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Der Weltrekordler Paul Biedermann spricht über das Schwimmen nur in Badehose.
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Der Weltrekordler Paul Biedermann spricht über das Schwimmen nur in Badehose.

Schwimmer Paul Biedermann

Von Berufs wegen motiviert

Schwimm-Weltrekordler Paul Biedermann sieht den Saisonhöhepunkten locker entgegen und verkrampft sich nur beim Thema Privatleben. Zumal eine neue Liebe zwangsläufig Prioritäten verschiebt. Von Petra Szag

Von Petra Szag

Paul Biedermann schaut kurz irritiert. Dann springt er auf und stürmt auf den jungen Koch zu, der im Türrahmen zum Küchenbereich steht. Eigentlich weilt Biedermann im Dorint-Hotel von Halle zu einem Medienmarathon. Vor der am heutigen Mittwoch beginnenden deutschen Meisterschaft und der Europameisterschaft im August in Budapest steht eine Vielzahl von Interviews auf dem Programm. Biedermann ist ein nationaler Star, aus allen Teilen des Landes kommen Pressevertreter wegen ihm in die Saalestadt. Doch Momente wie jener mit dem Koch zeigen ein völlig anderes Bild des Weltklasseschwimmers. "Ein früherer Sportkamerad, ein Ruderer", erklärt er später seine spontane Aktion und streicht sich unbewusst über den Dreitagebart. "Wir haben uns eine Ewigkeit nicht gesehen."

Biedermann ist locker drauf. Keine Spur von Anspannung wegen der bevorstehenden Meisterschaft. Kein bisschen genervt scheint er wegen des Pressemarathons. Jedenfalls bis das Gespräch um sein Privatleben und die Beziehung zu Britta Steffen geht. "Das ist tabu", sagt der 23-Jährige. Schlagartig wird er ernst. "Ich will mich über meine Leistung als Schwimmer definieren, alles andere finde ich peinlich."

Dabei ist das Thema Privatleben durchaus von Belang. Jedenfalls wenn es um die Motivation des schnellsten Mannes im Wasser geht. Biedermann ist hoch dekoriert: Sportler des Jahres, Doppelweltmeister, Weltrekordler - das alles hat er im Jahr 2009 erreicht. Das Training musste oft den großen Galas weichen. Zudem hat das Verbot der Hightech-Anzüge die Rekordjagden beendet. Wie also kriegt ein Athlet die Kurve zurück in den Alltag? Zumal eine neue Liebe zwangsläufig Prioritäten verschiebt. Also ein erneuter Vorstoß.

"Natürlich beeinflusst mich mein Umfeld", gibt Biedermann schließlich zu. Er klingt nun mürrisch. "Ich bin doch keine Maschine, die auf Knopfdruck reagiert. Aber im entscheidenden Moment, also im Wettkampf, kann ich das Private ausblenden." Und im Training? Im Alltag? Britta Steffen lebt in Berlin, eineinhalb Zugstunden entfernt. Einen Führerschein hat Biedermann nicht. Selbst die Fragen nach der logistischen Lösung des Problems würgt er ab: kein Kommentar, nächste Frage.

Bei der Anzugproblematik findet der 23-Jährige dagegen schnell zur Offenheit zurück. Seit die leistungsfördernden Kunststoffanzüge verboten wurden, schwimmt er seinen Fabelweltrekorden hinterher. Vier Sekunden fehlen ihm auf den 200 Meter Freistil, sogar acht sind es auf der doppelt so langen Strecke. "Das sind gleich drei Welten, die dazwischen liegen", sagt Biedermann. Er versichert, sich davon nicht herunterziehen zu lassen. Schließlich haben alle mit den Problemen zu kämpfen. "Man muss einfach lernen, damit umzugehen. Das bringt die Masse der Wettkämpfe mit sich." Welche Zeiten überhaupt möglich sind, wird erst die EM zeigen. "Entscheidend ist aber letztlich das Duell gegeneinander."

Mit seinem Trainer Frank Embacher spricht Biedermann selten über Zahlen und Zeiten. Aber er schaue sich die Ranglisten an. Über 200 Meter Freistil hat ihm der 17-jährige Franzose Yannick Agnel mit seiner Jahresweltbestzeit den Fehdehandschuh hingeworfen. "Mir hilft das Wissen darüber, dass die Konkurrenz nicht schläft." Als Weltrekordler ist er der Gejagte. "Das motiviert mich nur noch mehr", so Biedermann.

Vielleicht ist es Biedermanns großes Glück, dass ihm ein Europäer den Spitzenplatz in der Bestenliste genommen hat. In diesem Jahr ist der Saisonhöhepunkt nämlich keine Weltmeisterschaft, sondern eine EM. Ein Wettkampf also, den der weltbeste Krauler als Meisterschaft der zweiten Liga einstufen könnte. "Auf keinen Fall", widerspricht er. "Die Situation ist durch das Anzugverbot völlig neu und deshalb auch für mich ungeheuer spannend." Trotzdem hofft er bei der Kurzbahn-WM im Dezember auch auf Duelle mit den Stars aus Übersee, vor allem dem vor Jahresfrist in Rom von ihm entthronten großen Michael Phelps.

Alltag kostet Überwindung

Weil Biedermann Profi ist und das Schwimmen sein Beruf, nimmt er jede Meisterschaft ernst. Die Einstellung hat ihm geholfen, nach all den schillernden Bällen und Ehrungen im Vorjahr wieder in den grauen Trainingsalltag abzutauchen. Leicht gefallen, so ehrlich ist er, sei ihm das trotzdem nicht. Schließlich koste alles, was monoton ist, Überwindung, sagt Biedermann und meint damit das endlose Kachelnzählen ab 7 Uhr morgens in der Trainingshalle. Auf null heruntergefahren hat er seine PR-Termine und öffentlichen Auftritte trotzdem nicht. "Wenn es mit dem Trainingsplan vereinbar ist, warum nicht", sagt Deutschlands Sportler des Jahres. "Manche Sachen sind mir da auch wichtig." Die Grundsteinlegung für die neue Schwimmhalle in seiner Heimatstadt etwa. Ohne ihn wäre das Projekt nie so schnell angestoßen worden. So wird die Halle auch Verpflichtung für ihn sein, Verpflichtung zur Motivation.

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