Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Blatter unter Druck - «FIFA-Pyramide schwankt»

FIFA-Präsident Joseph Blatter gerät immer stärker unter Beschuss, und sein Verband kämpft um die Handlungsfähigkeit. ...

Zürich. FIFA-Präsident Joseph Blatter gerät immer stärker unter Beschuss, und sein Verband kämpft um die Handlungsfähigkeit. Der Schweizer räumte Probleme ein.

«Unsere FIFA-Pyramide schwankt, es ist Gefahr im Anzug. Ich werde morgen Gelegenheit haben, darüber zu sprechen. Heute wollen wir eine festliche Atmosphäre haben», sagte der 75 Jahre alte Schweizer am Dienstag im Hallenstadion von Zürich, als er den skandalumtosten 61. Kongress des Fußball-Weltverbandes offiziell eröffnete.

«Wir hatten ähnliche Probleme zu überstehen», sagte IOC-Präsident Jacques Rogge in seinem Grußwort. «Ich bin sicher, dass die FIFA gestärkt aus dieser Situation hervorgehen wird.» Wenige Stunden vor Kongressbeginn hatten der englische und schottische Verband eine Verlegung der Präsidentenwahl gefordert. Auch vier Hauptsponsoren der FIFA verstärkten den Druck auf den krisenerprobten Blatter. Der Walliser hält jedoch trotz diverser Schmiergeldaffären in seiner Organisation unbeirrt am Wahltermin fest. Ob per Akklamation oder geheimer Abstimmung - Blatter will diese vierte Amtszeit auf dem FIFA-Thron unbedingt.

Einer seiner Vize-Präsidenten sprach sich gegen eine Verlegung aus. «Warum sollte man verschieben? Das ist ein Antrag derjenigen, die keine Funktionäre haben», sagte Julio Grondona, der Chef des argentinischen Fußball-Verbandes AFA, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Der Blatter-Intimus ist überzeugt, dass der Schweizer die Skandale überstehen und sein Amt behalten wird. «Man tritt nicht zurück, wenn man die Sache gut macht», meinte Grondona.

Tatsächlich wird die Wahl immer bizarrer. Kurz vor Kongressbeginn machte auf den Fluren auf einmal die nächste verrückte Nachricht die Runde. Jack Warner, vorläufig suspendiertes Mitglied der Exekutive, hat die stimmberechtigten Funktionäre der Karibischen Fußball-Union (CFU) in einem Schreiben aufgerufen haben, Blatter «wie vereinbart» zu unterstützen. Ausgerechnet Warner, der vor Tagen großspurig einen «Fußball-Tsunami» angekündigt und getönte hatte, Blatter müsse «gestoppt» werden. Das Intrigenspiel wird immer undurchschaubarer.

Allerdings musste Möchtegern-Reformer Blatter sogar von vier Sponsorenpartnern Prügel einstecken. «Emirates ist wie alle Fußball-Fans in der Welt enttäuscht über die Vorfälle, die um die Führung des Sports kreisen», erklärte die Fluggesellschaft in einer Pressemitteilung. Ein Sprecher des amerikanischen Getränkegiganten Coca-Cola nannte das Führungschaos «beunruhigend und schlecht für den Sport». Der Konzern wolle der FIFA als Sponsor aber treubleiben.

Auch der fränkische Sportartikel-Hersteller adidas verurteilte die jüngsten Entwicklungen in der FIFA. «Der negative Tenor der öffentlichen Debatte um die FIFA ist weder gut für das Image des Fußballs, noch der FIFA und seiner Partner», sagte Firmensprecher Jan Runau der dpa. Er bestätigte zugleich eine Fortsetzung der «langjährigen und erfolgreichen Partnerschaft».

Die englische Football Association (FA) drängte, «die Wahl aufzuschieben, dass ein alternativer Reformkandidat die Möglichkeit bekommt, zur Präsidentenwahl anzutreten», erklärte Verbandschef David Bernstein, der auf Unterstützung durch weitere Verbände hoffte. UEFA-Präsident Michel Platini zeigte sich vom Vorpreschen der Engländer «überrascht». Bei einer Sitzung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) am Montag sei es kein Thema gewesen.

Dafür war eine angebliche Enthüllungs-Pressekonferenz zur WM-Vergabe an Katar Tagesgespräch auf dem Zürichberg. Die «Entourage» eines ehemaligen FIFA-Offiziellen wollte am Nachmittag in einem Fünf-Sterne-Hotel Beweise für eine gekaufte WM 2022 präsentieren. Sogar Belege und Kontoauszüge waren angekündigt, die Korruption bei der erfolgreichen WM-Bewerbung Katars belegen sollten. Die Namen von vier hochrangigen Mitgliedern der FIFA-Exekutive standen auf einer dubiosen Einladung, die von einem noch dubioseren Informanten verschickt wurde. Nur: Die mit großem Getöse angekündigte Pressekonferenz fand nicht statt.

Wie die Zukunft nach diesen turbulenten Tagen im Tollhaus FIFA aussehen wird? Blatter'sche Lippenbekenntnisse wie «Null Toleranz bei Korruption» oder «Wir stecken in Schwierigkeiten, lösen diese aber innerhalb der Familie» werden nicht mehr ausreichen, wenn der krisengeschüttelte Verband eine Zukunft haben will. Blatter muss seinen ganzen Laden auseinandernehmen und schleunigst strukturelle Reformen mit einer unabhängigen Ad hoc-Kommission vorantreiben. Dass er dazu in der Lage ist, bezweifeln viele.

Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass Blatter nach einer erfolgreichen Wiederwahl nach zwei Jahren abtritt und den Weg für einen Neubeginn freimacht - unter einem Präsidenten Michel Platini. Der Franzose gilt als einzig möglicher Blatter-Nachfolger. Die Frage ist nur, ob erst 2015 oder schon früher.

Blatter selbst ging am Dienstagmorgen nochmals auf Werbetour in eigener Sache. Doch sein Auftritt um 9.30 Uhr im Züricher Nobelhotel «Renaissance» bei den Vertretern der Asiatischen Konföderation AFC «muss schlimm gewesen sein», wie ein FIFA-Insider später berichtete. Gerüchte über die Abreise von «neun oder zehn» AFC-Verbänden wegen der vorläufigen Suspendierung von Mohamed bin Hammam bestätigten sich zunächst nicht.

Der 62-Jährige war am Sonntag von der FIFA-Ethikkommission wegen Korruptionsvorwürfen vorläufig suspendiert worden. Er bestreitet alle Vorwürfe, auch die einer gekauften WM 2022 in Katar, und legte prompt Einspruch gegen seinen Ausschluss ein. Am Abend hieß es plötzlich, bin Hammam soll die AFC-Delegierten von einem Boykott der Wahlen abgehalten haben. Alles scheint wieder für Blatter zu laufen. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare