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Nicht einmal von einem schwedischen Rudel zu stoppen: Sander Sagosen (2.v.r).

Handball-EM

Der Besessene

Der Norweger Sander Sagosen ist bisher der überragende Spieler der Handball-EM – das freut auch den THW Kiel, ab Sommer Arbeitgeber des Superstars.

Die Erfolgsformel von Sander Sagosen? Klingt einfach. „Dem Körper geht’s gut, dem Geist geht’s gut“, sagte der Spielmacher von Norwegens Handballern der ARD: „Ich bin einfach rundherum glücklich und genieße das Leben.“ Wie gut es Sagosen geht, ist bei der Handball-EM alle zwei Tage zu beobachten. Präzise wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert der Rückraumspieler, der im Sommer zum THW Kiel wechselt. Er wirft den norwegischen Co-Gastgeber von Sieg zu Sieg. Mit 42 Treffern in fünf Spielen, also mehr als acht pro Partie, ist Sagosen bislang nicht bloß der beste Torschütze des Turniers. Während Dänemarks Mikkel Hansen und Frankreichs Nikola Karabatic längst zu Hause sind, ist der 24-Jährige bislang DIE prägende Figur.

„Manchmal möchte er den Ball viel zu viel selber haben. Aber wenn er gut drauf ist, dann ist er einer der besten Spieler der Welt“, sagt Norwegens Co-Trainer Börge Lund, er vergleicht ihn mit dem jungen Nikola Karabatic. „Er ist super im eins gegen eins. Er ist hungrig. Er tut alles, um ein besserer Handballer zu werden“, sagte Lund.

Und das ist nicht übertrieben. Sagosen ist besessen davon, noch besser zu werden. In Paris, wo er seit 2017 unter Vertrag steht, wohnt er direkt neben der Halle, um die Reiserei zu verkürzen und zu trainieren. „Er ist bodenständig und ein guter Junge“, sagt Lund. Der Aufstieg der norwegischen Nationalmannschaft in den Kreis der absoluten Topteams hängt untrennbar mit dem Kraftpaket zusammen. Sagosen, der auf den ersten Blick manchmal ein wenig tapsig daherkommt, ist Herz und Kopf des Teams. Er bestimmt über die Spielzüge, er entscheidet das Spieltempo, er bestimmt, wenn jemand aufs Tor wirft – und das ist meistens Sagosen selbst.

„Ich möchte der Beste sein“

„Saggy“ macht bislang den Unterschied, und das am besten noch bis Sonntag. Nach zwei verlorenen WM-Finals 2017 und 2019 soll am kommenden Wochenende in Stockholm schließlich endlich der ganz große Wurf gelingen.

Spanien und Kroatien seien die großen Mitfavoriten, sagt Sagosen. Gesehen hat er allerdings kaum etwas von den anderen Spielen. „Ich versuche nicht zu viel Handball zu schauen, weil der Kopf müde wird, wenn man alle Spiele sieht“, sagte Sagosen.

In Kiel reibt man sich unterdessen die Hände, der THW und mit ihm die ganze Bundesliga kann sich auf Sagosen freuen. Der Norweger ist momentan die heißeste Nummer im Welthandball. Sagosen, der mit großer Wahrscheinlichkeit zum Topverdiener der deutschen Eliteklasse aufsteigen dürfte, freut sich auf den Rekordmeister, das Selbstverständnis des Klubs hat er trotz seines jungen Alters längst verinnerlicht.

„Ich möchte der Beste sein, das habe ich immer gesagt. Und das ist auch die Mentalität des THW. Sie wollen alles gewinnen. Ich kann mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen“, sagt Sagosen. Zunächst gilt seine volle Konzentration aber dem Auftrag mit der Nationalmannschaft. (sid)

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