM bestimmte Thierry Omeyer. Ihm stand sein dänischer Kollege allerdings in nichts nach: Niclas Landin, gerade einmal 22 Jahre alt und dem Vernehmen nach ab 2012 in Diensten der Rhein-Neckar Löwen, steht ebenso wie der erst 23-jährige Rückraumshooter Mikkel Hansen für die neue Generation des dänischen Handballs. „Hansen ist eine Waffe“, hatte der polnische Nationaltrainer Bogdan Wenta bereits während der Vorrunde gesagt. Wie Nikola Karabatic warf der rotbärtige Hansen im Finale zehn Tore. „Der ist nicht zu fassen. Die Dinger, die er aufs Tor zimmert, sind unglaublich“, schwärmte Bertrand Gille.

Superstar Karabatic

Die Unbekümmertheit, mit der sich die Dänen bis ins Finale siegten, ist nun allerdings vorbei. „Wir haben unseren Platz im Welthandball gefunden“, sagte Wilbek. Aus dem Jäger wird künftig ein Gejagter. „Mein junges Team und diese französische Mannschaft werden sich noch in einigen Finals treffen“, sagte Wilbek zufrieden. Er klang dabei keinesfalls überheblich. Und doch, Onesta durfte es als Drohung verstanden haben.

Ihr wohnt aber auch eine Chance für die Gefräßigen inne, die nur an ihrer eigenen Dekadenz zu scheitern drohten. Mit den Dänen scheint die Gefahr französischen Hochmuts gebannt. Gleichsam musste sich die Equipe tricolore zwanghaft selbst einer Verjüngungskur unterziehen. Daniel Narcisse und Guillaume Gille fehlten verletzt, für sie sprangen Xavier Barachet und William Accambray, beide ebenfalls erst 22 Jahre jung und mit der Statur von Möbelpackern gesegnet, in die Bresche. „Natürlich haben uns mein Bruder und Daniel gefehlt“, sagte Gille, die Mannschaft habe dadurch aber den nächsten Schritt getan: „Solche Ausfälle haben immer auch etwas Gutes. Andere Spieler erhalten mehr Spielpraxis und entwickeln sich weiter. Diese Mannschaft wird immer stärker, das sind Riesen.“

In deren Mitte musste sich der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Montagnachmittag vorgekommen sein wie Jonathan Swifts Romanheld Gulliver. Der Sarkozy um mehr als zwei Köpfe überragende Nikola Karabatic war nicht nur beim Empfang im Elyséepalast gefeierter Star unter den neuen und alten Weltmeistern. Der selbst erst 26 Jahre alte Franzose mit serbokroatischen Wurzeln war am Abend zuvor der Mann des Finals. Wie eine Spaltaxt durchtrennte er die dänische Deckung und hielt die eigene zusammen. Ein Ausnahmespieler in einer Ausnahmemannschaft.

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