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Biedermann: "So ist es halt"

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Da war mehr drin - Paul Biedermann.
Da war mehr drin - Paul Biedermann. © dpa

Auch über seine Paradestrecke, die 200 Meter Freistil, gelingt Paul Biedermann nicht der Befreiungsschlag. Beim Sieg des Franzosen Agnel wird er Fünfter. Heute folgt die letzte Chance für Biedermann. In der Staffel sind die Aussichten auf Edelmetall nicht schlecht.

Paul Biedermann starrte ungläubig auf die Anzeigetafel und stieg ratlos aus dem Olympia-Becken von London. Platz fünf auf seiner Paradestrecke über 200 m Freistil ? der Traum vom „perfekten Rennen“ und der ersten Olympia-Medaille war für den Schwimm-Weltmeister geplatzt. „Ich frage mich gerade, ob das alles war, was drin war“, sagte der 25-Jährige: „Es hat sich gut angefühlt, aber die Endzeit ist zu langsam.“

Nach 1:45,53 Minuten fehlten dem WM-Dritten sechs Zehntelsekunden zu Edelmetall ? zwei Tage nach seinem Debakel über die doppelte Distanz ein erneuter Rückschlag. „Aber so ist es halt, wenn man nicht 100 Prozent fit ist“, sagte Biedermann, den offenbar Rückenprobleme plagten.

Agnel holt Gold

Gold im mit Spannung erwarteten Kampf der Giganten schnappte sich der Franzose Yannick Agnel, der schon die Freistilstaffel zum Olympiasieg geführt hatte, in Jahresweltbestzeit (1:43,14). Weltmeister Ryan Lochte aus den USA schwamm hinter den zeitgleichen Sun Yang (China) und Park Tae Hwan (Südkorea/beide 1:44,93) überraschend ebenfalls an einer Medaille vorbei. „Ich denke, das war schön anzuschauen, ein Hochkaräter“, sagte Biedermann: „Vor Agnel kann ich nur den Hut ziehen, das war eine fantastische Zeit.“

Ein letztes Ziel hat der WM-Dritte noch: Mit der 4x200-m-Staffel schwimmt er am Dienstag ein weiteres Mal gegen die Stars der Szene, doch die Aussichten auf Edelmetall sind nach den bisherigen Leistungen eher schlecht. „Jetzt muss ich mich für die Staffel motivieren, da gibt es Jungs, die auf mich zählen“, sagte Biedermann.

Auf eine Medaille musste auch Helge Meeuw bei seinen letzten Olympischen Spielen verzichten, dennoch war der Magdeburger nach seinem sechsten Platz über 100 m Rücken in 53,48 Sekunden zufrieden. „Ich war dreimal bei Olympia, zweimal davon scheiße. Jetzt bin ich überfroh, dass ich im Finale war“, sagte der 27-Jährige, der spätestens im nächsten Jahr seine Karriere beenden will.

Flucht nach vorne

„Das perfekte Rennen und noch ein bisschen mehr“ hatte Biedermann schwimmen wollen. Schon seit Monaten hatte er dem Finale entgegengefiebert, das von vielen zum Höhepunkt der Schwimm-Wettbewerbe hochgejubelt worden war. Allerdings fehlte Superstar Michael Phelps, der sich auf seine anderen Starts konzentrieren wollte.

Für Biedermann eine Enttäuschung, denn das Duell mit dem Rekord-Olympiasieger motivierte ihn immer besonders ? seit er 2009 dem Amerikaner Weltrekord und WM-Titel geraubt hatte. Doch auch ohne Phelps war der Endlauf hochkarätig besetzt: 400-m-Olympiasieger Sun, Frankreichs Agnel, der Südkoreaner Park, Silbermedaillengewinner von Peking ? und natürlich Weltmeister Lochte. Agnel suchte sein Heil in der Flucht und schwamm von Beginn an vorneweg. Biedermann konnte eine Bahn neben dem 20-Jährigen nur schwer mithalten. Nach 100 Metern lag er bereits auf Rang fünf, der sonst von der Konkurrenz gefürchtete Schlussspurt blieb aus.

Schneller als bei der WM im vergangenen Jahr hatte Biedermann schwimmen wollen. Die 1:44,88 verfehlte der Hallenser aber um gut sechs Zehntelsekunden. Vor allem an den Wenden hatte er gearbeitet. So sollten gegenüber Lochte und Co. insgesamt sechs Zehntel aufgeholt werden, das war die Rechnung seines Trainers Frank Embacher. Doch es lief überhaupt nicht wie geplant. Über 400 m ließ ihn sein Trainer mit einer neuen Taktik experimentieren, Biedermann kam damit nicht klar. Auch im Vorlauf über 200 m quälte er sich, erst im Halbfinale deutete er alte Stärke an, als er in persönlicher Jahresbestzeit Lochte hinter sich ließ.

Das Finale über 200 m Freistil verpasste derweil Silke Lippok bei ihrer ersten Olympia-Teilnahme. Die 18 Jahre alte Abiturientin schied als 13. in 1:58,24 Minuten aus. „Es hätte schon etwas mehr sein sollen. Ich bin nicht zufrieden mit meiner Zeit“, sagte die Pforzheimerin. (sid)

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