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"Betrüger dürfen sich nie sicher sein"

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Fabian Wegmann vom Team Milram in Aktion beim Radrennen "Fleche Wallonne".
Fabian Wegmann vom Team Milram in Aktion beim Radrennen "Fleche Wallonne". © dpa

City-Loop-Sieger Fabian Wegmann vom Team Milram spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über die positiven Dopingproben der Ex-Teamkollegen Rebellin und Schumacher.

Herr Wegmann, Ihre ehemaligen Gerolsteiner-Kollegen Davide Rebellin und Stefan Schumacher wurden positiv auf Cera getestet. Fühlen Sie sich betrogen?

Da fehlen einem die Worte. Ich musste oft zurückstecken wegen dieser Leute, habe für sie im Rennen gearbeitet. Zu allem Überfluss muss man sich dann auch noch wegen ihnen rechtfertigen...

...weil es nach den Dopingfällen Bernhard Kohl und Schumacher bei der vergangenen Tour de France so aussieht, als hätte es im Team Gerolsteiner doch systematisches Doping gegeben?

Bernhard Kohl hat wenigstens einen Arsch in der Hose gehabt und gesagt, woher er das Zeug hatte. Ich verstehe ja, dass das von außen vielleicht danach aussieht, Fakt ist aber wirklich, dass es im Team Gerolsteiner kein systematisches Doping gab.

Nun also auch Rebellin.

Ich bin sieben Jahre mit ihm gefahren. Ich verstehe ihn nicht. Er hat in seiner Karriere alles gewonnen. Er ist jetzt 38. Warum macht er das? Ich kann das einfach nicht nachvollziehen.

Steht zu vermuten, dass seine Erfolge auf Betrug basieren?

Darüber möchte ich gar nicht nachdenken. Daran kannst du nur kaputtgehen, wenn du überlegst, was hätte passieren können. Das betrifft auch andere überführte Fahrer. Wenn du dich erinnerst, wo ist der gefahren, was hat er gewonnen und welchen Platz hast du belegt: Das macht dich kaputt.

Gab es während der Tour de France 2008 einen Moment des Misstrauens?

Nein, eigentlich nicht. Ich hatte während der Tour genug mit mir und meinen Stürzen zu tun. Man sieht zwar Kohl und Schumacher morgens und abends und den ganzen Tag auf dem Rad, aber du kriegst nichts davon mit. Keine Ahnung, wie, wann und wo die das machen. Wenn man das nicht mitkriegen soll, kriegt man das auch nicht mit. Man sieht nur, dass das Tag für Tag gut für die läuft. Aber ich habe mir dabei nichts gedacht. Es war ja auch nicht so, dass Kohl mal eine Etappe mit zehn Minuten Vorsprung gewonnen hätte. Wenn du immer darüber nachdenkst, ob eine Leistung sauber ist oder nicht, bringt dich das nicht weiter.

Der Sieger ist inzwischen immer der erste Verdächtige.

Klar, aber nicht erst jetzt. Ich weiß für mich, dass ich sauber bin.

Der erhoffte Neuanfang wird ständig mit Füßen getreten. Ist der Radsport noch zu retten?

Wir sind eigentlich auf einem guten Weg. Es geht nur mit vielen Kontrollen, vor allem auch Nachkontrollen. Damit diese Jungs merken, auch wenn Sie vielleicht erst einmal durchgekommen sind, sie können sich nie sicher sein. Deshalb kann ich auch nicht nachvollziehen, was Rebellin und Schumacher da gemacht haben. Wir mussten vor den Olympischen Spielen alle unterschreiben, dass die Dopingproben acht Jahre nachkontrolliert werden dürfen. Das ist genau der richtige Weg. Die Betrüger dürfen sich nie sicher sein.

Es gibt den Spruch - nicht nur im Radsport: Doping macht doof.

Offenbar stimmt das.

Interview: Jörg Hanau

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