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Hat jetzt erst einmal Ruhe: Florian Wellbrock.

Nach der Schwimm-WM

Ein bisschen zu viel Rummel

Die Schwimmstars Florian Wellbrock und Sarah Köhler freuen sich auf den Urlaub.

Und jetzt ab in den Urlaub? Von wegen! Nach exakt 26.650 Wettkampfmetern in den vergangenen drei Wochen steht für die Schwimmstars Florian Wellbrock (SC Magdeburg) und Sarah Köhler (SG Frankfurt) bis Ende August noch Training auf dem Programm. Erst dann fliegt das Paar zum Entspannen nach Ägypten, den Hotelpool erklärt Wellbrock zur sportfreien Zone: „Nur Planschen, kein Bahnenschwimmen!“ Im Urlaub wollen sich die beiden Weltmeister nicht nur von den körperlichen Strapazen erholen, die durch die Deutsche Meisterschaft in Berlin direkt im Anschluss an die Weltmeisterschaft enorm waren. Sie wollen auch im Kopf verarbeiten, dass sie zu deutschen Sportstars aufgestiegen sind.

„Der Hype ist schon krass“, sagte Wellbrock der „Bild“. Er merke, „dass auf einmal ziemlich viele Leute Interesse an mir haben. Das wird mittlerweile fast ein bisschen anstrengend.“ Am Samstagabend war das Schwimmpaar noch zu Gast im Aktuellen Sportstudio des ZDF, am Sonntag kämpften Wellbrock und Köhler in Berlin um ihren jeweils dritten DM-Titel. Die nationalen Meisterschaften waren im Format „Die Finals“ eingebettet – mit Wellbrock und Köhler als Zugpferde. Als Wellbrock am Samstag über 1500 Meter Freistil mit einem Vorsprung von 35 Sekunden haushoch überlegen siegte, sahen immerhin 1,24 Millionen Zuschauer in der ARD zu. Sein Goldrennen bei der WM in Südkorea hatten nur wenige im Livestream verfolgt.

„Das mediale Interesse ist ziemlich groß“, sagte Köhler, die bei der WM Gold mit der Freiwasserstaffel und Silber über 1500 Meter Freistil gewann. Das ist gut für ihre Sponsorensuche, aber auch für ihre zuletzt arg gebeutelte Sportart. Als alleinige Retter des deutschen Schwimmens sehen sie sich aber nicht. „Ich würde selbstbewusst sagen, dass wir für die nächsten Olympischen Spiele Medaillenkandidaten sind“, sagte Wellbrock: „Aber wir sind da nicht alleine.“

„Noch nicht realisiert“

Doch andere Top-Schwimmer wie Marco Koch, Franziska Hentke oder Philipp Heintz stehen derzeit mächtig im Schatten des Schwimmpaares aus Magdeburg. Selbst Kontrahenten fragten Wellbrock und Köhler bei der DM nach Autogrammen und Fotos. „Es freuen sich alle über die Erfolge“, sagte Wellbrock. Der 21-Jährige selbst hat es noch nicht realisiert, dass er bei der WM als erster Mensch Gold im Freiwasser (10 Kilometer) und im Becken (1500 Meter) gewinnen konnte: „Dieser historische Coup, von dem alle sprechen, ist bei mir noch nicht richtig angekommen.“

Dass die Sponsoren bei ihm trotzdem nicht Schlange stehen, sieht Wellbrock gelassen. „Wir nehmen den Sport als Leidenschaft mit und sind damit nicht unzufrieden“, sagte der Immobilienkaufmann, der auch mit der WM-Siegprämie von 40.000 US-Dollar gut leben kann: „Wenn ich das mit einem normalen 21-Jährigen vergleiche, hat es sich schon gelohnt, was in diesem Monat reinkam.“ Den größeren ideellen Wert haben ohnehin seine beiden WM-Goldmedaillen. Wenn er sie in der Hand halte, „so wie ich es früher mal bei Paul Biedermann im Fernsehen gesehen habe“, sagte Wellbrock der „Magdeburger Volkszeitung“, „dann muss ich sagen: Das ist unglaublich.“ (sid)

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