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Niederlande bei der EM

Blamage mit Ansage

Nach dem peinlichen Aus bei der Europameisterschaft 2000 in den Niederlanden und Belgien ertränken die deutschen Rumpelfüßler ihre Scham in Alkohol.

Von JAN CHRISTIAN MÜLLER

Am Tag, als Frankreich das EM-Finale 2000 durch das Golden Goal von David Trezeguet mit 2:1 gegen Italien für sich entschied, hockten die DFB-Granden längst zur Krisensitzung in einer Villa am Stadtrand von Köln zusammen. Es galt, nach einem Nachfolger für den hilflosen Erich Ribbeck zu fahnden.

Der knapp zwei Jahre zuvor als Frührentner vom Golfplatz auf Teneriffa verpflichtete Ribbeck, der damals schon stramm auf die 65 zugehende "Erfinder der 13-Stunden-Woche" (Max Merkel), hinterließ dem in einer mal wieder unnachahmlichen DFB-Groteske bald gefundenen Rudi Völler einen Scherbenhaufen. Der Spiegel ätzte, der überforderte Ribbeck entspräche eher dem "Anforderungsprofil eines Urlaubsclub-Luxusanimateurs als dem eines Fußballtrainers".

Nach nur einem einzigen Tor (durch Mehmet Scholl beim 1:1 gegen Rumänien) und zwei Niederlagen (gegen England 0:1 und gegen die B-Elf Portugals 0:3) wurde der gewiss nicht unsympathische gebürtige Wuppertaler schleunigst dahin zurück geschickt, wo er hingehört: auf den Golfplatz. Seine Bilanz dürfte die schlechteste eines deutschen Bundestrainers bleiben.

Als dann alles vorbei war in einem an Peinlichkeit nicht zu überbietenden Abschiedsspiel von Lothar Matthäus in Rotterdam gegen Portugal, fand zur Abrundung der Außendarstellung noch eine Verliererparty der zuvor "ängstlich stolpernden Geradeausläufer" (Spiegel) auf der Terrasse des Teamhotels statt. 1400 Mark sollen dort, in einer Herberge in der niederländischen Grenzstadt Vaals, versoffen worden sein.

Keine Spur mehr von der "durchtriebenen Faulheit", die die FAZ zuvor noch auf dem Fußballplatz ausgemacht hatte. Sie schämten sich auf ihre Weise. Nie zuvor und nie danach haben sich deutsche Fußballprofis vor den Augen der Weltöffentlichkeit so sehr blamiert.

Es war eine Blamage mit Ansage. Schon weit vor Turnierbeginn hatte der um klare Worte nie verlegene Münchner Mittelfeldspieler Jens Jeremies den Zustand der Mannschaft öffentlich als "jämmerlich" bezeichnet. Ribbeck hatte da längst sein Gesicht und seine Autorität verloren. Noch im Vorbereitungs-Trainingslager auf Mallorca versuchten revoltierende Profis unter Führung von Didi Hamann in einem nächtens bei Bier und Sangria genial ersonnenen Schlachtplan, das Schlimmste zu verhindern.

Die alte Bayern-Connection Hamann, Jeremies, Markus Babbel und Christian Ziege wollten gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, als sie den ungeliebten Kollegen Lothar Matthäus zu überzeugen versuchte, er statt Ribbeck sollte die Mannschaft nach Belgien und Holland führen. Matthäus lehnte nach Rücksprache mit Franz Beckenbauer ab. Ribbeck kriegte mal wieder rein gar nichts mit.

So kam es, dass sein Spezi Matthäus auf dem Platz stand, mit der Betonung auf "stand". Der bald 40-Jährige Wahl-New Yorker, zudem von einer Oberschenkelblessur nicht vollständig genesen, demonstrierte im Sommer 2000 einen Libero unmodernster Prägung. "Streng genommen", höhnte die FR nach dem 0:1 gegen England, "spielte die deutsche Mannschaft mit einem Mann in Unterzahl."

Ribbeck hat es natürlich nicht gemerkt. Immerhin verabschiedete sich der Teamchef am Tag nach dem Aus honorig: "Mein Rücktritt ist die Konsequenz aus dem katastrophalen Abschneiden, für das ich die volle Verantwortung übernehme." Die deutschen Kicker gingen als "Rumpelfüßler" in die Geschichtsbücher ein - sie wurden zwei Jahre später ohne Matthäus Vize-Weltmeister.

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