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Nicht zu stoppen: Christian Coleman siegt in 9,76 Sekunden. 

Läufer Christian Coleman

„Bin nicht perfekt“

Der 100-Meter-Weltmeister Christian Coleman inszeniert sich in seiner Affäre als Opfer.

Es wär spät geworden, weit nach Mitternacht, aber Christian Coleman redete und redete. In seinem Südstaaten-Slang plapperte der US-Amerikaner fast so schnell, wie er zwei Stunden zuvor zu Gold über 100 Meter gerannt war. Doch Coleman sollte – ganz im Gegensatz zu einem Usain Bolt früher – vor allem unbequeme Fragen beantworten. Und in seinem Rechtfertigungs-Modus verstrickte sich der neue schnellste Mann der Welt dann irgendwann in einer kruden Verschwörungstheorie.

„Ich bin nur ein junger schwarzer Mann, der seinen Traum lebt. Es ist enttäuschend, dass jemand Informationen preisgibt, um meinen Ruf zu beschmutzen“, sagte Coleman, nachdem er in starken 9,76 Sekunden vor einer Minuskulisse im Khalifa-Stadion das wohl wichtigste Gold der WM geholt hatte. In seiner Dopingtest-Affäre sieht er sich als Opfer einer Kampagne, der Fall hätte Ende August niemals an die Öffentlichkeit gelangen dürfen.

„Einige Leute interessieren sich nicht für die Wahrheit, sie erzählen nur Geschichten“, sagte Coleman, pries sein „unglaubliches Talent“ und sprach von „Hass“ auf einen „schwarzen Jungen“. Er habe „keine Ahnung, warum sie das tun.“

Dass in der Geschichte nur fünf Läufer jemals schneller waren als Coleman, interessierte hinterher kaum noch jemanden. Im Mittelpunkt standen seine drei verpassten Dopingtests innerhalb eines Jahres und die Frage, ob Coleman nach dem Abgang Bolts noch als neues Gesicht der Leichtathletik taugen kann. Sein Landsmann, Sprintlegende Michael Johnson, spricht ihm die Eignung dafür ab. Coleman, der über 200 Meter das nächste Gold anpeilt, sei seiner „Verantwortung“ als potenzieller Superstar nicht nachgekommen, sagte der Ex-Weltrekordler über 200 und 400 Meter der als Experte für den britischen Sender BBC arbeitet , und hätte deshalb gesperrt werden müssen.

„Michael Johnson zahlt nicht meine Rechnungen und unterschreibt nicht meine Schecks, daher ist es mir egal, was er zu sagen hat“, sagte Coleman, der nur aus formalen Gründen einer Sanktion entging und so seinen Teamkollegen Justin Gatlin (9,89) und den Kanadier Andre De Grasse (9,90) hinter sich lassen konnte. Seine Anwälte fanden eine Lücke im Kleingedruckten, ein Regelverstoß wurde vordatiert. Coleman beteuert seitdem seine Unschuld („Ich nehme nichts“), außerdem reise er so viel um die Welt, da könne man schon mal vergessen, seine Meldedaten für die Anti-Dopingjäger wie vorgeschrieben zu aktualisieren.

Auf etliche Nachfragen räumte Coleman dann ein, dass „ich reifer und sorgfältiger bei der Aktualisierung des Systems sein kann“. Im gleichen Atemzug sagte er aber auch wieder, „alles richtig gemacht“ zu haben, er sei halt „ein junger Kerl“, der „nicht immer im Kopf hat, die App zu aktualisieren“. Und ohnehin sei „jeder in diesem Raum nicht perfekt“, sagte Coleman.

Trotz seiner eher laxen Einstellung in wichtigen Anti-Dopingfragen sieht sich Coleman auf dem Weg, das Erbe Bolts als Superstar der Leichtathletik anzutreten. „Ich glaube nicht, dass irgendjemand in der Lage sein wird zu wiederholen, was er im Sport getan hat“, sagte Coleman über den Jamaikaner.

Und über sich selbst sagte er: „Ich muss nur weiter meinen Job machen, und dann werden mehr und mehr Leute die Schönheit in diesem Sport sehen, die ich sehe“, sagte Coleman. Einsicht in seiner Affäre würde sicher auch helfen. (sid)

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