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Teure Sicherheit: Vancouver 2010.

Kanada

Blauäugige Schätzung

Für die Olympischen Spiele 2010 werden nun 900 Millionen statt 175 Millionen Dollar für die Sicherheit veranschlagt.

Von GERD BRAUNE

Die Sicherheitsmaßnahmen während der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver und Whistler kommen dem kanadischen Steuerzahler teuer zu stehen: Mit 900 Millionen Kanada-Dollar (565 Millionen Euro) werden sie inzwischen gut fünfmal höher veranschlagt als bisher geplant. Nach monatelangen Verhandlungen verständigten sich die Bundesregierung und die Regierung der Provinz British Columbia auf das Sicherheitsbudget. Selbst 900 Millionen Dollar könnten nicht ausreichen, sollte sich das Sicherheitsrisiko erhöhen.

Bereits seit Monaten war in Vancouver damit gerechnet worden, dass die im Jahr 2002 bei der Bewerbung für die Spiele genannten 175 Millionen Dollar (110 Mio. Euro) für die Sicherheitskräfte bei weitem nicht ausreichen würden. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 lagen noch kein Jahr zurück, weshalb schon damals Kritiker diese Kalkulation als unrealistisch bezeichnet hatten. Selbst das IOC habe die Zahl in Frage gestellt, berichtet die Zeitung Vancouver Sun. Erst nachdem Vancouver den Zuschlag erhalten hatte, hätten die zuständigen Planer eingeräumt, dass sie die Kosten unterschätzt hätten, schreibt die Sun. Nach den Finanzierungsproblemen mit dem Athletendorf, das ebenfalls teurer wird als vorhergesagt, dürften die explodierenden Sicherheitskosten weiteren Unmut in Vancouver auslösen. "Unser Ziel ist es, sichere Spiele zu liefern", sagte der kanadische Sicherheitsminister Peter Van Loan. Er machte deutlich, dass die Kosten noch höher liegen könnten, falls es vor oder während der Spiele Bedrohungen geben sollte. Der jetzige Plan geht von einer mittleren Bedrohungslage aus. Van Loan verwies darauf, dass er nicht im Amt war, als die ursprüngliche Schätzung von 175 Millionen Dollar vorgelegt wurde: "Aber ich kann Ihnen sagen, dass dies ohne Vorliegen eines tatsächlichen Sicherheitsplanes entwickelt wurde."

Fast 500 Millionen Dollar (315 Mio. Euro) stehen der Bundespolizei RCMP für die Entwicklung und Umsetzung des "integrierten Sicherheitsplans" zur Verfügung. Die Unterstützung durch das Militär kostet weitere 212 Millionen Dollar. Weitere Posten sind die Luftraumüberwachung (25 Mio. Dollar), der Einsatz des Geheimdienstes CSIS (11 Mio. Dollar) und die Bereitstellung der Netzwerke für die Kommunikation der Sicherheitskräfte untereinander (9,8 Mio. Dollar). Als Reserve für unvorhergesehene Ereignisse sind 137 Millionen Dollar im Budget eingestellt. Nach den früheren Plänen sollte sich die Provinz British Columbia mit 87,5 Millionen Dollar an den Sicherheitskosten beteiligen. Nun werden es 252,5 Millionen Dollar sein. Der Bund trägt 647,5 Millionen Dollar. "Eine Sache ist heute klar", sagte die sozialdemokratische Oppositionsführerin von British Columbia, Carole James, "es wird den Steuerzahler mehr kosten als die Regierung gesagt hat."

Eine Menge zusätzlicher Kosten

John Furlong, Chef des Organisationskomitees Vancouver (Vanoc), sagte, es sei schwer gewesen, Schätzungen der Sicherheitskosten für ein Ereignis zu machen, das ein Jahrzehnt entfernt gewesen sei. Dies liege zudem nicht im Mandat von Vanoc. Er sei zuversichtlich, dass Vancouver/Whistler im kommenden Jahr "sichere und glückliche Spiele" liefern werden. Vanocs operatives Budget für die Durchführung der Spiele beläuft sich auf 1,76 Milliarde Dollar, in den Bau oder die Erneuerung von Sportstätten, die bereits fertigstellt sind, werden 580 Millionen Dollar investiert. In diesen Budgets sind weder die Sicherheitskosten noch der Bau des Athletendorfs, der Ausbau des Sea-to-Sky-Highways von Vancouver nach Whistler oder der Bau einer S-Bahn vom Flughafen in die Innenstadt Vancouvers enthalten.

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