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Einer, der weiß, wie es geht: Arnd Peiffer aus Clausthal-Zellerfeld.
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Einer, der weiß, wie es geht: Arnd Peiffer aus Clausthal-Zellerfeld.

Biathlon

Besuch aus dem Niemandsland

Arnd Peiffer geht als deutsche Nummer eins in die am Mittwoch startende neue Biathlon-Saison. Die Heim-WM in Ruhpolding spielt bei der Saison-Planung des Niedersachsen eine besondere Rolle.

Von Stephan Klemm

Auf einmal ist Arnd Peiffer da, schnell, sicher am Schießstand, Platz zwei mit der Staffel, Achter im Sprint, alles beim Biathlon-Weltcup in Oberhof. Es ist Peiffers Debüt in der ersten Liga seines Sports. Das alles ist schon erstaunlich genug, doch die größte Verwirrung verursacht der bis dahin unbekannte Peiffer in diesen frühen Januartagen des Jahres 2009 mit seiner Herkunft: Niedersachsen. Harz. Clausthal-Zellerfeld.

Nicht Thüringen, nicht Ruhpolding in Bayern – geht das überhaupt? „Das war damals eine große Frage, ich weiß. Ich galt ja als Exot aus dem Niemandsland. Aber mittlerweile ist das schon vorbei. Jetzt wundert sich keiner mehr.“

Peiffer, jetzt 24 Jahre alt, ist seit März 2011 Weltmeister im Sprint. Den Biathleten des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) ist er somit ziemlich rechtzeitig erschienen. Auch für diese Weltcup-Saison, die am Mittwoch mit einem 20-Kilometer-Rennen im schwedischen Östersund beginnt, ist Peiffer eine Hoffnung mit Aussicht: „Da will ich mich schon zeigen.“

Es mangelte ein wenig an tauglichem Personal in der Zeit nach den Olympischen Winterspielen von Turin 2006, zumindest perspektivisch. Damals gewann Michael Greis drei Goldmedaillen, Sven Fischer zwei, davon jeweils eine in der Staffel eine enorme Ausbeute, aber auch ein großer Höhepunkt, dem ein Tiefpunkt folgte: Kein Edelmetall in Vancouver 2010. Greis, inzwischen 35, ist noch dabei, aber längst nicht mehr so gut. Er will sich mindestens noch beim Saison-Höhepunkt zeigen, der Biathlon-WM in Ruhpolding. Die Wettkämpfe beginnen am 1. März 2012.

Staffel-Gold als Ziel

Fischer ist im Mai 2007 zurückgetreten, schon zwei Monate zuvor verkündete Ricco Groß, ebenfalls Team-Sieger von Turin, seinen Rückzug. Und seitdem fehlte es an Ergänzungen: Michael Rösch (28), der vierte Mann des goldenen Quartetts von 2006, verabschiedete sich in ein Langzeit-Leistungstief. Andreas Birnbacher (30) und Simon Schempp (23) sind zu wenig konstant, während Christoph Stephan (25), 2009 WM-Zweiter über 20 Kilometer, am Dienstag verkündete, „wegen vieler gesundheitlicher Rückschläge“ auf die komplette Saison verzichten zu müssen. Und schon ist der konstante Peiffer, Vierter des Gesamt-Weltcups der vergangenen Saison, die deutsche Nummer eins. Mit viel Perspektive.

Nicht zuletzt wegen Peiffer formuliert Mark Kirchner, der Cheftrainer der deutschen Biathleten, inzwischen sogar mutig seinen größten Wunsch: „Staffel-Gold in Ruhpolding.“

Peiffer selbst wünscht sich „mindestens eine Medaille, das ist das Ziel, die Farbe ist mir dabei egal“. Die Führungsrolle in seinem Team hat Kirchner Peiffer zugesprochen als potenziell Leistungsstärkstem. „Das ist mir schon klar, dass der Trainer so plant. Aber ich finde unser Team sehr ausgeglichen, und wir haben Michael Greis, der mit seiner Erfahrung viel von dem Druck abfangen kann, der auf mir nun lastet“, sagt die Nummer eins.

Die WM im Kopf

Heim-WM, das bedeutet angesichts des zunehmend surreal werdenden Zuschauerverhaltens in deutschen Stadien „einen Irrsinn, einen Wahnsinn von der Stimmung her. Aber darauf habe ich mich eingestellt, ich denke nicht, dass mich das noch überraschen kann.“ Peiffer ist ein gelassener Mann, ruhige Stimme, entspanntes Wesen, aber zielstrebig. „Ich bin erfolgshungrig“, sagt er, und was Ruhpolding und die WM betrifft: „Ich weiß ja, wie das geht, Weltmeister zu werden. Wenn man es einmal war, gibt es zudem großes Selbstvertrauen, deshalb gehe ich das locker an.“ Die nun anstehenden Weltcup-Wochen betrachtet Peiffer als wichtige Vorbereitung, er sagt: „Ich glaube, mir schwirrt während der Rennen im Weltcup vor allem die WM im Kopf herum. Dagegen kann ich mich kaum wehren.“

Knapp zwei Wochen hat das deutsche Team zuletzt in Muonio trainiert, im fast ganztägig dunklen finnischen Teil Lapplands. Eigentlich eine schneesichere Region, doch zuletzt stand nur eine kleine Runde zur Verfügung. „Aber das war in Ordnung so. Ich fühle mich gut“, sagt Peiffer. In der vergangenen Woche war er noch mal daheim. Training in Niedersachsen. Im ehemaligen Biathlon-Niemandsland.

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