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Blatter droht Polen mit Absage

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Der Fifa-Präsident fordert ultimativ die Wiedereinsetzung des von der Regierung entmachteten Verbandschefs.

Von KNUT KROHN

In bester Western-Manier hat Sepp Blatter dem polnischen Fußball-Verband ein Ultimatum gesetzt. Am kommenden Montag, pünktlich um 12 Uhr mittags, muss die entmachtete Führung des polnischen Verbandes wieder eingesetzt sein, droht der Fifa-Chef, oder die nächsten beiden WM-Qualifikationsspiele gegen Tschechien und die Slowakei werden abgesagt. Beide Begegnungen würden als 0:3-Niederlage für Polen gewertet und die WM 2010 fände damit wohl ohne Polen statt. Die Verantwortlichen in Polen denken allerdings nicht daran, sich dem Diktat des Fußball-Weltverbandes zu unterwerfen. "Wir bleiben hart", erklärte gestern Innenminister Grzegorz Schetyna noch einmal kämpferisch.

Damit ist der Machtkampf zwischen Fifa und polnischem Verband eskaliert. Auslöser war die Entscheidung des Sportministers Miroslaw Drzewiecki, die Verbandsführung um Präsident Michal Listkiewicz abzusetzen. Grund waren, so erklärt der Minister, "zahlreiche Unregelmäßigkeiten". Gemeint ist ein Korruptionsskandal im Fußball. Dutzende Vereine sind darin verwickelt, und es wird vermutet, dass mehrere hundert Spieler, Trainer und Funktionäre gegen große Geldsummen Begegnungen verschoben.

Angesichts der Ausmaße des Skandals schaltete sich sogar Innenminister Schetyna vor einigen Wochen ein. Er forderte damals den Rücktritt des sehr umstrittenen Listkiewicz. Davon wollte der Fußballboss aber nichts wissen. Aber auch in der Folgezeit profilierte sich der Verbandspräsident nicht gerade als großer Kämpfer gegen die Korruption - was ihn nun, vorerst, den Job kostete.

Diesen Handstreich der polnischen Politiker sieht die Fifa allerdings als Angriff auf die Autonomie des Fußballs. "Wir akzeptieren den Eingriff in die Verbandshoheit nicht. Für uns ist die gewählte Führung um Präsident Michal Listkiewicz weiterhin der Ansprechpartner", erklärte Sepp Blatter. Bereits im Jahr 2007 war Polen einem Ausschluss vom Weltverband knapp entgangen. Damals hatte die Regierung die Geschäftsführung des nationalen Verbandes wegen des Korruptionsskandals ebenfalls entlassen, dann aber auf Druck der Fifa wieder eingesetzt. Dieses Mal aber scheinen Polens Korruptionsbekämpfer zum Äußersten entschlossen.

Wegen des Fifa-Ultimatums will Sportminister Drzewiecki in die Schweiz reisen, um dort den Mächtigen des Weltfußballs die Lage zu erläutern. Der Politiker weiß, dass für Polen viel auf dem Spiel steht. Wegen des Chaos ist nicht nur die Teilnahme an der WM 2010 gefährdet. Polen und die Ukraine könnten auch die Europameisterschaft 2012 verlieren.

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